Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV)
Münsteraner macht sich für Profifußballer-Rechte stark

Münster/Duisburg - Viele Jugendliche träumen von einer Karriere als Profifußballer – nur ganz wenige Talente schaffen den Sprung. In diesem beruflichen Umfeld ist jedoch Vorsicht und Weitblick erforderlich, um als Spieler während und vor allem auch nach der Karriere abgesichert zu sein. Hierbei unterstützt mit verschiedenen Serviceleistungen die Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) die Aktiven und bietet auch vereinslosen Profis Hilfe an. Als Geschäftsführer der Spielergewerkschaft setzt sich seit mittlerweile zehn Jahren der gebürtige Münsteraner Ulf Baranowsky für die Rechte der Fußballer ein.

Freitag, 07.11.2014, 14:05 Uhr aktualisiert: 08.11.2014, 00:56 Uhr
Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV)  : Münsteraner macht sich für Profifußballer-Rechte stark
Dem Fußball eng verbunden: Ulf Baranowsky war selbst für SW Berlage, Adler Buldern und das Altherrenteam der SG Castrop aktiv. Foto: Mirko Ludwig

Freitagnachmittag - in der Sportschule Duisburg Wedau kehrt zunehmend Ruhe ein. Die meisten der hier Beschäftigten haben sich ins Wochenende verabschiedet. Über 20 Sportverbände haben hier im viel verzweigten Gebäudekomplex am Margaretensee, unweit des Stadions des Traditionsclubs MSV Duisburg , ihren Sitz. Ulf Baranowsky hat seinen Feierabend nach hinten verschoben.

Der gebürtige Münsteraner hat in der Duisburger Sportschule beruflich Wurzeln geschlagen - als Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) . Seit zehn Jahren vertritt der 40-Jährige nun schon die Interessen der Fußballer von der ersten Liga bis zur Regionalliga.

Studiert hat Ulf Baranowsky in Münster neben Publizistik- und Kommunikationswissenschaften sowie Soziologie auch Sportwissenschaften, sein beruflicher Weg führte aber nicht direkt in den Sportsektor. Über einen „Umweg“ landete er schließlich bei der VdV: Als persönlicher Referent des Bürgermeisters von Castrop-Rauxel und Pressesprecher der Stadt lernte Baranowsky zunächst die Kommunalpolitik kennen, was für ihn heutzutage bei Verhandlungen im sportpolitischen Bereich vermutlich durchaus von Vorteil ist.

Stetiger Entwicklungsprozess 

In überschaubarem Rahmen ging es 2004 los: „Die VdV war damals ein relativ kleiner Verband und hatte längst nicht das breite Spektrum, das wir jetzt anbieten können“, erinnert sich der in Buldern aufgewachsene VdV-Geschäftsführer noch an die Anfänge seiner Tätigkeit. Zehn Jahre später bietet die Spielergewerkschaft, der über 1300 Mitglieder angehören, eine umfangreiche Palette von Serviceleistungen an, zu der Vertragsprüfungen, Beratungen zu Vorsorge-, Rechts-, Bildung-, Medizin- Steuerfragen sowie Medien- und Bewerbungstraining gehören.
 
Im Aufbau der nun bestehenden Strukturen und Angebote steckt sehr viel Arbeit, Hartnäckigkeit und Leidenschaft der VdV-Verantwortlichen. Maßgeblich am Gestaltungsprozess beteiligt war Ulf Baranowsky. „Die Erfolge sind das Ergebnis guter Teamarbeit von Präsidium, Spielerrat, Geschäftsführung und Mitarbeitern. Mit unserer Mannschaft haben wir für die Zukunft insbesondere im politischen Bereich noch einiges vor, um die Rechte der Spieler zu stärken.“

Ein Meilenstein in der Geschichte der Spielergewerkschaft ist die 2006 getroffene Kooperationsvereinbarung mit DFB , Ligaverband und DFL . Hiermit wurde der VdV als legitime Interessensvertretung der Berufsfußballer in Deutschland anerkannt. Seitdem arbeiten alle vier Gremien sehr viel enger verzahnt miteinander. Auch im internationalen Vergleich hat die deutsche Spielergewerkschaft „Pionierarbeit“ geleistet – wie beispielsweise  das jährliche VdV-Spielercamp für Fußballer, in dem vereinslose Fußballer trainiert und fit gemacht werden für ein neues Engagement, sowie Förderung von sportpsychologischen Angeboten im deutschen Profifußball.

VDV 11 Mats Marc

Ein angenehmer Ortstermin: Ulf Baranowsky (r.) überreichte den BVB-Profis Marco Reus (2.v.l.) und Mats Hummels (3.v.l.) VdV-Auszeichnungen (Foto: VdV).

Beim Rundgang durch die Sportschule präsentiert Ulf Baranowsky nicht ohne Stolz die räumlichen Gegebenheiten, die den Teilnehmern des VdV-Camps zur Verfügung stehen. Ein Blick in die modern ausgestatteten Kabinen und Funktionsräume sowie auf die angrenzenden Rasenplätze verdeutlicht, dass an diesem Ort vereinssuchende Spieler und Trainer optimale Bedingungen vorfinden, um sich professionell für eine neues Engagement vorzubereiten. 

Wie ein Tausendsassa

Innerhalb der VdV ist Ulf Baranowsky wie ein Libero im Einsatz – sein Aktionsradius ist umfangreich. Der Geschäftsführer agiert im operativen Bereich und ist „die Stimme nach außen“. So zählen beispielsweise Medienbetreuung, Pflege des VdV-Internet-Auftritts, Kontaktpflege zu Kooperationspartnern und Koordination von Projekten aber auch Personalplanung sowie finanzielle Belange des Verbandes mit zu seinen Aufgaben.
 
Das Fußball-Geschäft hat der 40-Jährige aus verschiedenen Blickwinkeln kennengelernt – und positive wie negative Erfahrungen gesammelt. „Man muss für diese Tätigkeit eine große Leidenschaft mitbringen“, sagt er und merkt zugleich an, „dass eine hohe Frustrationstoleranz erforderlich ist, weil man längst nicht überall auf offene Ohren stößt“.

Ulf-Baranowsky

Ulf Baranowsky (Foto: VdV).

 
Aber das  Ulf Baranowsky nicht abgeschreckt. Die Erfolge der VdV sowie positive Rückmeldungen haben ihn bestätigt, den richtigen Berufsweg eingeschlagen zu haben. „Es ist einfach schön, wenn dank unserer Unterstützung Spieler wieder neue Perspektiven für sich sehen und in ein gutes Fahrwasser gelangen.“ 

Vorsicht ist geboten

Auf der einen Seite spielt die menschliche Nähe zu hilfesuchenden Mitgliedern bei der VdV natürlich eine wichtige Rolle, andererseits ist aber auch „eine professionelle Distanz zum Fußball-Geschäft erforderlich“, erklärt Baranowsky. Häufigere Konfliktfelder sind in der Arbeit der Vdv juristische Problemfälle zwischen Clubs, Beratern und Spielern wie Auseinandersetzungen über Vertragsstrafen und Lohn- sowie Prämienfortzahlungen. „Man darf Konflikte nicht scheuen, muss aber zugleich einen kühlen Kopf bewahren und sachlich bleiben, auch wenn sich solche Streitigkeiten oft emotionaler Ebene abspielen.“
 
Der Traum vom Profifußball ist verlockend, birgt aber auch Gefahren. „Jungen Spielern fehlt oft der vorausschauende Blick auf die Zeit nach dem Fußball und sie überschätzen sich sportlich.“ Deshalb hat sich die VdV zum Ziel gesetzt, „immer nah an den Nachwuchsspielern dran zu sein, Vertrauen zu schaffen und in diesem Bemühen nie nachzulassen“, sagt Baranowsky. Nach der aktiven Karriere haben gerade mal zehn Prozent der Profispieler finanziell ausgesorgt, rund ein Viertel ist hingegen abhängig von Leistungen Dritter, berichtet der VdV-Geschäftsführer weiter. „Die Trainerlaufbahn ist aufgrund der geringen Beschäftigungsgarantie ohnehin nur für Leute möglich, die eine Komfortzone genießen.“

Praktiker wie auch Theoretiker

Nichtsdestotrotz hat Baranowsky, der als Spielertrainer von SW Berlage und als Kicker bei der Alt-Herrenmannschaft der SG Castrop aktiv war, selbst die Trainerausbildung in Angriff genommen. Hierbei wurde er beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen unter anderem vom ehemaligen Aufstiegstrainer des SC Preußen Münster , Helmut Horsch, ausgebildet. Dies ist jedoch nur als Hobby anzusehen, denn als Sportfunktionär fühlt sich  Ulf Baranowsky beim VdV bestens aufgehoben.

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