Fußball: 3. Liga
Preußen blicken auf hervorragende Transferbilanz

Münster -

Woran liegt‘s, dass die Preußen im Moment so erfolgreich sind? Auf jeden Fall sind die starken Neuverpflichtungen ein wichtiger Faktor des Höhenflugs. Fünf von ihnen haben einen Stammplatz, auch die anderen enttäuschten nicht. Dazu kommt ein deutlich verbesserter Teamgeist. Die Spieler halten zusammen.

Montag, 28.09.2015, 17:16 Uhr aktualisiert: 28.09.2015, 18:24 Uhr
Zwei ganz wichtige Bausteine auf dem aktuellen Preußen-Erfolgsweg sind Elie Laprevotte (l.) und Benjamin Schwarz (r.), die auf den Halbpositionen im Mittelfeld reichlich Laufarbeit verrichten und geschickt im Zweikampf sind.
Zwei ganz wichtige Bausteine auf dem aktuellen Preußen-Erfolgsweg sind Elie Laprevotte (l.) und Benjamin Schwarz (r.), die auf den Halbpositionen im Mittelfeld reichlich Laufarbeit verrichten und geschickt im Zweikampf sind. Foto: Jürgen Peperhowe

Selten gab es im vergangenen Jahr weniger interne Konfliktherde beim SC Preußen als derzeit. Die Stimmung ist gelöst, selbst die Aufreger rund um das Derby beim VfL Osnabrück (Ausschluss der Gäste-Fans, Tumulte nach Abpfiff) sind lange erledigt. Münster präsentiert sich als Einheit. Mannschaft, Funktionäre und Anhänger schwimmen auf einer gemeinsamen Welle. Basis für die Wohlfühl­atmosphäre ist wie so häufig der sportliche Erfolg. Nach zuletzt 16 von 18 möglichen Punkten ist der Drittligist sogar Zweiter und stellt mit 21 Toren die zweitbeste Angriffsreihe. Und das, obwohl Trainer Ralf Loose gerade in der Offensive noch reichlich Luft nach oben ausmacht.

100-Tage-Bilanz

Ein elementarer Baustein des Aufschwungs sind die Neuzugänge des Sommers. In einer üblichen 100-Tage-Bilanz, die in diesen Wochen fällig wäre, lässt sich den Verantwortlichen kein Fehlgriff auf dem Transfermarkt attestieren. Niklas Lomb ist die klare Nummer eins und überzeugt durchgehend mit lauten Ansagen und guten Paraden. Die Außenverteidiger Felix Müller (links) und Björn Kopplin (rechts) sind ebenfalls unangefochten, lassen hinten wenig zu und suchen immer häufiger den Weg die Linie entlang. Dieses Defensivtrio stand bislang immer in der Startelf, in der seit der zweiten Runde auch Elie Laprevotte gesetzt ist. Der Franzose ist lauf- und zweikampfstark, dazu besitzt er ein gutes Passgespür und technische Fähigkeiten. Die Loose-Idee mit einem 4-3-3-System und Amaury Bischoff in zentraler Rolle funktioniert auch dank seiner Klasse – und der seines Nebenmannes Benjamin Schwarz. Der sah zwar in zwei der ersten vier Partien die Ampelkarte, ist inzwischen aber mit ganz ähnlichen Qualitäten wie Laprevotte auf der Halbposition unverzichtbar geworden.

Rekordstart für Dynamo

Seit 2008 läuft der Spielbetrieb in der eingleisigen 3. Liga. Die Serie von neun Siegen und zwei Unentschieden von Dynamo Dresden hat dabei nach elf Spieltagen noch kein Verein erreicht. 29 Punkte sind schon ein Wort, eine Rekordmarke des Teams von Trainer Uwe Neuhaus. Aber Rückschlüsse auf die Endplatzierung lässt das nicht zu. Von 14 Mannschaften, die nach elf Spieltagen auf einem der beiden direkten Aufstiegsränge standen, schafften es nur vier Clubs, eine dieser beiden Positionen zu halten: Union Berlin, Hansa Rostock, der SV Sandhausen und der 1. FC Heidenheim stiegen auf. Der SCP stand 2012/13 auf Rang zwei mit 24 Punkten und wurde am Saisonende „nur“ Vierter. Aktuell ist Münster mit 22 Punkten wieder Zweiter.

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Auch die Zugänge in der zweiten Reihe haben bislang nicht enttäuscht. Danilo Wiebe trauen die Bosse große Sprünge zu, Cihan Özkara ist zumindest fleißig, wenn auch im Spiel noch oft glücklos. Und Stéphane Tritz war bis zu einer Verletzung nah dran an der Stammformation. Einzig Jesse Weißenfels sucht nach einer langwierigen Fußblessur noch Anschluss, ist aber wieder voll belastbar.

Die Blutauffrischung war nicht nur erzwungen durch viele auslaufende Verträge, sondern auch so gewollt. So schmerzhaft der Weggang verdienter Spieler wie Jens Truckenbrod, Benjamin Siegert oder Daniel Masuch anfangs für einige Fans war, so sinnvoll erscheint im Nachhinein der forcierte Neuanfang. Dabei achteten Loose und Sportvorstand Carsten Gockel natürlich auch auf die charakterliche Eignung. Aus Spielerkreisen ist zu hören, dass der Teamgeist aktuell bestens ausgeprägt ist, auch dank der Neuen. „Wir haben einfach eine super Mentalität“, sagt Lomb. „Jeder kämpft für jeden, versucht dem anderen Kraft zu geben und ihn nach vorne zu peitschen.“ Auch Kopplin hebt den Zusammenhalt hervor, lobt die Einwechselspieler für ihre Leistungen und erklärt gleichwohl: „Wir haben so viel individuelle Klasse. Es ist im Moment schwer, uns zu schlagen.“

Keine Eifersüchteleien

Die Reservisten geben Ruhe, sehen den Erfolg vor eigenen Interessen. Selbst zwischen den Stürmern Marcel Reichwein und Rogier Krohne, die sich eine 90-Minuten-Stelle teilen, sind keine Eifersüchteleien bekannt. „Mittlerweile weiß ich ja, dass der Wechsel irgendwann kommt“, sagte Reichwein nach dem 4:2 gegen die Stuttgarter Kickers. „Und Rocky ist dann ja immer sofort voll da. Gerade in einer englischen Woche wie zuletzt ist mannschaftliche Geschlossenheit wichtig. Und die zeigen wir.“

Wo Loose vor zwei Jahren noch Disziplinlosigkeiten und Streitereien auf den Grund gehen musste und wo auch die letzte Rückrunde nicht frei von Problemen war, ist inzwischen eine Einheit ohne Neider und Ego­zocker entstanden. Behalten die Preußen diese Stimmung bei, steht einem längeren Aufenthalt in der Spitzengruppe wenig im Weg.

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