Fußball: Bar in Vietnams Hauptstadt
Alte Preußen-Tickets in einer Kneipe in Hanoi

Münster -

In einer Bar namens „The Kneipe“ in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi spielt der Preußen-Adler eine nicht unwichtige Rolle. Wer die Lokalität betritt, wird direkt mit zahlreichen alten Eintrittskarten von Spielen der Münsteraner konfrontiert.

Donnerstag, 08.10.2015, 15:00 Uhr aktualisiert: 08.10.2015, 15:15 Uhr
Carl Fairchild ist eigentlich kein Fußball-Fan, die Preußen kennt er inzwischen dennoch.
Carl Fairchild ist eigentlich kein Fußball-Fan, die Preußen kennt er inzwischen dennoch. Foto: Gunnar Leue

Die Verbindung von Fußball und Musik hat bekanntlich viele Seiten und meistens solche, dass man nur Deichkind zitieren kann: Niveau, weshalb, warum? Stichwort Blatter-Rap „Let‘s go Fifa ! Let‘s go Fifa!“. Als es die vom Sepp besungene Schiebervereinigung noch nicht gab, haben Angehörige der – damals noch nicht so genannten – Fußballfamilie natürlich auch schon gesungen und geschunkelt, nur taten sie es in der Kneipe.

Geselligkeit und Loblieder

Pinten und Pubs sind bekanntlich die wahren Brutstätten des Fußballwahns, der letztlich auch zu der Show führte, die der Fifa-Sepp seit Jahren aufführt. Schließlich zogen die jungen Fußballfreunde vor über 100 Jahren auch noch nicht mit der Bierflasche am Hals zu den Stadien, sondern sie tranken die Molle gepflegt im Lokal. Und wenn sie nichts anderes zu tun hatten, gründeten sie in dem nebenbei einen Fußballverein. Zum Beispiel den BVB . Meistens aber frönten sie der Geselligkeit und sangen Loblieder auf den Ballsport, die um die Jahrhundertwende eigens in Fußball-Liederbüchern publiziert wurden.

Inzwischen ist nicht nur der Fußball im Schwitzkasten der Eventmacher, sondern auch die klassische Kneipe. In Hanoi , Hauptstadt des fußballsportbedeutungslosen, aber fußballwettverrückten Landes Vietnam , hat kürzlich eine eröffnet. Sie heißt „The Kneipe“. Es ist eine Musikbar, die gerade eine schleichende Transformation zur Fußballkneipe durchmacht und nun eine Fußballmusikkneipe ist. An den Wänden hängt ein gerahmtes Eintrittskartenkonvolut, das vor allem Preußen Münster huldigt. Die alten Abrisskarten in stumpfem Rot, Grün, Blau und Gelb stammen aus einer Zeit, als die SCP-Fans noch regelmäßig namhafte Mannschaften im Punktspielbetrieb sahen. FC Schalke 04, Hessen Kassel, MSV Duisburg oder TSV Havelse hießen vor 25 Jahren die Gegner in der 2. Bundesliga. Andere Tickets sind zehn Jahre älter, von Spielen gegen den SC Paderborn oder Bayer Uerdingen. Aber auch Karten für Partien gegen Hannover 96, 1. FC Saarbrücken, Hertha BSC, oder die Freundschaftsspiele gegen Borussia Dortmund und Besiktas Istanbul haben den Weg an die Kneipenwand in Hanoi gefunden.

Tickets von einem Freund

Zwischen den ganzen alten Münster-Billetts finden sich auch ein paar Oldie-Tickets von Bielefeld gegen Bayern, 1860 gegen den BVB oder Bayern gegen den 1. FC Köln. Neben dem historischen Kartenabriss leuchtet die Gelbe Wand von Dortmund auf Pappkarton, darüber eine Kette mit Gladbach-Wimpelchen. „Das sind alles Memories, die mir Gäste geschenkt haben. Die Münster-Tickets sind von einem Freund, der hier an der Deutschen Botschaft arbeitet. Er ist früher zu jedem Spiel des Teams gegangen“, berichtet Carl Fairchild, Chef von „The Kneipe“. Der US-Amerikaner hat eine Weile in Hessen gelebt, wo er sich bei der Army verdingte. Nach einigem Hin und Her zwischen Amerika, Saudi-Arabien, Finnland und Deutschland landete er in Hanoi, wo er nun ein Immobiliengeschäft betreibt. Und nebenher die Bar.

Fairchild hat keinen Fußball-Lieblingsverein, er steht mehr auf American Football, ist Fan der Chicago Bears. Der amerikanische Kultsport wird in im vietnamesischen Fernsehen aber nicht gezeigt, dafür viel Fußball – Champions League, Premier League und natürlich auch die Bundesliga.

Deutsche kommen zusammen

Inzwischen treffen sich viele Deutsche, die in Hanoi leben, in seinem Laden zum Fußballgucken. Darunter natürlich auch der Preußen-Münster-Fan. Gleich bei der Eröffnung im März war die Bude rappelvoll, weil das Revierderby Dortmund gegen Schalke auf Leinwand lief. Wegen der Zeitverschiebung nach Europa müssen die Fußballfans manchmal bis 4 oder 5 Uhr früh durchhalten. Da haben sich die Verhältnisse zwischen Musik und Fußball insofern etwas verdreht, denn die Livemucke am Wochenende mit Bands und Songwritern dauert nicht ganz so lange.

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