Fußball: 3. Liga
Die Preußen müssen die Scherben zusammenkehren

Münster -

Die Vorfälle vom vergangenen Freitag, als nach dem Abbrennen von Pyrotechnik, Rauchtöpfen und Böllern die Partie gegen Hansa Rostock für elf Minuten unterbrochen werden musste, beschäftigen den SC Preußen Münster weiter. Der Fußball-Drittligist arbeitet die Vorkommnisse auf.

Montag, 19.10.2015, 19:35 Uhr aktualisiert: 20.10.2015, 01:53 Uhr
Spielunterbrechung: Die Preußen, hier Marcel Reichwein (l.) und Björn Kopplin, wurden wie auch die Rostocker nach 78 Minuten für elf Minuten in die Kabine geschickt.
Spielunterbrechung: Die Preußen, hier Marcel Reichwein (l.) und Björn Kopplin, wurden wie auch die Rostocker nach 78 Minuten für elf Minuten in die Kabine geschickt. Foto: Jürgen Peperhowe

Das war der Vorgeschmack. Am Montag verhängte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine 1000-Euro-Strafe gegen den SC Preußen Münster, weil im Heimspiel am 26. September gegen die Stuttgarter Kickers (4:2) ein „großes Banner mit unsportlichem Inhalt gezeigt“ wurde im Fan-Bereich der Ultras. „Merkens war der erste Streich. Savran folgt sogleich! Feuer frei, Amaury!“, stand da zu lesen, und wurde als Aufforderung bewertet, dass der SCP-Spieler Bischoff den Gegenspieler Savran im Derby dann verletzen sollte.

Die eine Lösung wird es nicht geben. Wichtig ist, dass wir weiter im Gespräch bleiben.

SCP-Präsident Georg Krimphove
Fan-Banner mit unsportlichem Inhalt

Nach den Vorfällen am vergangenen Freitag beim Heimspiel des SCP gegen Hansa Rostock (1:1), als dreimal Pyrotechnik, Rauchtöpfe und Böller gezündet wurde, dann sogar die Partie in der 78. Minute für elf Minuten unterbrochen wurde, wird der Kontrollausschuss des DFB zur Tat schreiten. Dass die Preußen nach den Ausschreitungen im Derby gegen den VfL Osnabrück im April bereits auf Bewährung waren, wird nun eine saftige Geldstrafe sowie ein Teilausschluss der Heim-Fans kommen. Vermutlich für mehrere Spiele.

►  Was berichtet die Polizei von dem Spiel am Freitag?

Insgesamt 55 Anzeigen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz sowie wegen Körperverletzung wurden notiert. Ein Beamter wurde nach einem Angriff im Krankenhaus behandelt. Verhältnismäßig ruhig verlief An- und Abreise der als Problemfans bekannten Rostocker. Außer, wie es in der Pressemitteilung der Polizei heißt: „Bei der Anreise traten vier Anhänger des FC Hansa Rostock auf dem Rastplatz Hasetal gegen das Auto eines Unbeteiligten, beleidigten ihn und urinierten an das Fahrzeug. Auch diese Rüpel erwartet ein Strafverfahren.“

►  Wurde stark alkoholisierten Fans der Zugang zum Stadion verweigert?

Davon ist nichts bekannt.

►  Was bedeutet die Blocksperre für Dauerkarten-Inhaber?

„Die Besitzer von Dauerkarten werden auf andere Blöcke verteilt. Das Fassungsvermögen sinkt um rund 4000 Stehplätze“, sagte Club-Chef Georg Krimphove. Dass sich die Problem-Gruppe an anderer Stelle im Stadion nun vergleichbar aufführen könnte, befürchtet Krimp­hove nicht: „Dort werden sich die entsprechenden Fans nicht so frei bewegen können.“ Finanzieller Schaden entsteht, wenn eines der sanktionierten Spiele mehr als 11 000 Zuschauer haben könnte.

►  Was wird vom DFB erwartet?

