Fußball: 3. Liga
Preußen-Sportvorstand Gockel im Interview: „Es ist noch Luft nach oben“

Münster -

Den Saisonstart mit 15 Punkten aus acht Partien bewertet Preußen-Sportvorstand Carsten Gockel sehr positiv. Auch wenn er pflichtgemäß ein wenig auf die Euphoriebremse tritt, benennt er die Sichtweise des Vereins im Interview klar: Münster hat ein Problem gegenüber anderen Drittliga-Standorten.

Donnerstag, 17.09.2015, 18:38 Uhr aktualisiert: 17.09.2015, 20:44 Uhr
Zufrieden mit dem Umbruch bis hierhin: Sportvorstand Carsten Gockel sieht beim SCP aber noch Potenzial zur Verbesserung.
Zufrieden mit dem Umbruch bis hierhin: Sportvorstand Carsten Gockel sieht beim SCP aber noch Potenzial zur Verbesserung. Foto: Jürgen Peperhowe

Nach acht Spieltagen grüßt der SC Preußen Münster von Tabellenrang drei in der 3. Liga. Nach einem holprigen Saisonstart – auch Coach Ralf Loose bekam früh mit „Loose raus“-Rufen sein Fett ab – rückte der SCP mit drei Siegen in Serie vor. Grund genug, vor der englischen Woche mit den Partien gegen Fortuna Köln, VfL Osnabrück und Stuttgarter Kickers, mit Sportvorstand Carsten Gockel die Lage zu beleuchten. Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Alexander Heflik.

Was mögen Sie eigentlich mehr: Ergebnisfußball oder Spektakel?

Gockel: Da man am Ende das Ergebnis vorweisen muss, genießt das Ergebnis auch die höchste Priorität. Aber ich weiß, worauf die Frage hinaus will. Den großen Hurra-Stil können wir nicht zwingend bieten.

Der SCP findet sich auf Rang drei wieder, startet der Club jetzt wieder richtig durch?

Gockel: Das nicht, das wäre das falsche Bild. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen immer besser gefunden. So, wie sich alles entwickelt, hat man jetzt ein besseres Gefühl. Aber es sind erst acht Spiele bestritten, wir befinden uns mitten in einem Entwicklungsprozess, der nicht abgeschlossen ist.

Gerade spielerisch scheint noch viel Luft nach oben zu sein, oder?

Gockel: In vielen Dingen ist noch Luft nach oben. Eines sollten sich alle erneut klarmachen: Wir haben 14 Abgänge und zwölf Zugänge, der Integrationsprozess läuft. Und dass dieser so gut läuft wie jetzt, ist auch nicht selbstverständlich.

Gibt es Gewinner?

Gockel: Einen Einzelnen kann man nicht herausnehmen, was ja auch genau das ist, was wir wollten. Auch wenn alle aktuell gleich von Mehmet Kara sprechen, so sehe ich vornehmlich die positive Gesamtentwicklung. Björn Kopplin brachte uns Stabilität auf der rechten Seite. Marco Pischorn ist wieder da, wer hätte sich das so vorstellen können? Felix Müller belebt, bei allen Höhen und Tiefen, mit seiner Art die linke Seite. Elie Laprevotte und Benjamin Schwarz agieren so, wie wir es uns erhofft haben, das ist toll. Doch vor allem wächst das Team weiter zusammen.

Was fehlt noch?

Gockel: Gerade in unserer Offensive, damit meine ich nicht die einzelnen Spieler, sind wir insgesamt nicht druckvoll genug. Aber daran arbeitet die Mannschaft intensiv. Was fehlt, das sehe ich vor allem in einem größeren Zusammenhang. Natürlich ein Stadion und eine Infrastruktur, mit der wir dauerhaft bestehen und mithalten können. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, was an anderen Standorten in der 3. Liga passiert. Deshalb ist es nicht selbstverständlich, was wir in Münster schaffen. Sportlich sind wir im Konzert weiter mit dabei, Was das Stadion betrifft, wird die Änderung des Bebauungsplanes vorangetragen, andernorts ist man da aber viel weiter.

Sie sprechen häufiger mal vom Preußen-Blues in Münster, was meinen Sie eigentlich damit, wie ist die Stimmung?

Gockel: Wie die ist? Verhalten optimistisch im Moment. Ich kann das auf der einen Seite verstehen, weil wir in der letzten Saison und vor drei Jahre schon mal eine gute Ausgangsposition für den Aufstieg in die 2. Liga hatten, dann aber die Chance nicht weiter entwickeln konnten. Vielleicht ist es der Fluch davon, dass daraus ein Anspruch abgeleitet wird, den wir nicht immer erfüllen können. Ich bleibe dabei, dass wir mit den aktuellen Möglichkeiten einen Nachteil gegenüber anderen Standorten der 3. Liga haben. Umso höher bewerte ich, was wir in den letzten Jahren geleistet haben.

Nun gut, aber wo geht die Reise der Preußen in dieser Saison hin?

Gockel: Alles ist total eng und ausgeglichen in dieser 3. Liga. Rufen sie zehn meiner Kollegen an, die sagen Ihnen alle das gleiche. Alle Vereine wollen sportlich Konstanz haben, aber den wenigsten gelingt das. Ein Beispiel ist Osnabrück, das nach drei Siegen in Folge zuletzt mit 0:3 bei einem Aufsteiger wie Magdeburg verlor. Es gibt nur eine Devise: immer schön fleißig punkten.

Apropos Osnabrück: Wird das ein besonderes Spiel am nächsten Mittwoch?

Gockel: Erst einmal haben wir unsere Heimaufgabe gegen Fortuna Köln erfolgreich zu lösen. In Osnabrück dürfte die Atmosphäre eingebremst sein, mal sehen, wie viel Derbystimmung übrig bleibt. Das dürfte nach den ergriffenen Maßnahmen aber alles nicht überraschend sein. Beide Teams werden sich dennoch alles abverlangen, unter dem neuen Trainer Joe Enochs haben die Osnabrücker wieder Wind unter die Flügel bekommen. Doch wir werden vorbereitet sein.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3515763?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker