Fußball: 3. Liga
Kein Blick zurück im Zorn – Dominik Schmidt und die alten Zeiten

Kiel -

Dominik Schmidt war so etwas wie der „aggressive Leader“ bei den Preußen – bis es zu einer chemischen Überreaktion zwischen Spieler, Fans und Verein kam. Es krachte, qualmte und zischte – und Dominik Schmidt musste gehen. Am Samstag trifft man sich wieder ...

Sonntag, 17.04.2016, 11:00 Uhr aktualisiert: 17.04.2016, 16:23 Uhr
Küsschen, Küsschen:  Ganz so herzlich fiel der Abschied von Dominik Schmidt bei den Preußen im vergangenen Jahr nicht aus.
Küsschen, Küsschen:  Ganz so herzlich fiel der Abschied von Dominik Schmidt bei den Preußen im vergangenen Jahr nicht aus. Foto: Jürgen Peperhowe

Reue? Rache? Nein, diese Begriffe kommen Dominik Schmidt nicht über die Lippen. Dabei trifft der Verteidiger des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel an diesem Samstag (14 Uhr) auf seinen Ex-Verein Preußen Münster. Knapp drei Jahre hatte der 28-Jährige den westfälischen Adler in seinem Herzen und auf der Trikotbrust getragen. Doch fast genau vor zwölf Monaten war der ehemalige Kapitän der Preußen überraschend suspendiert worden.

„Ich glaube, die Angelegenheit kam dem Verein ganz gelegen“, sagt Schmidt im Rückblick. Erst sorgte ein Zoff mit Münsteraner Ultras im Zusammenhang mit dem verpassten Zweitliga-Aufstieg bei einem Kirmesbesuch am 18. April 2015 für Aufsehen, dann die öffentliche Kollegenschelte des 1,87-m-Defensivallrounders. Über Wochen hatte sich Schmidt zuvor trotz eines Syndesmoseband-Anrisses in den Dienst des Klubs gestellt. „Ich würde immer wieder so handeln. Der Unmut der Fans darf nicht ins Private gehen. Das war schließlich kein nächtlicher Disco-Besuch“, so der gebürtige Berliner, der im Nachklapp auch seine Kritik an Mitspielern für angemessen erachtet. „Ich bin mit meiner Meinung immer gerade heraus. Und ich gebe für meinen Verein immer 100 Prozent. Ich dachte, das sei ausschlaggebend.“

„Ich freue mich auf das Duell mit einigen meiner Ex-Kollegen“

Das sahen die Preußen-Verantwortlichen mit dem Ex-Trainer Ralf Loose an der Spitze anders. Doch der Rauswurf liefert Schmidt heute nach eigenen Worten keinen Grund mehr für überbordende Gefühle. „Der Trainer ist nicht mehr da. Ich freue mich auf das Duell mit einigen meiner Ex-Kollegen. Was aber ausschließlich zählt, sind die drei Punkte, die wir mit Holstein holen müssen, um so schnell wie möglich den Klassenerhalt endgültig zu sichern.“

Doch nicht ausgestorben: Die Manndecker

Fußball-Nostalgiker werden bei dem Begriff „Manndeckung“ feuchte Augen bekommen. Das klingt ein bisschen nach Libero und „linker Läufer“ – und nach den guten, alten Zeiten. Allerdings prophezeit Preußen-Trainer Horst Steffen seinen Schützlingen an diesem Samstag in Kiel eine Begegnung mit der seltenen Gattung der Manndecker. „Kiel spielt das als einziges Team der Liga“, so Steffen. Entsprechend wurden im Training Doppelpässe auf engstem Raum und 1-gegen-1-Situationen geprobt.Preußen: Lomb – Kopplin, Schweers, Pischorn, Schwarz – Laprevotte, Philipps, Bischoff – Hoffmann, Krohne, Kara.

...

Schmidt ist bei den Störchen angekommen, in den zurückliegenden sechs Wochen zu einer Galionsfigur gereift. Nach einer persönlichen Achterbahnfahrt, die den lange vom überzogenen Ehrgeiz Getriebenen im ersten Halbjahr bei Holstein zunächst aufs Kieler Abstellgleis führte. In der Winterpause kam gar der Gedanke eines vorzeitigen Vereinswechsels auf. Ein New-York-Trip im Weihnachtsurlaub und auch die Gassi-Runden mit Labrador Marley am Ostseestrand brachten Entspannung für die gestresste Seele, diverse Gespräche mit KSV-Chefcoach Karsten Neitzel sowie die guten Leistungen im Trainingslager in der Türkei führten zum Aufschwung des ehemaligen Bundesliga-Profis – inklusive der Verinnerlichung der in Kiel praktizierten Mann-orientierten Verteidigung übers ganze Feld statt der bis dato gewohnten Raumdeckung. „Fast alles, was Dominik in der Hinserie falsch gemacht hat, macht er jetzt richtig“, lobt Neitzel.

Weicher Kern, harte Schale

Weicher Kern, harte Schale. „Ich hatte in meiner Karriere so viele Verletzungen. Ich kenne meinen Körper ganz gut und kann mit Schmerzen umgehen“, erklärt Schmidt, warum er seit Wochen trotz einer leichten Schambeinentzündung zum Wohle des kollektiven Erfolges auf die Zähne beißt. Zumindest diese Fähigkeit wussten auch die Preußen vor Jahresfrist an Dominik Schmidt zu schätzen.

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