Fußball: SC Preußen steigt wieder ein
Der Kreis des Vertrauens

Münster -

Trainingsauftakt bei den Preußen und etwa 200 Kiebitze sind dabei.

Sonntag, 21.06.2015, 20:52 Uhr aktualisiert: 22.06.2015, 12:13 Uhr
Neue Gesichter: Trainer Ralf Loose mit (hinten von links) Danilo Wiebe, Jesse Weißenfels, Lennart Stoll, Torwarttrainer Carsten Nulle und (vorne von links) Benjamin Schwarz, Niklas Lomb, Felix Müller, Lion Schweers.
Neue Gesichter: Trainer Ralf Loose mit (hinten von links) Danilo Wiebe, Jesse Weißenfels, Lennart Stoll, Torwarttrainer Carsten Nulle und (vorne von links) Benjamin Schwarz, Niklas Lomb, Felix Müller, Lion Schweers. Foto: Jürgen Peperhowe

Dann wurde der neue innere Kreis des Vertrauen gebildet. Alle waren da, der Trainerstab, die Spieler, die Angestellten des Vereins, das Präsidium und der Aufsichtsrats-Vorsitzende Thomas Bäumer. Sportvorstand Carsten Gockel hatte das alles so vorbereitet, ein neuer Korpsgeist soll entstehen, Extrawürste unerwünscht: „Wir sind ein Team, und das sind nicht nur die mit den grünen Trikots. Wir wollten etwas verändern, heute haben wir alle damit begonnen.“ Nicht nur elf Freunde sollt ihr sein, die Preußen-Mannschaft ist viel größer als gut und gerne 20 Vertragsspieler.

Er blicke jetzt nur noch nach vorne, fügte Gockel an, und sieht sich als Motor des Projekts Neuaufbau. Die Spieler gingen aus der Kabine auf den Rasen und klatschten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle noch ab, dann traf man sich in der Mitte und zeigte Geschlossenheit. Das gab Applaus von den Rängen. Kurz zuvor hatte Club-Chef Georg Krimp­hove eine kurze Ansprache an das Team gehalten: „Die Netto-Botschaft lautete, dass alle bei null anfangen und wir nur gemeinsam und mit Spaß, selbst wenn es mal nicht so läuft, vorankommen werden.“

Die alteingesessenen Kicker hatten sich da schon die Augen gerieben, denn selbst in der Kabine war in den vergangenen 29 Tagen nichts beim Alten geblieben. „Wir rücken auch damit enger zusammen. Unsere Aufgabe ist es, den Schalter umzulegen und wieder eine Begeisterung zu entfachen“, sagte Gockel. Auch die Neugestaltung der Kabine ist davon Ausdruck: Die Spinde wurden neu zusammengestellt, eine neue Wand gezogen, die Plätze neu verteilt – und die Spieler blicken nun alle auf ein großes Graffiti. Ein riesiger Adler an der freien Wand soll auch den Preußen symbolisch Flügel verleihen.

Bewegung auf dem Transfermarkt

Die Meta-Ebene wurde bedient, auf dem Spielfeld sah Trainer Ralf Loose derweil eine Spielertraube, die sich bereits gravierend verändert hat, und in die noch mindestens eine Handvoll Personalien eingeflochten werden. Bei Dominik Schmidt und Aaron Berzel, die beiden Abwehrspieler stehen beim SCP auf der Streichliste trotz laufender Verträge, gibt es Bewegung auf dem Transfermarkt. Schmidt wird wohl nicht zu Erzgebirge Aue wechseln, andere Clubs zeigen aber Interesse. Das gilt auch für Mittelfeldmann Marcus Piossek. Der 25-Jährige wird vom Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern umgarnt. Sein laufender Vertrag würde nur gegen eine Ablösesumme aufgelöst werden, da scheiden sich die Geister. Kaiserslautern dürfte branchenüblich vielleicht bis 200 000 Euro bieten, Münsters Vorstellung dürfte im hohen sechsstelligen Euro-Bereich liegen. Eine Einigung scheint unwahrscheinlich. Wie auch bei Matti Steinmann, einem 20 Jahre alten Mittelfeld-Supertalent vom Hamburger SV – er hätte der neue Erik Zenga werden können in der defensiven Zentrale. Gockel: „Ihn haben mehrere Erstligisten auf dem Radar.“ Da ist der SCP raus.

Und sonst? Münsters fliegender Holländer Rogier Krohne war zur Stelle, um das erste Tor in einem Trainingsspielchen zu markieren. Trainer Loose verfolgte den Auftakt-Kick sehr genau: „Ein guter Moment, alles lief glatt, das war eine tolle Kulisse. Für den Anfang war das ganz gut.“

Elf Abgänge hat er verbucht, sieben Neue sind da. Torwart Niklas Lomb „staubte“ die Nummer eins ab. Der Leihspieler von Bayer Leverkusen freut sich auf die Herausforderung im Kampf um den Platz zwischen den Pfosten mit Max Schulze Niehues und Marco Aulbach. Der neue Torwarttrainer Carsten Nulle (39) wird dem Trio gewiss gehörig „einheizen“.  

► Video unter: www.wn.de/scp

Kommentar:

Reiz und Gefahr

Für den Moment ist der SC Preußen eine Wundertüte. Vieles deutet darauf hin, dass die nächste Spielzeit eine Übergangssaison werden könnte. Kein Aufstiegskampf, kein Abstiegsgerangel, mittendrin und voll dabei, einfach nur Fußball in der 3. Liga.

Trainer Ralf Loose steht nichtsdestotrotz vor einer delikaten Aufgabe, er muss eine neue Statik schaffen, seinem Team neue taktische Systeme verpassen. Die Preußen-Elf von gestern war in die Jahre gekommen, am Ende der vergangenen Saison ging nichts mehr. Aus! Ende! Vorbei!

Einen solchen Einschnitt in ein Aufgebot hat es das letzte Mal vor fast zehn Jahren gegeben, als der SCP in die Oberliga abgestiegen war. Darin liegt ein Reiz, aber durchaus auch eine Gefahr, so ist Sport. Zum Glück.

Es dürften quicklebendige 33 Tage bis zum Saisonstart werden. Und erst dann geht es richtig los. Langweilig wird es mit den Preußen nie.  Alexander Heflik

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