Fußball 3. Liga
Anfrage im Landtag: Der Preis für ein Preußen-Spiel ohne Gästefans

Münster -

Der Landtag NRW hat eine Anfrage zu den Kosten der Fußball-Derbys zwischen Preußen Münster und dem VfL Osnabrück bekommen, bei denen keine Gäste-Fans zugelassen waren. Die Antwort: mehr Beamte, aber weniger Einsatzstunden.

Mittwoch, 20.04.2016, 20:31 Uhr aktualisiert: 21.04.2016, 08:07 Uhr
Besorgt um die Freizeitgestaltung der Osnabrücker Anhänger, wenn es zum Derby kommt:  Preußen-Ultras protestieren gegen den Ausschluss gegnerischer Fans.
Besorgt um die Freizeitgestaltung der Osnabrücker Anhänger, wenn es zum Derby kommt:  Preußen-Ultras protestieren gegen den Ausschluss gegnerischer Fans. Foto: Thomas Austermann

Viel Rauch um nichts? Angesichts der Vorkommnisse beim Drittliga-Spiel der Fußballer von Preußen Münster gegen Energie Cottbus mag einem der Kalauer, kaum dass er geschrieben ist, im Halse stecken bleiben. Eine ungewisse Anzahl von Menschen hatte im Preußenstadionrund 60 Qualmtöpfe gezündet – sechs Personen wurden Opfer des Rauchs und mussten sich in ärztliche Behandlung begeben.

So weit, so schlecht. Die Auswirkungen dieser und ähnlicher Delikte gehen indes über den möglichen Tatbestand der Körperverletzung hinaus, wie eine kleine Anfrage des Abgeordneten Daniel Düngel (Piraten, Wahlkreis Oberhausen) im NRW-Landtag hervorbrachte. „Derbys ohne Gäste – fanpolitischer und finanzieller Unsinn?“ wollte Düngel von der Landesregierung beantwortet wissen.

Hintergrund: Am 5. März 2016 demons­trierten rund 400 Preußen-Fans, tags darauf etwa 200 Osnabrücker Anhänger gegen „Gästeverbote und Repressionen“ beziehungsweise „Kollektivstrafen“. Es ging um die Begegnung zwischen VfL Osnabrück und Preußen am 23. September 2015 sowie das Rückspiel in Münster . Beide Clubs entschieden sich, auch in Erinnerung an den Böllerwurf 2011, bei dem über 30 Personen verletzt worden waren, die Partien ohne Gäste-Fans auszutragen.

Die Anfrage Düngels beantwortete jetzt das Innenministerium, ohne auf exakte Zahlen der Polizeieinsätze einzugehen. Diese werden, so die Landesregierung, durch nordrhein-westfälische Polizeibehörden grundsätzlich nicht erhoben. Ob allerdings die Kosten in besagtem Fall höher oder geringer als bei letzten Spielen des SCP gegen den VfL mit Gäste-Fans im Stadion gewesen seien, wie von Düngel angefragt? Es könne eben kein Vergleich erbracht werden, aber immerhin könnten Einsatzstärke und -stunden der Polizisten als Vergleichsgröße dienen, hieß es in der Antwort der Landesregierung. Demnach setzte das Polizeipräsidium am 5. und 6. März in der Spitze 836 Beamte ein, die zusammen 4851 Stunden leisteten.

Im Vergleich dazu wurden in den SCP-Heimspielen zuvor (1. März 2014 und 7. Februar 2015) 704 und 712 Beamte eingesetzt, die zusammen 6336 sowie 7120 Einsatzstunden und damit deutlich mehr aufwenden mussten, lautete die Antwort. Und weiter hieß es, dass Gewalttäter aus beiden Anhängerschaften „massive Sicherheitsstörungen initiierten“. Die Folge: Viele zum Teil schwer Verletzte, Sachschaden, justizielle Aufarbeitung. „Demgegenüber verliefen die in Rede stehenden Einsätze am 5. und 6. März in Münster (...) nahezu rechtskonform“.

Nach Pyro-Vorfall im Preußenstadion

Auch an der verhältnismäßigen Beurteilung der Lage bestünden keine Zweifel, heißt es in der Antwort. Düngel hatte gefragt, ob die Bereitstellung auch von Wasserwerfern aus Sicht der Landesregierung angemessen gewesen sei. Wie diese den kollektiven Ausschluss von Gäste-Anhänger bewerte, wollte Düngel abschließend wissen. Das sei ein Baustein in einem ganzen großen Paket, hieß es dazu. „Die Maßnahmen“, also der Ausschluss von Gäste-Fans beziehungsweise eine Kartenkontingent-Reduzierung, erscheine geboten, um einen „sicheren Veranstaltungsverlauf sowie die körperliche Unversehrtheit friedlicher Stadionbesucher zu gewährleisten“.

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