Fußball: 3. Liga
Piossek provoziert die Preußen im Interview

Münster -

Marcus Piossek will Preußen Münster offenbar mit aller Macht verlassen. Der 26-Jährige gab der „Bild“ ein Interview, in dem er seinen aktuellen Verein angreift und auch seinen Mitspielern kein gutes Zeugnis ausstellt.

Freitag, 24.07.2015, 10:26 Uhr
Hofft auf seinen Abflug: Marcus Piossek.
Hofft auf seinen Abflug: Marcus Piossek. Foto: Jürgen Peperhowe

Jetzt wird‘s schmutzig im Poker um Marcus Piossek . Der Preußen-Schlüsselspieler, der zum 1. FC Kaiserslautern oder anderswo in die 2. Liga wechseln will, holte im Interview mit „Bild“ zu einem Rundumschlag aus, der im Normalfall eigentlich nur eine Suspendierung zur Folge haben kann. Doch damit hätte der 26-Jährige, der 2013 ablösefrei vom VfL Osnabrück kam, sein Ziel vielleicht schon erreicht. Sportvorstand Carsten Gockel erklärt: „Zu dem Thema ist alles gesagt, wir geben den Spieler nicht ab und haben das Thema beendet. Der Boulevard ist, für mich wenig überraschend, noch mal drauf angesprungen. Wir haben das nicht exklusiv, das ist bei anderen Vereinen ähnlich.“ Ob es eine Sanktion gibt? „Nein, aus unserer Sicht hat er nur seinem Unmut freien Lauf gelassen und nicht dem Club geschadet.“

Zusammengefasst lästert der Spieler über den verbotenen Transfer („Die Vereinsführung hat meinen größten Traum zerstört.“), über die SCP-Clubführung („Mir wurde fest versprochen, bei einer konkreten Anfrage verhandlungsbereit zu sein. Das ist kein guter Stil. Mein Verhältnis hat einen irreparablen Knacks.“) und über die Qualität des Kaders („Mit mir reicht‘s in Normalform vielleicht zu Platz 6, ohne mich zu Rang 9.“). Klar sagt Piossek auch: „Nächstes Jahr ist hier definitiv Schluss für mich.“ Zudem deutet er an, im Falle eines eigenen Tores zum Auftakt gegen die SG Sonnenhof Großaspach (Samstag, 14 Uhr) auf das Jubeln verzichten zu wollen.

Erpressen lassen?

Wer den Rechtsfuß in den vergangenen beiden Jahren neben dem Platz beobachtet hat, ahnt, dass nicht nur seine Laune noch tiefer in den Keller rutscht, sondern dass seine Bereitschaft, wie in der Vorsaison weiterhin alles rauszuholen, nicht mehr zwingend garantiert sein wird.

Was die Preußen nun machen? Erpressen lassen und den Profi abgeben? Wäre kein gutes Signal.

Piossek auf die Tribüne oder in die U 23 schicken? Das wäre verschleudertes Kapital, aber durchaus eine Option. Es ist bekannt, dass sich weder Gockel und schon gar nicht der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Bäumer auf der Nase herumtanzen lassen. Bäumer soll im Übrigen einen letzten Versuch von Piossek und dessen Berater vor gut einer Woche, den Vereinswechsel doch noch möglich zumachen, kategorisch abgeschmettert haben.

Schweres Standing

Bliebe also Variante drei, nach der es momentan aussieht. Ihm weiter volles Vertrauen geben und auf starke Leistungen hoffen? Sehr riskant und innerhalb des Teams, aus dem andere Akteure (etwa Max Schulze Niehues) wegen kleinerer Vergehen bereits temporär aussortiert wurden, kaum zu rechtfertigen. Eine echte Zwickmühle. Beendet ist das Theater garantiert noch nicht – auch wenn dem SCP derzeit kein Angebot vorliegt. Von keinem einzigem Zweitligisten wohlgemerkt.

Wie wird Mannschaft jetzt intern reagieren? Piossek dürfte im Moment isoliert sein, seine Fürsprecher werden sich in Grenzen halten. Der SCP bemüht sich um ein neues Wir-Gefühl, Piosseks Aussagen erschweren diesen Findungsprozess. Der Spielerrat um Kapitän Amaury Bischoff ist gefordert.

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