Fußball: Westfalenliga
Preußen setzen auch künftig auf die U 23

Münster -

Zahlreiche Profivereine haben ihre U 23 bereits abgemeldet, beim SC Preußen ist dieser Schritt bisher nicht geplant. Sören Weinfurtner, Trainer der Reserve, nennt gute Gründe für die Beibehaltung des Ausbildungskonzeptes, das er am liebsten in der Oberliga fortsetzen würde.

Samstag, 09.05.2015, 07:00 Uhr
Sören Weinfurtner bleibt auch in der kommenden Saison Trainer der Preußen-Reserve und hofft noch auf den Aufstieg in die Oberliga.
Sören Weinfurtner bleibt auch in der kommenden Saison Trainer der Preußen-Reserve und hofft noch auf den Aufstieg in die Oberliga. Foto: Jürgen Peperhowe

Womöglich öffnet sich für den Westfalenligisten sogar die Aufstiegstür über Umwege noch. „Die Leistungsdichte in der Oberliga ist natürlich noch mal höher, da würden 90 Prozent nie reichen. Dazu prägt die Zuschauerkulisse, für die Spielpraxis der Leute aus dem Profi-Kader wäre diese Klasse viel attraktiver“, sagt Weinfurtner, der auch die technische und taktische Qualität hervorhebt. „Und natürlich hätten wir einen ganz anderen Zugriff auf potenzielle Neuzugänge.“

Oft nah dran

In den vergangenen Jahren war der SCP oft nah dran, am Ende fehlte die letzte Konsequenz, vielleicht auch Erfahrung. „Es ist nicht so, dass wir mit aller Macht wollen oder müssen“, sagt Weinfurtner. „Aber ich glaube, dass es für die erste Mannschaft perspektivisch wichtig wäre. Außerdem ist die mediale Ebene viel prominenter.“ Bisher kamen Lizenzspieler meist nur dazu, wenn ihnen Einsätze in der 3. Liga fehlten, sie dort ausgebootet waren oder Verletzungspausen hinter sich hatten, nicht aber, um Siege oder Aufstiege zu erzwingen.

Der Blick auf die Profis ist aber nur die Seite, der Ausbildungsgedanke für Eigengewächse zählt genauso. Akteure wie Max Mümken , Pascal Koopmann oder Stefan Kaldewey setzten sich über die Zweite zwar in Szene, blieben später oben aber chancenlos. „Der Sprung ist nicht oft gelungen“, gesteht Gockel. „Das Begleiten und Betreuen in der ersten Senioren-Phase ist nicht zu vernachlässigen“, betont jedoch Weinfurtner. „Auch wenn es am Ende an den Spielern liegt. Haben sie Geduld? Reicht die Qualität? Der Schritt aus der U 19 ist eben groß. Und wir wollen ja nicht nur für die Ober- und Westfalenligisten aus der Nachbarschaft ausbilden.“ In Leverkusen etwa, wo die Reserve seit 2014 aufgelöst ist, hat aus dem Nachwuchs nur eine Chance, wer es gleich im Bundesliga-Team packt oder sich verleihen lässt. Ein Modell, das Weinfurtner in Münster ablehnen würde.

Völlig andere Position

Die These des B-Lizenz-Inhabers klingt nachvollziehbar: In der Jugend gelten die Besten als Stützen, werden vom Trainer getragen, erhalten Anerkennung – im Erwachsenen-Sektor ist die Position im Team eine völlig andere. Vorbei ist es dann mit dem Wohlfühlumfeld, jetzt kommen Ellbogen zum Einsatz. „Dann ist es entscheidend, viel zu sprechen. Das sind doch junge Leute“, so Weinfurtner, der auf pädagogisches Geschick auch Wert legt, wenn Drittliga-Leihgaben (wie Philip Röhe oder Julian Riedel) bei ihm aushelfen. „Die Jungs sollen lernen, auf dem Platz auch fokussiert zu sein, wenn es an anderer Stelle nicht so läuft.“ Und sie dürfen Spaß am Fußball haben, am Wettkampf, dazu Fehler machen.

„Kein großer Topf“

Kluge Ansätze wären aber wohl auch in Münster zweitrangig, wenn die U 23 viel Geld verschlingen würde, wie etwa aus Bochum kolportiert. „Aber das ist ja kein großer Topf“, räumt Gockel ein, der den Kontakt zur Jugend-Abteilung und auch zu Nachbarvereinen gleichfalls hervorhebt. „Talente aus der Region sollen bei uns Perspektiven sehen, wir wollen eine Art Leuchtturm sein.“ Weinfurtner stimmt zu. „Gerade wenn die Profis bundesweit unterwegs sind, ist es gut, die Basis zu erhalten und sich im Umland zu präsentieren – oder etwa bei der Stadtmeisterschaft. Ich glaube, ohne U 23 würde dem Verein etwas fehlen. Das Zeichen nach außen wäre fatal.“ Spekulationen über die Zukunft der Zweiten beim SCP kann es auch künftig geben, derzeit sitzt das Team aber fest im Sattel. Ein Aufstieg würde den Stellenwert sicher nicht verschlechtern.

►  Sonntag empfangen die Preußen den stark abstiegsbedrohten Drittletzten TuS Dornberg, wo Ex-Nationalspieler David Odonkor in dieser Woche als Trainer zurückgetreten ist. Personell sieht es für den Tabellenzweiten düster aus, da nun auch Marco Gatzke fehlt. U-19-Akteure könnten demnächst aushelfen.

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