Fußball: 3. Liga
Preußen 2:0 gegen Kiel – Effizienz schlägt Ballbesitz

Münster -

Preußen Münster hat den zweiten Tabellenplatz zurückerobert, das zehnte Liga-Spiel in Serie nicht verloren und richtig Bock auf Fußball. „Nächste Woche Magdeburg, das wird ein schweres Spiel, da freuen wir uns drauf“, sagte Trainer Ralf Loose nach dem 2:0-Erfolg am Samstag gegen Kiel.

Sonntag, 01.11.2015, 11:23 Uhr aktualisiert: 02.11.2015, 09:54 Uhr
Amaury Bischoff (l.) und Mehmet Kara (r.) feierten Marcel Reichwein, den Torschützen zum 2:0.
Amaury Bischoff (l.) und Mehmet Kara (r.) feierten Marcel Reichwein, den Torschützen zum 2:0. Foto: Jürgen Peperhowe

„Wo ist Paul ?“ Er hatte jetzt bestimmt schon zehn Mal gefragt, langsam wurde Toni ein wenig ungehalten. In der Kabine hatte er schon nachgeschaut, kein Paul. Auf dem Gang nicht, nicht in der Mixed-Zone, auch nicht auf dem Platz – „Wo ist Paul?“, fragte Toni seinen Papa nun schon zum elften Mal und zupfte an dessen Trikot. Aber der Papa hatte ja keine Zeit, der musste den Journalisten erzählen, wie er nach 37 Minuten den Ball am Torwart von Holstein Kiel vorbei zum 2:0 ins Tor bugsiert hatte. Toni hätte ja zur Not auch Pauls Papa gefragt, aber wie das Schicksal es wollte, konnte der auch nicht helfen, weil er immer wieder über die Szene in der 28. Minute berichten musste, als er per Kopf das 1:0 für den SC Preußen Münster erzielt hatte. Am Ende dieses Fußballtages war nicht mehr zu ermitteln, ob der zweijährige Toni Reichwein und sein ein Jahr älterer Kumpel Paul Pischorn doch noch zueinander gefunden haben – fest stand, dass ihre Papas Marco Pischorn und Marcel Reichwein an diesem Nachmittag blendend miteinander gespielt und die Preußen zum 2:0 (2:0)-Erfolg gegen Kiel geschossen hatten.

Lehrstunde in Sachen Effizienz

Innenverteidiger Pischorn hatte die erste Preußenchance nach Eckball von Kapitän Amaury Bischoff verwandelt, Stürmer Reichwein voll­endete die zweite Torgelegenheit der Gastgeber zum 2:0 – das war eine Lehrstunde in Sachen Effizienz, die die Preußen ihren Gästen vor 7189 Zuschauern erteilten. Kiel hatte bis zu diesem Zeitpunkt das hohe Lied des Ballbesitzes gesungen und war dann unvermittelt in den Stimmbruch geraten – oder um es mit Kiels Trainer Karsten Neitzel zu sagen: „Wir haben sehr gut gespielt – und dann liegt gleich der erste Ball im Körbchen.“

Sieben Minuten später hatte der erste Ball im Körbchen Gesellschaft bekommen, der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt – das Ergebnis erstaunlicherweise dennoch gar nicht mal so verkehrt.

Bärenstarke Viererkette

„Wir spielen und spielen und spielen“, stellte Neitzel im Anschluss frustriert fest – eine brotlose Kunst, wenn man den Ball nicht ab und zu mal abgibt, vorzugsweise ins gegnerische Tor. Doch davon waren die Gäste weit, weit entfernt, weil die Preußen, allen voran eine bestens aufgelegte Viererkette mit von rechts nach links Björn Kopplin, Marc Heitmeier, Marco Pischorn und Felix Müller, nichts zuließen. Sie hielten hinten dicht und kurbelten das Spiel nach vorne an, das im zweiten Durchgang dann auch noch ein wenig Fahrt aufnahm. „Da hatten wir dann die Chancen, das 3, 4 oder 5:0 zu schießen“, befand Preußen-Trainer Ralf Loose nach dem zehnten Ligaspiel ohne Niederlage. Zwei Mal Benjamin Schwarz und der nach 68 Minuten eingewechselte Rogier Krohne hatten die nächsten Treffer auf dem Fuß. Sie trafen nicht, aber sie verliehen dem Preußensieg im Nachgang das Prädikat „verdient“.

„Geisterstimmung“ in der Kurve

Dass sein Team erst mit Verzögerung in die Partie fand, schob Loose auch auf die „Geisterstimmung“ hinter dem Preußentor, wo die Blöcke M und N am Samstag leer geblieben waren und optisch wie akustisch spürbare Lücken hinterließen. „Als die Zuschauer in den Kurven dann gemerkt haben, dass sie gebraucht werden, wurde auch unser Spiel besser.“

Das war eine Sicht der Dinge, die andere war, das Pauls und Tonis Papas zum richtigen Zeitpunkt zwei perfekte Momente hatten.

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