Schach: Eine anstrengende Sportart?
Geschwitzt wird eher selten beim SC Steinfurt

Steinfurt -

„Sportarten ohne eigenmotorische Aktivität des Sportlers“ sind kein Sport und werden vom DOSB nicht anerkannt. Das war tatsächlich mal so – bis Willi Weyer, bis 1986 Präsident des Deutschen Sportbundes, dazwischen ging. Aber ist Schach auch anstrengend? Kommt der Spieler ins Schwitzen?

Freitag, 01.02.2019, 15:26 Uhr
Zwei Dinge haben Weltmeister Magnus Carlsen (l.) und Helmut Haselhorst (kl. Bild, Regionalliga-Spieler des SCS) gemeinsam: Sie spielen beide Schach und haben im Januar am Tata Steel Tournament in Holland teilgenommen. Carolin Schmitz (rundes Bild, 1. Vorsitzende des SC Steinfurt) gehört zum Damen-Team des SCS.
Zwei Dinge haben Weltmeister Magnus Carlsen (l.) und Helmut Haselhorst (kl. Bild, Regionalliga-Spieler des SCS) gemeinsam: Sie spielen beide Schach und haben im Januar am Tata Steel Tournament in Holland teilgenommen. Carolin Schmitz (rundes Bild, 1. Vorsitzende des SC Steinfurt) gehört zum Damen-Team des SCS. Foto: Fetisova.Photos

Schach fördert die Konzentration, beinhaltet strategisches Denken und Planen, wird in Turnieren und Meisterschaften ausgetragen, und es gibt sogar Spieler, die den Verein wechseln – also wie bei den Ballsportarten. Aber ist Schach anstrengend?

Auf jeden Fall ist der Deutsche Schachbund Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und wird von Bundesministerium des Inneren (BMI) als „förderungswürdig“ anerkannt. Doch das war nicht immer so. Ende 2013 Anfang 2014 hat das BMI die Förderung infrage gestellt, weil der DOSB laut einer eigenen Richtlinie „Sportarten ohne eigenmotorische Aktivität des Sportlers“ nicht als Sport anerkennen wollte. Was aber nicht durchsetzbar war, somit wird Schach auch weiterhin als Sportart vom BMI finanziell gefördert.

Womit allerdings die Frage „Ist Schach Sport?“ immer noch nicht geklärt wäre. Legt man den lateinischen Ursprungsbegriff des Sports „disportari = sich zerstreuen“ zugrunde, zählt das königliche Spiel ganz sicher als Sportart – allerdings auf hohem psychischem Niveau.

Es gibt im Schach Meisterschaften. Aktueller Weltmeister ist der Norweger Magnus Carlsen. Es gibt Turniere und, ähnlich wie bei den Ballsportarten, auch einen Ligabetrieb. Der Schachclub Steinfurt (SCS) beispielsweise, dessen Vorsitzende Carolin Schmitz ist, spielt mit seiner Frauenmannschaft in der 2. Bundesliga, das Herrenteam tritt in der Regionalliga an und rangiert derzeit auf dem sechsten Platz. Zu einer Mannschaft gehören acht Spieler, verteilt auf acht Bretter. Bei den Frauen sind es sechs.

Was die Schachspieler im Gegensatz zu den Kickern nicht machen, ist gemeinsam trainieren. „Die meisten trainieren zu Hause am Computer. Gemeinsam trainieren wir nur einmal im Monat, wenn ein Trainer kommt. Die Jugendlichen haben einmal in der Woche ein regelmäßiges Training“, erklärt Schmitz, die in der Damenmannschaft des SCS am sechsten Brett antritt.

Ein weiterer Unterschied zu anderen Sportarten: Schachspieler betreiben ihren Sport in der Regel sitzend, also ohne „eigenmotorische Aktivität“. Es sei denn, es handelt sich um Simultanschach, wo zumindest ein Akteur laufend bzw. gehend unterwegs ist.

„Nein, körperlich anstrengend ist Schach meiner Meinung nach nicht. Man sitzt fünf bis sechs Stunden an einem Brett und überlegt. Natürlich kann man zwischendurch mal aufstehen oder was essen und sich dadurch bewegen. Geistig ist Schach allerdings schon anstrengend“, sagt die Vorsitzende des SCS. Und ja, je nach Gegner komme man auch ins Schwitzen. Aber das liege an jedem einzelnen Spieler selbst.

Helmut Haselhorst, pensionierter Lehrer aus Burgsteinfurt, gehört zum Regionalliga-Team des SCS und vergleicht den Grad der Anstrengung bei Turnieren so: „Stellen Sie sich vor, Sie müssten zwei Abiturklausuren an einem Tag schreiben.“ Der Schweiß rinnt dann wahrscheinlich in erster Linie, wenn der Prüfling die Aufgabe nicht lösen kann und vor lauter Verzweiflung Schweißausbrüche bekommt.

„Ich habe vor Kurzem an einem Turnier in den Niederlanden teilgenommen, da habe ich knapp zwei Kilo an Gewicht verloren“, erzählt der Burgsteinfurter vom Tata-Steel-Tournament in Wijk aan Zee, bei dem auch Weltmeister Carlsen am Brett saß und zum siebten Mal als Sieger bei dieser hoch dotierten Veranstaltung hervorging. 2500 Schach-Enthusiasten spielten hier an mehreren Tagen in verschiedenen Wettkampfklassen, unterschieden nach der Elo-Zahl (Wertungszahl, die die Spielstärke wiedergibt) gegeneinander. Haselhorst hat bei den Amateuren auf seinem Niveau mitgemacht. Dass er schwitzen musste, wenn‘s mal knifflig wurde, hat er nicht unbedingt feststellen können. Wohl aber, dass „mir warm wurde oder ich mal einen roten Kopf bekam.“ Eine Herausforderung für den Körper ist Schach offensichtlich nicht.

Dafür spielt der Heimvorteil eine nicht unwesentliche Rolle. Haselhorst: „Man hat keine lange Anreise, die einem die Konzentration rauben könnte. Die Örtlichkeiten und die Figuren sind bekannt. Das Einzige, was fehlt, sind brüllende Zuschauer.“

Gemeinsam trainieren wir nur einmal im Monat, wenn ein Trainer zu uns kommt.

Carolin Schmitz

Ich habe an einem Turnier in den Niederlanden teilgenommen, da habe ich knapp zwei Kilo verloren.

Helmut Haselhorst
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