Fußball: 3. Liga
Würzburg-Pleite ein Rätsel

Würzburg -

Erst zwei Siege, nun zwei Niederlagen, so lautet die Bilanz von Horst Steffen als Nachfolger von Ralf Loose beim SC Preußen Münster. Bei der 0:3-Auswärtsniederlage in Würzburg verpasste der Fußball-Drittligist nicht nur die Chance, näher an die Top 3 heranzurücken, sondern präsentierte sich in einem erschreckend unsortiertem Zustand. Wird es an der Weser besser?

Donnerstag, 18.02.2016, 20:29 Uhr aktualisiert: 18.02.2016, 20:49 Uhr
Wieder gebremst: Chris Phillips (rechts) hebt fragend die Hände, Mehmet Kara (links) auch um die Balance zu halten. Dass Elia Soriano am Boden liegt, hat nichts mit der Realität zu tun. Der Würzburger „erlegte“ die Preußen mit zwei Treffern praktisch im Alleingang.
Wieder gebremst: Chris Phillips (rechts) hebt fragend die Hände, Mehmet Kara (links) auch um die Balance zu halten. Dass Elia Soriano am Boden liegt, hat nichts mit der Realität zu tun. Der Würzburger „erlegte“ die Preußen mit zwei Treffern praktisch im Alleingang. Foto: Jürgen Peperhowe

Diese Vorstellung des SC Preußen Münster war nicht zu erklären – und wird auch nicht so schnell verziehen. Das 0:3 (0:2) bei den Würzburger Kickers ging den Zuschauern, jedenfalls den Preußen-affinen, durch Mark und Bein, das tat richtig weh. Zu verstehen war dieser fußballerische Rückschritt nicht, nachdem die Partien gegen Erfurt und Mainz gewonnen wurden und auch gegen Halle beim 0:1 zumindest eine Halbzeit ganz ordentlich vonstatten ging. Nun aber, als die Adlerträger im Nachholspiel den Kontakt zu den Aufstiegsrängen intensivieren wollten, als ein positiver Trend fest getackert werden sollte, floppte der SCP beim Aufsteiger. „Unser Plan war ein anderer. Aber wenn wir uns so anstellen . . .“, rätselte Trainer Horst Steffen nach der Packung von Würzburg.

Katastrophe.

SCP-Schlussmann Niklas Lomb über die Leistung der Preußen in Würzburg

Nur ein Beispiel: Steffen rief Kommandos vom Seitenrand rein, deutete gestenreich an, dass alle sich nach vorne verschieben sollten – und Chris Philipps ging ein paar Schritte zurück, die anderen gleich mit. Offenbar hielt sich die Mannschaft nicht an die Absprache. „Ich habe schon in der Pause ein paar Dinge gesagt, die sich gewaschen haben“, sagte Steffen, sauberer wurde es allerdings nicht. Der dieses Mal beratungsresistente SCP war nicht in der Lage, das an diesem Abend umsetzen.

Würzburger Kickers - Preußen Münster

1/18
  • Ein enttäuschter Felix Müller

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Immer wieder aufstehen: Marco Pischorn (M.) lässt sich von Mehmet Kara (r.) wieder aufrichten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Schwer enttäuscht: Amaury Bischoff (vorne) und Björn Kopplin.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... nach Abpfiff jedoch schwer enttäuscht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • SCP-Trainer Horst Steffen: Hier voller Elan...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Freistoß von Würzburgs Dominik Nothnagel.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ohne Orientierung im Zweikampf: Münsters Chris Philipps (l.) im Luftduell gegen Joannis Karsanidis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Kampf um den Ball: Chris Philipps (r.) und Mehmet Kara (l.) gegen Würzburgs Elia Soriano (am Boden liegend).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zweikampf zwischen Abdenour Amachaibou (r.) und Niklas Weissenberger.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • SCP-Coach Horst Steffen konnte mit der Anfangsviertelstunde seines Teams nicht zufrieden sein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der neue SCP-Stürmer Adriano Grimaldi (2.v.r.) im Kopfballduell gegen Lukas Billick

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Geheimnisvolle Botschaften: Die Anzeigetafel in der Flyeralarm-Arena drehte ob der ungewohnten Torflut der Hausherren durch und begann zu improvisieren. 

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • SCP-Coach Horst Steffen (M.) mit Björn Kopplin (l.) und Cihan Özkara.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Horst Steffen (l.) und Cihan Özkara

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Konnte nicht mitwirken: SCP-Kapitän Amaury Bischoff...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... und ärgerte sich über das schlechte Ergebnis in Würzburg.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Das Nachsehen hat hier Abdenour Amachaibou (l.) im Kampf um den Ball mit Würzburgs Joannis Karsanidis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein gebrauchter Tag für Abdenour Amachaibou und seine Mitspieler...

