Fußball: 3. Liga
Loose seit zwei Jahren Preußen-Trainer – das riecht nach Kontinuität

Münster -

In schnelllebigen Fußballzeiten ist das mehr als eine Randnotiz: Ralf Loose ist bereits seit zwei Jahren als Trainer des SC Preußen im Amt. Dabei hatte er einige Klippen zu umschiffen, musste das Team erst disziplinieren und dann komplett umbauen. Doch alle Krisen überstand der 52-Jährige schadlos und erhält auch dafür von Sportvorstand Carsten Gockel den Ritterschlag.

Dienstag, 15.09.2015, 16:28 Uhr aktualisiert: 15.09.2015, 18:08 Uhr
Unaufgeregt und Akribie betreibt Ralf Loose sein Job beim SCP – aber auch der Spaß muss nicht zu kurz kommen.
Unaufgeregt und mit Akribie betreibt Ralf Loose sein Job beim SCP – aber auch der Spaß muss nicht zu kurz kommen. Foto: Jürgen Peperhowe

Einen leichten Stand haben die wenigsten. Läuft‘s nicht, geraten sie unter die kritische Lupe von Vereinsbossen und Fans. Der Trainerjob ist kein leichter, allgemein im Sport nur selten, erst recht nicht bei Traditionsclub Preußen Münster . Umso bemerkenswerter ist es, dass Ralf Loose nun schon seit genau zwei Jahren im Amt ist. Am 15. September 2013 präsentierte ihn der Drittligist als Nachfolger des beliebten, aber am Ende glücklosen Pavel Dotchev.

Moors und Schmidt

Wie schwer es die Übungsleiter an der Hammer Straße oft haben, zeigt diese Statistik: Seit dem Schlüsseldatum der jüngeren Vereinsgeschichte, dem Zweitliga-Aufstieg 1989, saßen genau zwei Herren länger als Loose am Stück auf der Bank: Hans-Werner Moors (1991 bis 1994), der insgesamt in sieben Spielzeiten beim SCP tätig war, und Roger Schmidt (2007 bis 2010), der inzwischen in der Champions League angekommen ist. Beide blieben dennoch nicht einmal drei Jahre.

Bei Licht betrachtet, und da geht es auch im Fußball ausschließlich um Zahlen, ist Looses Bilanz mehr als passabel. 1,49 Punkte holte er in 77 Liga-Begegnungen im Schnitt. Als er die Preußen übernahm, waren sie 17. und in Teilen ein zerstrittener Haufen. Heute belegen sie einen Aufstiegsrang, und das mit zumindest nominell weniger Qualität, sicher aber mit weniger Erfahrung.

Auf der Kippe

Klingt erstmal alles wunderbar, doch auch der 52-Jährige hatte schon heikle Phasen zu überstehen. Nach einem 0:3 in Kiel im Februar 2014 stand er auf der Kippe, zumal ihm einen Monat lang Sportdirektor Detlev Dammeier im Nacken saß. Der diskreditierte sich allerdings bald durch ein unsensibles Interview und hatte den Machtkampf sofort verloren.

Und als der SCP im Frühjahr 2015 im letzten Saisondrittel von Rang eins auf acht abstürzte, spürte Loose viel Gegenwind von den Rängen. Genau wie erst vor zwei Wochen, als der SCP ein besorgniserregendes Spiel gegen Mainz II (0:1) anbot.

Gockel sieht sich bestätigt

Doch diesmal folgten drei Siege. Nicht nur deshalb sieht sich Sportvorstand Carsten Gockel bestätigt. „Ich war mir im Sommer sicher, dass wir ein Problem in der Mannschafts- und nicht in der Trainerkabine hatten.“ Die Konsequenz war der massive Umbruch im Team. „Ralfs großes Plus ist seine Erfahrung als Spieler und Trainer. Den wirft so schnell nichts um.“ Die vereinzelten Vorbehalte in Teilen der Kurve kennt Gockel. „Klar, er ist introvertiert. Aber er kann auch austeilen. Für mich muss niemand an der Linie rumhampeln. Ich sehe ja, wie professionell er mit seiner täglichen Akribie agiert.“

Dass der Coach auch in den schwierigen Phasen Rückendeckung erhält, ist in Münster keinesfalls Gesetz. „Ich bin aber froh, dass die Vereinsführung über den Tellerrand blickt“, sagt Loose selbst. „Hier kann man eigentlich immer in Ruhe arbeiten.“ Manche Kritiker werfen ihm nicht nur das stoische Verhalten am Rand vor, sondern auch eine Sicherheitstaktik. In der Tat gehört defensive Stabilität eher zum Repertoire als dauerhaftes Pressing oder durchgängiger Kombinationsfußball. Doch Gockel hält diese Herangehensweise für elementar: „Mit Hurra-Stil kommt man nicht weit. So ist die 3. Liga, da geht es um sachliche und effektive Spielweisen.“ Besonnenheit und Weitsicht waren nicht immer angesagte Attribute, in der Trainerfrage in Münster. Bei Loose ist das anders. „Soviel Kredit haben wir damit im Umfeld ja nicht, das hat man schon gegen Mainz gesehen“, sagt Gockel. „Aber unsere Überzeugung ist sehr stark ausgeprägt.“

Rekordhalter Schneider

Die Rekordhalter als SCP-Übungsleiter nach dem Krieg heißen übrigens Richard Schneider (1961 bis 1966) und Willi Multhaup (1949 bis 1953), dahinter folgt unter anderem Meistertrainer Helmut Horsch (1986 bis 1989). Für Loose ist es bis dahin noch ein weiter Weg – er ist dennoch näher dran als fast alle seiner Vorgänger. Ein Überraschungsaufstieg würde seinen Status jedenfalls sicher nicht schmälern.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3511078?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker