VfL Osnabrück - Preußen Münster
Fans wollen ohne Karten anreisen

Münster -

Es wäre wohl blauäugig gewesen anzunehmen, dass der Ausschluss von Gäste-Anhängern in den Derbys zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück in dieser Saison kein Echo hervorrufen würde. Der Vorstand des SCP-Fanprojekts hat sich Stunden nach der offiziellen Bestätigung dieser Maßnahme in einer Nachtschicht zusammengehockt und eine Stellungnahme verfasst, in der er den Schritt massiv kritisiert und die Verantwortung dafür der Polizei und der Politik zuschiebt.

Donnerstag, 03.09.2015, 17:09 Uhr aktualisiert: 04.09.2015, 07:06 Uhr
Einen Preußen-Fanblock wird es in der Osnatel-Arena nicht geben. Die genauen Planungen der Fans wollen diese in Kürze kommunizieren.
Einen Preußen-Fanblock wird es in der Osnatel-Arena nicht geben. Die genauen Planungen der Fans wollen diese in Kürze kommunizieren. Foto: Jürgen Peperhowe

Außerdem lässt der Schlusssatz („Am Derbytag wollen wir mit allen Preußenfans ein entschlossenes Zeichen setzen!“) erahnen, dass es rund um das Duell der Erzrivalen keineswegs komplikationslos zugehen wird. Droht das gestern ausgesprochene Verbot zum Eigentor zu werden? Zumindest in Foren und sozialen Medien haben viele Münsteraner bereits angekündigt, auch ohne Stadionkarten an die Bremer Brücke zu reisen.

„Wir werden demokratische Mittel anwenden und friedlich für unsere Rechte einstehen“, sagt Benjamin Sicking, Vorsitzender des Fanprojekts. Ins Detail gehen möchte er noch nicht. „Wir distanzieren uns klipp und klar von Gewalt. Was wir beeinflussen können, wird friedlich bleiben. Wenn wir im vergangenen Jahr Aktionen organisiert haben, ist es nie zu Zwischenfällen gekommen. Das bleibt so.“

Den eigenen Verein, in dem das Fanprojekt eine eigenständige Abteilung bildet, nimmt Sicking bewusst aus der Schusslinie. „Es war positiv, dass unsere Verantwortlichen uns von Anfang an eingebunden haben in die Überlegungen. Ihnen blieb leider kein Spielraum.“

Die Vorwürfe, die das Fanprojekt an die Behörden richtet, sind nicht neu: Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Meldeauflagen, Großaufgebote an Polizisten – in diesen Punkten drehen sich die Lager bei weitem nicht nur in Münster oder Osnabrück seit Jahren im Kreis. „Den Gästeausschluss halten wir für unverhältnismäßig und nicht hinnehmbar. Jedes Fußballspiel lebt von seinen Fans und Emotionen“, heißt es in der Stellungnahme, die der Fanprojekt-Vorstand unabhängig von den Club-Bossen formulierte.

Stellungnahme des Fanprojekts

So reagierte das Fanprojekt Preußen Münster auf den Gästeausschluss bei den Derbys.

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Andererseits wurde in der gemeinsamen Presseerklärung aller Beteiligten am Mittwoch die Zahl von 114 Verletzten seit 2011 angeführt – dem das Fanprojekt wiederum gegenüber hält, dass diese einer Quote von 0,1 Prozent der Stadionbesucher entspricht.

Es sieht derzeit nicht so aus, als könnte das neue Modell weitere Eskalationen verhindern. Alle Seiten sind weiter gefordert, kein Öl ins Feuer zu gießen. „Wie sich die Situation am Derby-Tag entwickelt, kann man natürlich im Vorfeld nie genau wissen“, räumt Sicking ein.

Das niedersächsische Innenministerium wiederum reichte derweil die Verantwortung in einer Mitteilung teilweise an die Clubs weiter, die sich nicht auf eine Verlegung der Begegnung in die nächste Länderspiel-Pause (10. Oktober, 14 Uhr) einigen konnten. Allerdings hätten beide Clubs in dieser Zeit Nationalspieler abstellen müssen. SCP-Sportvorstand Carsten Gockel gibt aber auch dies zu bedenken: Der DFB hatte seinen Spielplan (mit dem Derby als Abendpartie) unter Anweisung der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze erstellt. Diese ist dem Landeskriminalamt NRW und damit der Politik zugeordnet. Offenbar fand hier keine ausreichende Absprache statt, um eine Datierung auf einen Mittwochabend zu verhindern.

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