Mi., 11.07.2018

Radsport: Der 600er Brevert von Merselo Langstreckenspezialist Thorsten Stening fährt 600 Kilometer bis zum Glück

Einfach platt: Thorsten Stening hat auf den letzten zwei Kilometern des Merselo-Brevets noch einmal richtig Volldampf gegeben, um die 24-Stunden-Marke zu unterbieten.

Einfach platt: Thorsten Stening hat auf den letzten zwei Kilometern des Merselo-Brevets noch einmal richtig Volldampf gegeben, um die 24-Stunden-Marke zu unterbieten. Foto: RSC Ochtrup

Ochtrup - 

Thorsten Stening hat eine weitere Herausforderung bestanden. Zum ersten Mal meisterte der für den RSC Ochtrup startende Radsportler eine 600-Kilometer-Fahrt. Was den Reiz der Langdistanzen ausmacht, erklärt der gebürtige Metelener im Interview mit den Westfälischen Nachrichten.

Thorsten Stening ist der Mann für die ganz langen Distanzen. Am vergangenen Wochenende stellte sich der Radsportler aus Ochtrup seiner bisher härtesten Herausforderung: einem 600er Brevet – also einer Rundstreckenfahrt, in der 600 Kilometer am Stück zu bewältigen sind. WN-Sportredakteur Marc Brenzel wollte von Stening, der für den RSC Ochtrup fährt, wissen, was den Reiz der „Strampelei“ ausmacht.

Herr Stening, dieser Brevet fand in den Niederlanden statt. Auf flachem, eigentlich gut zu befahrendem Terrain, oder?

Thorsten Stening: Sollte man meinen, aber dem war nicht so. Wir sind mit rund 70 Mann in Merselo gestartet und dann westwärts in Richtung Nordseeküste gefahren, danach nach Norden an der Küste entlang und über das Ijsselmeer zurück gen Süden. Die ersten 400 Kilometer hatten wir richtig unangenehmen Gegenwind. Und zum Ende, in der Gegend von Nijmegen, wurde es hügelig. Das war dann noch mal eine echte Plackerei.

Für die Strecke haben Sie 23:59:17 Stunden gebraucht. Entspricht das Ihren Vorstellungen? Schließlich sind Sie so eine lange Distanz ja noch nie gefahren.

Stening: Das Zeitlimit betrug 40 Stunden, ich wollte unter 27 Stunden bleiben. Aber als ich merkte, dass ich die Marke von 24 Stunden unterbieten kann, habe ich auf den letzten zwei Kilometern noch mal richtig in die Pedale getreten.

Was wird auf so langen Distanzen mehr beansprucht: Der Körper oder der Kopf?

Stening: Der Kopf macht die meisten Probleme. Wenn ich an einem Bahnhof vorbeifahre, kommt da des Öfteren der Gedanke, sich einfach in den Zug zu setzen und nach Hause zu fahren. Aber in diesen Situationen muss man stark sein und weitermachen.

Was reizt Sie daran, so lange im Sattel zu sitzen?

Stening: Das Radfahren im Allgemeinen. Dabei komme ich viel herum. Die Eindrücke, die ich von der Strecke und der Natur sammele, sind fantastisch. Insofern ist auch der Weg das Ziel. Außerdem merke ich, dass es mir auch im Alltag viel bringt. Ich bin nicht mehr so ungeduldig. Nach einer derart langen Fahrt im Ziel anzukommen, macht mich ungeheuer glücklich.

Mit welchem Durchschnittstempo sind Sie unterwegs?

Stening: Jetzt beim Merselo-Brevet waren das so um die 25 Kilometer pro Stunde.

Welchen Stellenwert hat das Langstreckenfahren bei den anderen Radsportlern, zum Beispiel bei den Sprintern?

Stening: Die respektieren unsere Leistung. Was die Jungs können, kann ich nicht – und umgekehrt.

Wie bereiten Sie sich auf so eine lange Fahrt vor?

Stening: Früher habe ich drei Mal die Woche trainiert, aktuell beschränke ich mich auf zwei Fahrten pro Woche. Dann aber über Strecken von 200 bis 300 Kilometern. Es kann schon mal sein, dass ich bis nach Hamburg fahre.

Was steht für Sie denn als nächstes auf dem Programm?

Stening: Am Wochenende fahre ich Ochtrup-Amsterdam-Ochtrup mit ein paar Freunden. Das sind 360 Kilometer nonstop. Dabei handelt es sich um eine Art Revival unserer ersten Burning-Roads-Auflage, bei der immer für einen guten Zweck gefahren wird.

Machen 600 Kilometer Hunger auf mehr?

Stening: Vielleicht. Aber die Gedanken daran sind bei mir noch relativ unausgegoren.



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