Fußball: Interview
Preußen-Trainer Loose: „Der Teamgeist stimmt – alle ziehen mit“

Münster -

Seit 18 Tagen bereitet Trainer Ralf Loose den SC Preußen Münster auf den Saisonstart in der 3. Fußball-Liga vor. Die Adlerträger erwarten am 25. Juli (14 Uhr) die SG Sonnenhof Großaspach zum Auftakt der Spielzeit. Mit dem 52 Jahre alten Fußballlehrer sprachen unsere Redaktionsmitglieder Ansgar Griebel und Alexander Heflik.

Donnerstag, 09.07.2015, 11:00 Uhr
Gespannt, aber nicht besorgt sieht Ralf Loose der bevorstehenden Spielzeit entgegen.
Gespannt, aber nicht besorgt sieht Ralf Loose der bevorstehenden Spielzeit entgegen. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Vorbereitung der Preußen fühlte sich bislang holprig an, oder?

Ralf Loose: Nicht unbedingt. Bei einem Umbruch braucht man Geduld. Carsten Gockel (Sportvorstand des SCP, d. Redaktion) hatte viel zu tun. Uns war klar, dass wir nicht komplett zum Trainingsstart sein würden. Aber wir haben mittlerweile viele Positionen nach vorne entwickelt. Was ich sagen kann, ist, dass der Teamgeist stimmt, alle ziehen mit, das erste Fazit ist positiv.

Knapp drei Wochen Vorbereitung sind vorbei, hatten Sie Zweifel, den Neuaufbau hinzubekommen?

Ralf Loose: Es ist doch klar, dass man immer wieder mal solche Momente erlebt. Aber insgesamt läuft es gut, es ist Bewegung drin, und die letzten Transfers werden uns noch ein Stückchen weiterbringen.

Zwölf Abgänge, bislang neun Neue (Stéphane Tritz unterschrieb kurz nach diesem Interview) – können Sie die Zahlen schon einordnen?

Ralf Loose: Lennart Stoll und Lion Schweers sind Perspektivspieler, das war so geplant, sie kommen aus der eigenen Jugend. Beide brauchen Zeit zur Entwicklung. Alle anderen haben großes Potenzial. Doch am Ende wird es so wie immer sein, erst in der Meisterschaft kann ein Spieler richtig bewertet werden.

Was halten Sie von den sieben „richtigen“ Zugängen?

Ralf Loose: Na gut, fangen wir mal hinten an.Torwart Niclas Lomb hat gleich gezeigt, dass er Verantwortung übernehmen will. Er ist kommunikativ und hält seine Vorderleute unter Spannung. Felix Müller ist sehr ehrgeizig, ein bissiger Außenverteidiger, der sich aber im Zweikampf noch weiter steigern muss. Björn Kopplin schließt eine offene Position auf der rechten Abwehrseite. Er war zuletzt nicht mehr zufrieden bei Union Berlin. Wenn er fit ist, wenn er seine PS auf den Platz bringen kann, dann wird er eine wichtige Rolle bei uns spielen. Kevin Schöneberg ist erst seit ein paar Tagen wieder im Training. Benjamin Schwarz ist für die Mittelfeldzentrale geplant, er bringt ein Stück Erfahrung in eine ansonsten junge Mannschaft. Charles Elie Laprevotte ist ein auf dem deutschen Markt bekannter Spieler. Jetzt kommt er aus einer Verletzung und wurde deshalb zu uns ausgeliehen. Er hat keinen Freifahrtschein, weil er aus Freiburg kommt. Jesse Weißenfels war zuletzt mit einer Fußverletzung außer Gefecht. Konditionell hat er noch Luft nach oben, er muss sich beweisen, aber er ist ein Spieler mit Tempo und Tordrang. Danilo Wiebe ist ein Perspektivspieler, aber er ist weiter als Stoll oder Schweers. Ihn zeichnet sein gutes Auge aus, er ist ein fleißiger Typ. Körperlich muss er noch zulegen, aber er verfügt jetzt schon über eine sehr große Willenskraft.

