Tischtennis: Strafenkatalog macht auch an der Platte nicht halt
Ein Euro hier, ein Euro da

Burgsteinfurt/Ochtrup/Metelen -

Nicht nur bei den Mannschaftssportlern auf dem Rasen oder am Wurfkreis der Halle gibt es einen Strafenkatalog für diverse Vergehen, auch Tischtennisspieler kennen sich damit aus, wie man Mannschaftskassen füllen kann.

Dienstag, 23.03.2021, 15:22 Uhr aktualisiert: 23.03.2021, 16:47 Uhr
Ja, manchmal ist auch der Schläger Schuld, wenn der Ball nicht dahin geht, wo er hinsollte.
Ja, manchmal ist auch der Schläger Schuld, wenn der Ball nicht dahin geht, wo er hinsollte. Foto: Thomas Strack

Schläger vergessen, Trikot nicht dabei oder zu spät zur Abfahrt? Die Liste an Möglichkeiten, im Mannschaftssport zulasten der Teamkameraden einen Fehltritt zu landen, ist lang. Bei Fuß- und Handballern ist es üblich, dass diverse Verfehlungen mit einem Beitrag in die Mannschaftskasse oder einer Kiste Bier wieder glattgebügelt werden können. Sehr zur Freude der Mitspielern, die so nach überstandenem Match in den Genuss eines – mindestens – kostenfreien Getränkes kommen können.

„Gibt‘s bei uns nicht“, verneint Sascha Beuing kategorisch, um nach kurzem Überlegen zu ergänzen: „Aber könnte man mal drüber nachdenken, zum Beispiel für Fluchen.“ Doch dann rudert der älteste der Beuing-Brüder, der beim TB Burgsteinfurt in der Oberliga Tischtennis spielt, gleich wieder zurück: „Ne, doch nicht. Dann schieße ich mir ja selbst ins Knie“, weiß die Nummer fünf des TBB sehr genau, dass er keineswegs zu den ruhigen Spielern in der Halle und am Tisch gehört.

„Der kommentiert doch jeden Ball“, sagen manche Gegenspieler über ihn. „Tischtennis ist nach Tennis ja eine Art Gentleman-Sportart“, glaubt er und zweifelt wahrscheinlich selbst, ob er das ernst gemeint hat. Aber Zuspätkommen oder Schläger vergessen, das gebe es in seiner Mannschaft tatsächlich nicht. Selbst die Küken des Teams, Alexander Michelis und Yorrick Michaelis, die gerade mal die 20 erreicht haben, seien in dieser Hinsicht sehr diszipliniert. Ab und zu flöge mal ein Schläger durch die Halle. Aber das sei dann höchstens laut und peinlich für den Spieler. Eine mannschaftsinterne Strafe gebe es dafür nicht.

Heiko Fislage vom TTV Metelen erinnert sich daran, dass es zu Oberligazeiten einen internen Strafenkatalog in seiner Mannschaft gegeben hat. „Heute gibt es den nicht mehr. Wir als Mannschaft verstehen uns untereinander gut. Außerdem haben die meisten unserer Spieler Familie und Kinder. Da sind die Prioritäten andere. In den jüngeren Mannschaften machen die das noch, um sich gegenseitig anzuspornen oder weil sie aufsteigen wollen“, kennt man bei der Ersten des TTV in der Landesliga keine Strafen für Schläger schmeißen oder fluchen. „Das kommt natürlich immer noch mal vor, aber selten. Mir ist das mal passiert, als ich eine 8:4-Führung verspielt habe“, erzählt Fislage.

Als der TTV mit seiner ersten Mannschaft noch in der Oberliga spielte, wurde für einen Fehlschlag, gegen den Tisch treten oder Schläger werfen Geld kassiert. „Das diente ja alles einem höheren Zweck“, sagt Fislage und meint damit die Mannschaftsfahrt. Hatte ein Spieler einen Satz zu null verloren, gingen fünf Euro in die Kasse. Hatte der Spieler einen Satz zu null gewonnen, mussten die Mitspieler jeweils einen Euro löhnen.

„Das Härteste, das ich je erlebt habe, allerdings ohne Geldstrafe, war, dass ich einen Spieler vom Spiel ausgeschlossen habe. Der hat beim Training am Tag vorher aus Frust seinen Schläger zerbrochen“, erinnert sich Heiko Fislage an einen schlimmen Fehltritt eines Mitspielers.

Christoph Heckmann hat mit seinen 58 Jahren schon in sechs verschiedenen Vereinen gespielt, von der zweiten Liga (Kinderhaus und Lünen) bis zur Oberliga. Aber weder in Stemmert noch in Lüdinghausen oder Holzwickede kannte man einen Strafenkatalog für bestimmte Verfehlungen. „Ich hätte das früher nicht schlecht gefunden. Es gab da schon einige, die Shampoo oder Handtuch vergessen hatten. Aber es hat sich nirgendwo durchgesetzt, auch wenn das ja sehr spaßig sein kann“, sagt der TB-Senior. Auf der sportlichen Seite sei das anders gewesen: Spiel im Schneider verloren, kostete Kohle, umgekehrt genauso. Dann mussten die anderen zahlen.

In der Tischtennisabteilung von Arminia Ochtrup gibt es ebenfalls einen Strafenkatalog nebst Bußzahlungen für bestimmte Vergehen. „Selbstverständlich, einen sehr ausführlichen sogar“, bestätigt der Chef der Abteilung, Timo Scheipers. Außer den bei allen Mannschaften üblichen Dingen beziehen sich einige Vergehen beim SCA rein auf den sportlichen Teil: zu spätes Erscheinen an der Box als Coach oder zu frühes Aufstehen als Schiedsrichter in der Box betrifft die Regularien während eines Matches. „Das Schlimmste, das sich ein Spieler leisten kann, ist Gegnerbeleidigung. Das kostet bei uns 50 Euro, kommt bei uns aber höchstens zwei Mal in der Saison vor. Unterm Strich reicht das Geld aber meistens für eine ausgiebige Saisonabschlussparty“, sagt Scheipers.

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