Fußball: Kommentar
Preußen-Derby ohne Gäste-Fans – Teil der Kultur stirbt

Dass die Hauptursache für den Ausschluss von Gäste-Fans im Derby zwischen Osnabrück und Münster bei den Zündlern der vergangenen Jahre liegt, steht für unser Redaktionsmitglied Thomas Rellmann außer Frage. Dennoch schreibt er in seinem Kommentar, dass die jetzige Maßnahme die Aufeinandertreffen unglaublich viel an Knistern und Atmosphäre kosten wird.

Mittwoch, 02.09.2015, 16:49 Uhr aktualisiert: 03.09.2015, 07:59 Uhr
Unschöne Szenen: Jetzt gibt es neue Konsequenzen.
Unschöne Szenen: Jetzt gibt es neue Konsequenzen. Foto: Jürgen Peperhowe

Vor jeder Kritik am Ausschluss der Gäste-Fans bei den beiden nächsten Derbys zwischen Osnabrück und Münster muss die Feststellung stehen, dass nicht diejenigen, die nun diese Entscheidung getroffen haben, Auslöser der traurigen Thematik sind.

Nein, ursächlich für die festgefahrene Situation, in der sich gerade die Club-Verantwortlichen befinden, sind die Anhängergruppen, für die ein Duell von Preußen und VfL nur funktioniert, wenn ordentlich gezündelt, geböllert und am besten noch geprügelt wird. Vermutlich wird gerade diese Szene jetzt wieder am lautesten aufschreien. Dabei hatte sie es selbst in der Hand, den Weg zurück in die Normalität einzuleiten, indem sie die Finger von bengalischen Feuern und Rauchtöpfen lässt. Denn ein Derby lebt von ganz anderen Dingen.

Keine Erziehungsmaßnahme

Trotzdem muss die Frage erlaubt sein, warum es nun zur drastischsten aller Vorkehrungen kommen musste. Eine Erziehungsmaßnahme ist das nicht mehr. Die kleinen Gruppen, die bisher viele Bemühungen ad absurdum führten, werden sich auch jetzt nicht langfristig belehren lassen.

Leicht haben sich die Funktionäre diese Entscheidung garantiert nicht gemacht. Dass Vereinsvertreter anders als Polizei- und Sicherheitskräfte dabei große Bauchschmerzen haben, ist sogar anzunehmen. Denn auch sie wissen, dass sich das Modell nur schwer rückgängig machen lassen wird, obwohl der Vorwurf der Sippenhaft nicht ausbleibt. Fürs Erste und vielleicht für immer gilt: Auf den Rängen gibt es nur noch eine Farbe, nur noch einen Schlachtgesang. Kein Gesangsduell mehr, kein Torjubel mit den eigenen Fans. Kein Prickeln, kein Knistern. Einfach kein Derbygefühl. Damit stirbt leider auch ein Teil der Fußballkultur, die wir eigentlich so lieben. Schuldfrage hin oder her.

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