Di., 08.05.2018

Fußball: Kreisliga B Steinfurt Der Fluch vom Vechtestadion

Trainer Thorsten Bäumer benutzte in den vergangenen Wochen zumeist den Konjunktiv. Mittlerweile nimmt der Aufsieg aber immer konkretere Formen an.

Trainer Thorsten Bäumer benutzte in den vergangenen Wochen zumeist den Konjunktiv. Mittlerweile nimmt der Aufsieg aber immer konkretere Formen an. Foto: Thomas Strack

Ochtrup - 

Die Tür zur Kreisliga A war für die Fußballer der SpVgg Langenhorst/Welbergen in den vergangenen Jahren wie vernagelt. Mehrmals verspielten sie in bester Position noch den Aufstieg. Jetzt scheint es so, als sollte der Fluch vom Vechtestadion ein Ende finden.

Von Marc Brenzel

Benfica Lissabon kann international keine Titel mehr gewinnen: Und das wegen Béla Guttmann. Als die Vereinsbosse dem Trainer nach dem gewonnen Europapokalfinale 1962 gegen Real Madrid eine Gehaltserhöhung verweigerten, verfluchte Guttmann den Club: „In 100 Jahren wird Benfica in Europa keine Titel mehr gewinnen.“ Die Bilanz der Portugiesen seitdem: fünf internationale Endspielteilnahmen, keine Pokale.

Wie sich die Kicker aus Langenhorst und Welbergen versündigt haben, ist nicht belegt. Aber auch auf ihnen scheint irgendwie ein Fluch zu lasten. Seit Jahren drängen sie in die Kreisliga A, doch immer, wenn es drauf ankam, versagte die Spielvereinigung. Zuletzt belegten die Schwarz-Gelben fünf Mal in Serie den undankbaren dritten Platz. Dabei wurden teilweise sogar zweistellige Vorsprünge nicht ins Ziel gebracht.

„Irgendwas scheint mit uns nicht zu stimmen“, rätselt Sven Murawski, der seit 13 Jahren Betreuer ist und so hautnah wie kein anderer dabei war, wenn wieder mal der Sprung ins Kreisoberhaus knapp verpasst wurde.

Den vermeintlichen „Nichtaufstiegs-Fluch“ mit Alfred Holtmann in einen Zusammenhang zu bringen, wäre unpassend. Der Vorsitzende macht, tut und ackert für den Verein wie kein Zweiter, aber: Seit März 2004 steht er dem Verein vor, im darauffolgenden Juni folgte der Abstieg, und die schwarze Serie begann. „Diesmal sieht es aber richtig gut für uns aus“, blickt Holtmann voller Optimismus auf die Tabelle. Die weist seinen Verein drei Runden vor Schluss als Tabellenführer aus – mit einem Polster von sieben Punkten. Will heißen: Ein Sieg am Sonntag im Heimspiel gegen Fortuna Emsdetten und das Vechtestadion steht Kopf.

„Vielleicht wäre es besser, ich sollte meinen Posten direkt abgeben, wenn es mit dem Aufstieg klappt“, unkt Holtmann, der wie viele andere bei der SpVgg keine große Lust mehr auf die B-Liga hat.

Dass die Meisterschafts-T-Shirts schon bestellt sind, hat Thorsten Bäumer auch zur Kenntnis genommen. Doch der Trainer benutzt trotz der glänzenden Ausgangslage lieber den Konjunktiv, wenn er vom möglichen Titelgewinn redet. „Dafür habe ich in den vergangenen Jahren schon zu viel erlebt“, erinnert der ehemalige Oberliga-Stürmer.

Mag der eine oder andere die verpassten Aufstiege mit höheren Mächten in Verbindung bringen, Bäumer betrachtet die Sachlage rational: „Das hat nichts mit Aberglaube zu tun. Die Jungs haben sich entwickelt. Sie haben gemerkt, dass es nicht reicht, nur gut Fußball zu spielen. Wer Meister werden will, der muss auch kämpfen und beißen. Und das machen sie jetzt.“

Betreuer Sven Murawski könnte mit einem Aufstieg übrigens seine Saisonbilanz ausgleichen. Sein Lieblingsverein 1. FC Kaiserslautern musste in die 3. Liga absteigen, sein Heimatverein könnte diesen Makel beheben und dafür sorgen, dass der „Rote Teufel“ doch noch in den sportlichen Himmel kommt.



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