Fußball: 3. Liga
Preußen: Fans-Ausschluss für Gockel „Ergebnis der letzten Aufeinandertreffen“

Münster -

Der SC Preußen muss ohne Fans im Derby beim VfL Osnabrück am 23. September. Im Umkehrschluss gilt das auch für das Rückspiel. Diese Entscheidung hatte sich schon länger angedeutet. Die Reaktionen der Anhängerschaft im Netz fielen logischerweise größtenteils verärgert aus.

Mittwoch, 02.09.2015, 19:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2015, 14:01 Uhr
Allzu oft hat es in den vergangenen Jahren beim Derby zwischen Münster und Osnabrück gequalmt und gekracht. Jetzt müssen die Gästefans draußen bleiben.
Allzu oft hat es in den vergangenen Jahren beim Derby zwischen Münster und Osnabrück gequalmt und gekracht. Jetzt müssen die Gäste-Fans draußen bleiben. Foto: Jürgen Peperhowe

Punkt 12 Uhr am Mittwochmittag wurde in den Geschäftsstellen des VfL Osnabrück und beim SC Preußen Münster nahezu zeitgleich auf den Sendeknopf gedrückt – und die Nachricht war unterwegs: Eine Nachricht, die lange schon im Mail-Ausgang bereitlag, für die aber mit viel Bedacht eine vergleichsweise entspannte Stimmungslage bei beiden Clubs abgewartet worden war, weil der Inhalt absehbar ein gewaltiges und wohl nicht durchgängig positives Echo auslösen würde. Das Drittliga-Derby der Erzrivalen am 23. September (Mittwoch, 18 Uhr) wird an der Bremer Brücke ohne Preußen-Fans angepfiffen – im Gegenzug müssen dann in der Rückrunde an der Hammer Straße auch die VfL-Anhänger zu Hause bleiben.

Mehrtägige Konferenz

Das ist das Resultat einer mehrtägigen Sicherheitskonferenz, an der beide Vereine, der DFB sowie die zuständigen Polizeidienststellen aus Osnabrück und Münster teilnahmen. Wegen des Wochentermins und des daraus resultierenden späten Anstoßes (ein klares DFB-Versäumnis) war auch eine Verlegung kurzzeitig Thema. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius hatte diese vergblich in einem Brief gefordert. Er hatte auch einen Ausschluss der westfälischen Anhänger angeregt.

„Es ist ein Ergebnis der letzten Aufeinandertreffen beider Vereine, bei denen auf beiden Seiten zum Teil Schwerverletzte zu beklagen waren“, so Carsten Gockel , Sportvorstand des SCP, der diese Maßnahme mitträgt, weil es nach langer Beratung am Ende keinen anderen Weg gegeben habe. „Glücklich kann man damit nicht sein“, räumt Gockel ein, der frühzeitig die Fangruppen über die laufenden Verhandlungen in Kenntnis gesetzt hatte. Die Preußen waren dabei durchaus bereit, einige schwer verdauliche Brocken zu schlucken. „Personalisierter Kartenverkauf, eine Reduktion des Kontingents und eine Spielverlegung – alles war im Gespräch, nichts davon schön, aber über alles haben wir nachgedacht“, so Gockel. „Wirklich schwierig war die verbindliche und vom Verein organisierte Anreise der Fans, die die Polizeidirektion Osnabrück gefordert hatte.“

Umzumutbare Aufgabe

Auch aus Sicht von Roland Böckmann, SCP-Sicherheitsbeauftragter, eine unzumutbare und unlösbare Aufgabe. „Uns mittels einer verpflichtenden Anreise Rechte und Pflichten zu übertragen, die im öffentlichen Raum stattfinden, war für uns keine ernstzunehmende Option. Zu viele rechtliche Fragen – besonders haftungsrechtliche – blieben unbeantwortet. Was ist mit dem Eingriff in die Persönlichkeitsrechte? Und was ist mit der Reisefreiheit?“

So wird also das „Spiel der Saison“, wie VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend das Derby bezeichnet, ohne Gästefans über die Bühne gehen. „Mit dem Ausschluss beschreiten die Verantwortlichen einen ungewohnten Weg“, sagt der Leitende Polizeidirektor Rainer Schieferbein für das Präsidium Münster. „Die andauernden Ausschreitungen bei Derbys müssen ein Ende haben.“

Einzelfallentscheidung

Alle Beteiligten hoffen, dass diese Einzelfallentscheidung nicht als Modell für die Zukunft dienen muss. „Die nun entstandene Situation darf nur ein Übergangsmoment sein“, sagt Gockel und bekommt Rückendeckung von Wehlend. „Wir hoffen, dass künftig derart massive Einschränkungen nicht erforderlich sind, damit der Fußball für alle friedlichen Fans beider Vereine wieder im Vordergrund steht.“

Für die Preußen-Fans bleibt somit also nur das Daumendrücken aus der Ferne – und der Blick auf den Ticker. Der NDR wird im TV keine Livebilder zeigen und auch abends keine Zusammenfassung. Selbst ein Stream im Internet, wie ihn die ARD-Anstalten ansonsten häufig anbieten, ist derzeit aus Kostengründen nicht vorgesehen, wie der Sender auf Anfrage mitteilte.

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