Fußball: 3. Liga
N‘Diaye verlässt Preußen ohne Groll und will keine Blumen

Münster -

Am Dienstag wurde es offiziell: Babacar N‘Diaye verlässt den SC Preußen am Saisonende, der Vertrag des Co-Trainers wird nicht verlängert. Nun äußert sich der Publikumsliebling und betont, dass er keinen Groll hegt.

Mittwoch, 20.04.2016, 19:24 Uhr aktualisiert: 20.04.2016, 20:11 Uhr
Babacar N‘Diaye verlässt den SCP.
Babacar N‘Diaye verlässt den SCP. Foto: Jürgen Peperhowe

Am Tag, als die Öffentlichkeit erfuhr, was Babacar N‘Diaye auch erst kurz zuvor mitgeteilt bekommen hatte, stand das Telefon des Senegalesen nicht still. Kurznachrichten, Anrufe, E-Mails – der Co-Trainer des SC Preußen , der diesen Posten am Saisonende räumen muss, erhielt reichlich Aufmunterung, Zuspruch und Worte der Wertschätzung. Nach sechs Jahren in Münster endet der Vertrag und wird nicht verlängert. „Ich muss mich für diese schöne Zeit bedanken. Bei den Fans, beim Vorstand, beim ganzen Verein“, sagt er.

Schon im Winter deutete sich an, dass der neue Chefcoach Horst Steffen künftig auf seinen Assistenten aus der Zeit bei den Stuttgarter Kickers (Sreto Ristic) setzen möchte. Vor vier Wochen informierte der Trainer N‘Diaye darüber, am Dienstag wurde die Trennung offiziell. „Natürlich hätte ich mich lieber noch frühzeitiger darauf vorbereitete, aber ich kann und will nichts Schlechtes sagen“, so der frühere Angreifer, der 2010 an die Hammer Straße kam, dann als Stürmer unter Marc Fascher den Drittliga-Aufstieg mit vollbrachte, ehe er nach einer Verletzung 2012 Co-Trainer von Pavel Dotchev wurde und dies auch unter Ralf Loose und Steffen blieb.

Noch keine Pläne

Mittlerweile hat er seine A-Lizenz, Zukunftspläne – außer dem Besuch bei seiner Mutter in Afrika nach dem letzten Spiel – gibt es noch nicht. „Erstmal muss ich runter kommen. Ich werde die Sache hier durchziehen bis zum letzten Tag und mich sauber verabschieden.“ Überlegungen des Clubs, den Publikumsliebling in anderer Position zu halten, zerschlugen sich auch aus finanziellen Gründen. Gepokert hat „Baba“ aber auch diesmal nicht. „Geld spielte nie eine Rolle. Ich hatte hier nie einen Berater und habe alles unterschrieben, ohne zu verhandeln. Aber ich wollte auch nicht aus Mitleid ein neues Amt, auch wenn der Verein sich bemüht hat.“

Babacar N'Diaye beim SC Preußen Münster

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  • Im Jahr 2012 heuerte Babacar N’Diaye beim SC Preußen Münster an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zunächst war der Senegalese unter Trainer Marc Fascher (l.) als Spieler beim SCP aktiv.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Von 2010 bis 2013 bestritt Babacar N’Diaye 34 Spiele für Preußen Münster.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Ab dem 2012 gehörte er bereits dem Trainerteam des SCP an und war zunächst Co-Trainer von Pavel Dotchev (l.).

    Foto: Rene Penno
  • Anschließend assistierte der heute 42-Jährige Chefcoach Ralf Loose (r.).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der letzte Trainer, mit dem Babacar N’Diaye bei Preußen Münster zusammenarbeitete, war Horst Steffen (r.).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Babacar N'Diaye - hier mit Mittelfeldakteur Benjamin Schwarz (l.) - hatte immer einen engen Draht zur Mannschaft und war sehr beliebt bei den Spielern.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Dass Steffen eigene Pläne hat, verübelt ihm N‘Diaye nicht. „Ihm und allen anderen wünsche ich alles Gute. Ich bin Profi genug und weiß, dass solche Momente in unserer Branche vorkommen.“ Gern wäre er mit einem weiteren Aufstieg gegangen. „Aber das haben wir auf dem Platz in all den Jahren leider nicht geregelt bekommen. Das hätten wir schaffen müssen, nicht der Vorstand, nicht die Fans“, sagt der 42-Jährige durchaus kritisch. „Aber ich bin auch selbstbewusst und weiß, dass ich meine Aufgabe hier super erledigt habe.“ Die Zulassung für den Fußballlehrer-Lehrgang zu bekommen, wird dennoch schwieriger ohne aktuellen Arbeitgeber. Zwei, drei Jahre sind schon bei Kandidaten, die bei der Bewerbung in einem Amt sind, die reguläre Wartezeit.

„Bin nicht aus der Welt“

N‘Diaye hat sich jedenfalls vorgenommen, auch künftig an der Hammer Straße vorbeizuschauen. „Ich bin nicht aus der Welt. Auf der Geschäftsstelle arbeiten tolle Leute, die Fans liebe ich sowieso. Für Preußen würde ich immer wieder arbeiten.“ Nur eine offizielle Verabschiedung vor dem letzten Heimspiel will er nicht. Keine Blumen, keine warmen Worte. „Ich bin ja eigentlich cool, aber das würde ich nicht durchstehen. Das würde zu emotional.“

Bliebe die Frage nach seinem schönsten Moment im SCP-Dienst. „Das war in der Meistersaison unter Fascher. Ich habe ihm vor dem 3:0 gegen Köln II gesagt, er solle mich aufstellen, ich würde auf jeden Fall treffen. Ich wurde aber nur eingewechselt und habe mit meinem ersten Ballkontakt das Tor gemacht.“ Es folgten viele weitere und am Ende der Aufstieg, der N‘Diaye spätestens zur Kultfigur machte. Diesen Ruf untermauerte er als Co-Trainer nach Kräften.

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