Fußball: 3. Liga
Preußen-Sorgenkind Piossek lässt ungestraft Dampf ab

Münster -

Das konnten die Preußen vor dem Saisonstart am wenigsten gebrauchen: Marcus Piossek gibt sich weiter wechselwillig im ledert in einem Boulevard-Interview gegen den Verein. Allerdings halten sich die Konsequenzen für den Spieler in engen Grenzen.

Freitag, 24.07.2015, 21:00 Uhr aktualisiert: 26.07.2015, 18:54 Uhr
Marcus Piossek (r.) will weiterhin seinen Abflug aus Münster. Mit seinem Interview sorgte er am Freitag für Verärgerung auf vielen Ebenen, kommt aber ohne Strafe davon.
Marcus Piossek (l.) will weiterhin seinen Abflug aus Münster. Mit seinem Interview sorgte er am Freitag für Verärgerung auf vielen Ebenen, kommt aber ohne Strafe davon. Foto: Jürgen Peperhowe

Am liebsten hätten die Verantwortlichen so getan, als sei gar nichts geschehen. Voller Fokus auf die Meisterschaft, keine anderen Schauplätze. So einfach war das dann aber doch nicht am Tag, an dem Marcus Piossek eine neue Runde im Sommertheater um seine Person anzettelte. Der Schlüsselspieler, der zum 1. FC Kaiserslautern oder einem anderen Zweitligisten wechseln will, holte im Bild-Interview zum Rundumschlag aus.

Keine Sanktionen

Sanktionen muss er aber nicht fürchten, wie Sportvorstand Carsten Gockel betont: „Es ist alles gesagt, diese Situation haben wir ja nicht exklusiv. Das passiert auch in anderen Vereinen. Eigentlich ist das alles Schnee von gestern, die Sache ist lange erledigt.“ Die Enttäuschung über das Wechsel-Veto des SCP könne er sogar verstehen. „Aus unserer Sicht hat er nicht dem Verein geschadet.“

Zusammengefasst lästert der Spieler über den verweigerten Transfer: „Die Vereinsführung hat meinen größten Traum zerstört. Mir wurde fest versprochen, bei einer konkreten Anfrage verhandlungsbereit zu sein. Das ist kein guter Stil. Mein Verhältnis hat einen irreparablen Knacks.“ Und über die Qualität des Kaders: „Mit mir reicht‘s in Normalform vielleicht zu Platz 6, ohne mich zu Rang 9.“ Zudem sagt Piossek: „Nächstes Jahr ist hier definitiv Schluss für mich.“ Im Falle eines Tores möchte er vermutlich auf das Jubeln verzichten. So die durchaus heiklen Kernbotschaften.

Laune im Keller

Wer den Rechtsfuß in den vergangenen Jahren neben dem Platz beobachtet hat, ahnt, dass seine Laune noch tiefer in den Keller rutschen wird. Eine Garantie, dass er an die Form der Vorsaison anknüpft, als er konstantester Feldspieler war, ist keineswegs mehr gegeben.

Derzeit sieht es also so aus, als lasse der Club ihn erstmal gewähren. Auch Trainer Ralf Loose sieht keinen Anlass zu reagieren. „Es ist doch gut, wenn Feuer unterm Dach ist. Ich habe nicht das Gefühl, dass er die Teamkollegen angegriffen hat. Mich nervt die ganze Sache nicht.“ Von der Clubspitze hat der Coach keinerlei Anweisungen erhalten, wie er mit dem Profi nun umgehen soll. „Der Verein sagt nicht, dass Pio nicht spielen darf.“ Der zuletzt angeschlagene Akteur sei nun fit, nach einer Denkpause klingt das alles nicht.

Keine ausreichende Entschädigung

Nach außen schieben die Entscheidungsträger, die vehement betonen, dass das frühere Angebot aus der Pfalz den SCP alles andere als ausreichend entschädigt hätte, die Verantwortung eher dem Boulevard als dem Spieler zu. Dazwischen liegt natürlich auch noch Berater Markus Peter (einst auch für Gaetano Manno zuständig). Trotz der Beteuerungen wird die Sache noch nicht aus der Welt sein. Erpressen lassen wollen sich die Preußen , denen derzeit keine Anfrage vorliegt, nicht. Sonst hätte Piossek ja sein Ziel erreicht. Ihn suspendieren, auf die Tribüne, in die U 23 schicken? Es wäre verschleudertes Kapital – aber nicht undenkbar. Aufsichtsratsboss Thomas Bäumer soll jüngst einen weiteren Vorstoß der wechselwilligen Partei noch abgeschmettert haben.

Bliebe also Variante drei: ihm weiter volles Vertrauen geben und auf starke Leistungen hoffen. Sehr riskant und innerhalb des Teams, aus dem andere Akteure (etwa Max Schulze Niehues) wegen viel kleinerer Vergehen bereits temporär aussortiert wurden, nicht leicht zu rechtfertigen. Eine Zwickmühle. Piossek könnte mehr und mehr isoliert sein. Das neue Wir-Gefühl steht auf der Probe. Vielleicht ist der neue Kapitän Amaury Bischoff, der bisher einen guten Draht zu Piossek pflegte, schon erstmals gefordert.

Rechtsstreit mit Berzel

Rechtsverteidiger Aaron Berzel hat noch einen gültigen Vertrag bis Sommer 2016, allerdings soll der 23-Jährige den SCP verlassen, es gäbe keine sportliche Perspektive für ihn. Unlängst trainierte Berzel beim Erstligisten und Ex-Verein Darmstadt 98 mit. Zurück in Münster absolvierte er ein individuelles Laufprogramm unter der Regie von Co-Trainer Babacar N‘Diaye, genannt auch Wiedereingliederung. Nun will Berzel, der aktuell krankgeschrieben ist, sich ins Mannschaftstraining einklagen. Die Anwälte auf beiden Seiten haben das Wort.

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