Wie weit sind Sie noch von der ersten Elf für das Punktspiel gegen Großaspach entfernt?

Ralf Loose: Erst einmal stelle ich fest, dass jeder von den verpflichteten Spielern das Zeug für die erste Elf hat. In der jetzigen Phase kann ich aber nicht mehr sagen, jetzt kommt erst der Konkurrenzkampf dazu, jetzt geht es für uns darum, das beste Team zu finden.

Dann wissen Sie wahrscheinlich auch noch nicht, wer Nachfolger von Jens Truckenbrod als Kapitän werden wird.

Ralf Loose: Das ist eine gute Frage, dazu kann ich wenig sagen. Amaury Bischoff hat die Binde zuletzt immer getragen, weil er immer einsatzbereit war und gespielt hat. Aber alles ist offen, auch, ob der Kapitän von der Mannschaft gewählt oder von mir bestimmt wird.

Zuletzt war die Kapitänsrolle in Münster immer ein undankbarer Job. Stefan Kühne war kein unumstrittener Spieler bei den Trainern, Gleiches galt auch für Truckenbrod. Liegt ein Fluch auf dieser Rolle beim SCP?

Ralf Loose: Das Problem war, dass bei Kühne wie auch Truckenbrod zuletzt die Leistungskurve nach unten zeigte und die Jüngeren ihnen den Rang abgelaufen hatten. Für Truckenbrod war es vielleicht noch schwieriger, auf der Bank zu sitzen, als es das für Kühne war. Aber die Übergabe der Kapitänsbinde von Kühne an Truckenbrod im Winter 2014 verlief hoch professionell. Und am Ende der vergangenen Saison hat „Trucki“ diese Rolle ja auch noch ausgefüllt.

Wie viele Spieler kommen denn noch?

Ralf Loose: Aus meiner Sicht suchen wir noch einen Linksverteidiger, weil wir nur Felix Müller für die Seite haben. Benjamin Schwarz sehe ich mehr im Mittelfeld. Ein Innenverteidiger sollte noch kommen, obwohl Marco Pischorn große Fortschritte im Training gemacht hat. Im Angriff ist auch noch eine Position offen. Auch Abedenour Amachaibou hat sich voll in den vergangenen Wochen reingehängt.

Beide waren aber Streichkandidaten neben Aaron Berzel – bleiben sie jetzt?

Ralf Loose: Davon gehe ich aus, beide sind für mich volle Bestandteile dieser Mannschaft, sie abzugeben wäre jetzt wohl ein falsches Zeichen.

Wie verfolgen Sie das Treiben der Konkurrenz, ist das ähnlich wie beim SCP?

Ralf Loose: Ich lese natürlich Zeitung und sehe die Transfers. Aber eigentlich schaue ich nicht auf die Gegner. Dass Großaspach einen Test gegen Bayer Leverkusen gewonnen hat, weiß ich natürlich, mehr aber auch nicht. Ich bin zu sehr mit dem Alltag hier beschäftigt, wir trainieren zweial am Tag, dann gibt es unzählige Telefonate bis in die Nacht, um an neue Spieler zu kommen. Wichtig ist doch nur, dass die Adlerträger wieder ins Fliegen kommen.

Bleibt die Frage, wie Sie das Startprogramm gegen Großaspach, dann beim VfB Stuttgart II und danach daheim gegen Aufsteiger Würzburger Kickers bewerten?

Ralf Loose: Das perlt im Moment noch total von mir ab. Unser Chefscout Harald Menzel hat mich darüber informiert, ich kenne also unsere Gegner. Und eines weiß ich auch: Großaspach wird genauso schwer zu bezwingen sein wie Dresden oder Cottbus. Alles, was ich weiß, ist, dass wir uns auf den Start freuen und dass es eine intensive Endphase der Vorbereitung geben wird. Was unsere Mannschaft betrifft, da bin ich sehr optimistisch.

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