Der SCP hat seine Stellungnahme und die „proaktive Blocksperre für das Spiel gegen Holstein Kiel“ dem DFB mitgeteilt. „Wir hoffen darauf, dass unsere Bemühungen und ernsthaften Absichten beim DFB anerkannt werden“, sagt Krimphove.

►  Fehlt dem SCP ein hauptamtlicher Fan-Beauftrager?

Krimphove ist diesem Gedanken nicht abgeneigt, stellt aber auch fest: „Am Ende des Tages bleibt für den Verein nach einem solchen Spiel wie gegen Rostock kaum noch etwas übrig.“ Also im Klartext, es gibt kein Geld für einen solchen Posten im Moment. Die Kosten für Sicherheit sind schon hoch, sie werden in Zukunft nicht kleiner werden. Nur zur Erinnerung: Gegen Rostock wurde die beste Kulisse der Saison mit 9411 Zuschauern vermeldet.

Kommentar

►  Haben Sponsoren des Clubs einen Rückzug aus dem Engagement in Erwägung gezogen nach Vorfällen wie am Freitag?

Dirk Kugel, beim SCP für Sponsoren-Betreuung und Akquise zuständig, ist davon nichts bekannt.

►  Wie hoch waren die Strafen im bisherigen Saisonverlauf?

Neben den am Montag ausgesprochenen 1000 Euro wurde der SCP nach der Partie gegen Werder Bremen II am 8. Spieltag noch mit 2500 Euro belegt. Die Vorfälle vom Freitag werden teuerer werden. In den letzten beiden Spielzeiten zahlte der SCP jeweils 30 000 Euro an Strafgeldern an den DFB.

►  Gibt es Lösungen oder zumindest weiter einen Dialog mit der sogenannten aktiven Fanszene?

Krimphove stellt klar, dass weiter „gesprochen werden wird“. Auch Siggi Höing als zweites Präsidiumsmitglied setzt weiter auf Dialog. Aber auch das sagt Krimphove: „Diejenigen, die wir als Täter feststellen können, werden wir mit aller Konsequenz verfolgen.“

Preußen gegen Hansa Rostock

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Drei Stellungnahmen des SC Preußen für den DFB

Der Schriftverkehr zwischen dem SC Preußen Münster und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) läuft auf Hochtouren. Am Montag gingen gleich drei Stellungnahmen des Clubs an den Verband:

►Erstens: Der SCP äußert sich zu den Ausschreitungen am Freitag im Heimspiel gegen Hansa Rostock. „Bedauern und Distanzierung“ wird dabei als Tenor mitgeteilt. Zudem erklärt der Verein, dass für das kommende Heimspiel gegen Holstein Kiel die Blöcke M und N, hier finden sich die Ultra-Gruppierungen wieder, von sich aus gesperrt werden.

►Zweitens: Der Verein akzeptiert die Rote Karte gegen Charles Elie Laprevotte nicht. Es würde sich nicht um ein grobes Foulspiel handeln, so Sportvorstand Carsten Gockel. Die Videoaufnahmen würden belegen, dass keine Absicht von Laprevotte vorliegt. Allerdings wird der Franzose gesperrt, der Club hofft dabei auf eine kürzere Sperre, üblicherweise wären drei bis vier Partien fällig. Bei drei Rot-Sperren seit 2014 (Daniel Masuch, Benjamin Siegert und Benjamin Schwarz) hatte der SCP nach der ersten Urteilsverkündigung Protest eingelegt und jeweils eine Verkürzung der Sperre erreicht.

►Drittens: Der SCP führt eine Beschwerde gegen Schiedsrichter Felix-Benjamin Schwermer (Magdeburg). Der Referee soll Münsters Physiotherapeuten Dennis Morschel beleidigt und bedroht haben. Zeuge des Vorfalls ist dabei Carsten Gockel, der den Fall in der Halbzeitpause miterlebt hat. Schwermer soll sich in der Spielunterbrechung in der 2. Hälfte bei Morschel entschuldigt haben. Gockel: „Das Verhalten ist nicht zu akzeptieren.“

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