Tischtennis: TTV Metelen
Als dem TTV Metelen die „Sensation von Schöneberg“ gelang

Metelen -

Am 24. Mai 1959 schrieb der TTV Metelen Tischtennis-Geschichte. In Berlin-Schöneberg gewannen die Münsterländer die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Im Finale besiegte das Sextett um Kapitän Hugo Kramer die Übermannschaft schlechthin.

Donnerstag, 23.05.2019, 12:18 Uhr aktualisiert: 23.05.2019, 15:32 Uhr
Zurück in Metelen (v.l.): Klemens Tietmeyer, Josef Wenninghoff, Hermann Wiedau, Paul Hegemann, Horst Langer und Jürgen Langer.
Zurück in Metelen (v.l.): Klemens Tietmeyer, Josef Wenninghoff, Hermann Wiedau, Paul Hegemann, Horst Langer und Jürgen Langer. Foto: TV Metelen

Das 16-jährige Talent Jürgen Langer beglückt seine vielen Instagram-Follower: #Meister#TTVMetelen#Tischtenniskrimi. Und Geschäftsführer Günter Born twittert euphorisch von der „Sensation in Schöneberg“, während die Westfälischen Nachrichten die zu Hause gebliebenen Fans per Live­ticker über das größte Stück Metelener Sportgeschichte informieren: Der TTV gewinnt die deutsche Tischtennis-Mannschaftsmeisterschaft.

So hätte es sein können, wenn die Technik 1959 schon so weit gewesen wäre. Doch damals gab es weder Internet noch Smartphones noch soziale Medien. Es war schlicht und ergreifend ein Telefonat, das die Vechtegemeinde vor 60 Jahren in Ekstase versetzte. An 24. Mai – einem Sonntag – um 22.15 Uhr war es Teambetreuer Ludger ­Becking, der den im Vereinslokal Brinck Fingernägel kauenden TTVlern durch den Hörer vom Titelgewinn vorjubelte.

Am 24. Mai 1959 gewinnt der TTV Metelen die deutsche Tischtennismeisterschaft

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  • Am 24. Mai 1959 gewinnt der TTV Metelen die deutsche Tischtennis-Mannschaftsmeisterschaft. Kapitän Hugo Kramer präsentiert den Pokal.

    Foto: TTV Metelen
  • Das Programmheft, das der Verband anlässlich der Endrunde am 23. und 24. Mai in Berlin-Schöneberg herausgegeben hatte.

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  • Die Teilnehmer: die acht Regionalmeister und die dazugehörigen Vizemeister. Gespielt wurde in zwei Gruppen, die Sieger kamen ins Finale.

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  • Zurück in Metelen (v.l.): Klemens Tietmeyer, Josef Wenninghoff, Hermann Wiedau, Paul Hegemann, Horst Langer und Jürgen Langer.

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  • Metelens Bürgermeister Paul Brink gratuliert TTV-Kapitän Hugo Kramer.

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  • Ein Relikt von vor 60 Jahren: die Meisterurkunde.

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  • Die Presse ernannte den 24. Mai zu einem „Ruhmestag für den TTV Metelen“.

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  • Geehrt und gefeiert wurde anschließend ausgiebig.

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  • Die ganze Gemeinde stand kopf, als die Tischtennis-Heroen in Metelen empfangen wurden.

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Ein 8:8 bei einem Satzverhältnis von 20:17 reichte den Metelenern, um sich im Finale gegen keinen Geringeren als den Titelverteidiger TSV Milbertshofen durchzusetzen. Die Presse schwärmte vom „unermüdlich kämpfenden“ TTV-Kapitän Hugo Kramer, vom „Titelgewinn gegen den haushohen Favoriten“ und einem „Ruhmestag für den TTV“.

Josef Wenninghoff und Horst Langer an den Spitzenbrettern, Hugo Kramer und Klemens Tietmeyer in der Mitte, Paul Hegemann und Jürgen Langer an den Tischen fünf und sechs sowie Hermann Wiedau als Ersatzspieler in der Hinterhand – mit diesem Team trumpfte Westmeister Metelen in Berlin auf.

Nach einem 8:8 gegen Eintracht Frankfurt sowie zwei Siegen gegen den BTTC GW Berlin (9:3) und den SV 07 Ludwigsburg (9:3) standen die Rückschlagsportler aus der Vechtegemeinde im Finale Vorjahressieger Milbersthofen gegenüber, der von Konrad „Conny“ Freundorfer angeführt wurde – dem damals siebenfachen deutschen Einzelmeister.

„Milbertshofen spielte so dominant wie der FC Bayern heute in der Fußball-Bundesliga. Wir waren der absolute Außenseiter, doch mit unserem Teamgeist haben wir voll dagegen gehalten“, erinnert sich Jürgen Langer noch genau an den Krimi, der erst im letzten Doppel ein Ende fand. Tietmeyer und Kramer besiegten Metz und Edenharter mit 21:17 und 21:17.

Tags darauf ging‘s für den Tross in Privat-Pkw nach Hause. Betreuer Bernhard Stening hatte auf der Ablage seines Boliden ein extra großes Schild mit der Aufschrift: Deutscher Mannschaftsmeister 1959“ liegen. Das sorgte bei den DDR-Grenzen für kritische Blicke, aber keine Zwischenfälle.

Ganz Metelen stand kopf, als die Mannschaft von mehreren 1000 Menschen willkommen geheißen wurde. Die Seidenweberei Gebhardt & Co. stellte sogar den Betrieb ein, damit die Belegschaft dabei sein konnte, wenn den Tischtennis-Heroen bei ihrer Rückkehr in die Heimat der passende Empfang bereitet wird. „Wir hatten damals immerhin 800 Webmaschinen in Betrieb. Da einfach die Arbeit ruhen zu lassen, das hat es vorher nicht gegeben und nachher auch nicht mehr“, erinnert sich der heutige TTV-Ehrenvorsitzender Günter Born noch wie heute an die „Flexibilität“ seines damaligen Arbeitgebers.

► Jürgen Langer und sein älterer Bruder Horst sind nach wie vor aktiv. Anfang Juli wollen sie bei der Senioren-EM in Budapest den Doppeltitel in der Altersklasse 75 gewinnen. Hermann Wiedau lebt in Nordwalde, spielt aber nicht mehr. Verstorben sind die anderen Teammitglieder, denen am 24. Mai 1959 die „Sensation von Schöneberg“ gelang.

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