    Foto: Jürgen Peperhowe

Es wird ein Rätsel bleiben, warum die Preußen so larifari in die Partie gingen, völlig unkonzentriert, kein Tunnelblick, kein gar nichts. So komisch es sich anhört, schon in den ersten zwei Minuten deutete sich an, dass Würzburg Gift und Galle versprüht und alles geben würde für eine schnelles Tor. Und dass der halbherzige SCP bereit war, da mitzuhelfen wo es nur ging. Sowohl das 1:0 wie auch das 2:0, jeweils von Elia Soriano markiert, wären mit überschaubaren Mitteln und Entschlossenheit zu verteidigen gewesen. „Den gleichen Fehler darf man bei mir nicht zweimal machen. Aber die Tore erinnerten stark an die Partie in Mainz“, befand Steffen. In Mainz hatte der SCP auch zwei „leichte Gegen­tore“ kassierte, da ging es beim 3:2-Sieg aber noch gut aus. Das 3:0 nun in Würzburg durch Royal-Dominique Fennell in der Schlussminute war im Übrigen längst überfällig, SCP-Schlussmann Niklas Lomb verhinderte lange Schlimmeres. „Katastrophe“, meinte Lomb zum Spiel. „Desolat vor der Pause“, fügte Verteidiger Björn Kopplin an.

Unser Plan war ein anderer.

SCP-Trainer Horst Steffen

Dass Steffen von seinen ehemaligen Zöglingen aus Zeiten bei den Stuttgarter ­Kickers die Treffer eingeschenkt bekam, war ein Bonmot am Rande. Nun geht es am Samstag zur Reserve von Werder Bremen II. Da müssen die Preußen wieder Boden unter die Füße bekommen, die Aufstellung wird eine andere sein. Neben den verletzungsbedingten Fragezeichen wie bei Amaury Bischoff, Rogier Krohne oder Marc Heitmeier sowie dem gesperrten Mehmet ­Kara (5. Gelbe Karte) gibt es auch sportliche Hänge­partien, und zwar hinten, mittig und vorne. Deshalb spricht Horst Steffen, wie er sagt, nicht von Stamm­formation oder Reservisten oder Tribünenhockern, er weiß noch nicht hundertprozentig, woran er mit seinen Schützlingen ist. Würzburg öffnet die Tür zur Rotation, das Spiel wird sich Steffen so nicht gefallen lassen.

Re-Live
...

Würzburger Kickers - Preußen Münster: SCP-Spieler in der Einzelkritik

1/14
  • Torhüter Niklas Lomb: Note 3 - entschärfte drei gefährliche Bälle, war bei den Gegentoren machtlos.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsverteidiger Björn Kopplin: Note 4 - hatte mit dem Ex-Preußen Nejmeddin Daghfous einen brandgefährlichen Gegenspieler zu verwalten. Steigerte sich zumindest nach schwachem Beginn, blockte einen Soriano-Schuss und verhinderte da das 3:0.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers: Note 4,5 - stößt aktuell an seine Grenzen, beim 0:2 nicht auf der Höhe, passte sich der schwachen gesamten Defensivleistung an.

    Foto: René Penno
  • Innenverteidiger Marco Pischorn: Note 5,5 - erwischte einen rabenschwarzen Tag. Nichts gelang, konnte der Abwehr nicht wie gewohnt Stabilität verpassen,

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Linksverteidiger Felix Müller: Note 4 - mit Licht und Schatten, nach der Pause aber besser.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Mehmet Kara: Note 5 - verlor viel zu viele Bälle, konnte keines seiner gefürchteten Dribblings durchziehen, ein ganz schwacher Auftritt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Chris Phillips (M.): Note 4,5 - agierte phasenweise wie ein dritter Innenverteidiger, bekam keine Sortierung ins Spiel, viele Pässe versumpften, hatte die ganze Last des Spielaufbaus allein zu tragen und scheiterte daran.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelfeldspieler Benjamin Schwarz (r.): Note 4 - war die Verletzungspause anzumerken, ihm fehlt Wettkampfpraxis. Rackerte und gewann als einziger Preuße auch eine Reihe von Zweikämpfen, aber impulslos in der Offensive.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Rechtsaußen Philipp Hoffmann: Note 5 - konnte sich überhaupt nicht in Szene setzen und war abgemeldet.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mittelstürmer Adriano Grimaldi: Note 5 - hatte sich sein Startelf-Debüt anders vorgestellt, erhielt keine brauchbaren Bälle, konnte sich aber auch bei Ecken oder Freistößen nicht in Szene setzen.

    Foto: Ansgar Griebel
  • Linksaußen Abdenour Amachaibou: Note 3 - wechselte häufig in die Mittelfeldzentrale, wusste als einziger Angreifer Gefahr auszustrahlen und hatte die einzigen Chancen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marcel Reichwein (eingewechselt): Keine Note - er kam für Adriano Grimaldi und litt wie sein Vorgänger unter dem Murks beim Spielaufbau.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Cihan Özkara (eingewechselt): Keine Note - er ersetzte Philipp Hoffmann und konnte das Niveau nicht wirklich anheben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe (eingewechselt): Keine Note - er kam für den ausgepumpten Benjamin Schwarz und blieb unauffällig,

    Foto: Jürgen Peperhowe
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3817548?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker