Volleyball: Damen-Bundesliga
USC vor schwieriger Mission – Schulz muss um Posten bangen

Münster -

Nur eine Spielerin hat der USC Münster derzeit unter Vertrag, die Mittel sind arg begrenzt. Keine leichte Lage so kurz nach Saisonschluss. Nun zeichnet sich auch noch ab, dass es in den Gremien eine Front gegen den Sportvorstand Jürgen Schulz gibt. Heikle Tage beim Bundesligisten.

Mittwoch, 27.04.2016, 09:00 Uhr aktualisiert: 27.04.2016, 14:43 Uhr
Der Sportliche Leiter Jürgen Schulz ist offenbar nicht mehr gefragt. Es soll eine Opposition gegen ihn geben.
Der Sportliche Leiter Jürgen Schulz ist offenbar nicht mehr gefragt. Es soll eine Opposition gegen ihn geben. Foto: Jürgen Peperhowe

Aufbruch war vor der abgelaufenen Bundesliga-Saison eines der Schlagwörter beim USC Münster . Angriff ein anderes. Jörg Adler, der Präsident, ging unüberhörbar in die Offensive. Für die praktische Umsetzung der formulierten Ziele verpflichtete der Club Trainer Andreas Vollmer als Nachfolger von Axel Büring. Es bewegte sich etwas, dem neuen Coach wurden viele Wünsche erfüllt. Der sportliche Plan ging auf, die Unabhängigen drangen bis ins Halbfinale vor, es gab viel Beifall und Bronzemedaillen. Oberflächlich betrachtet, war die Welt in Ordnung.

Tatsächlich ist sie es nicht. Michala Kvapilova, Amanda Sa, Andrea Lakovic, Irina Kemmsies und Alisha Ossowski haben den Verein verlassen (müssen), die Zukunft von Ashley Benson ist noch nicht restlos geklärt. Verhandlungen mit dem Restkader laufen, einzig Leonie Schwertmann ist aktuell noch an den Playoff-Dritten gebunden. Im Grunde genommen steht der USC schon wieder vor einem Neuanfang. Diesmal spricht jedoch niemand von Aufbruch oder Angriff. Es gibt einen gravierenden Unterschied zur Situation vor einem Jahr: Münster muss sparen. Die Kostendämpfung könnte eine Größenordnung von etwa 200 000 Euro haben. Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein gravierender Eingriff.

Neues Personal benötigt

Der USC benötigt neues Personal. Vollmer, Vertrag bis 2018, kümmert sich darum. Chef Adler ist ebenfalls involviert, Jürgen Schulz , der langjährige Sportliche Leiter offenbar nicht (mehr). „Er ist beruflich stark engagiert und für mich als erster Ansprechpartner nicht greifbar“, erklärt Adler. Gespräche mit Spielerinnen, Eltern und Agenten führe er aktuell selbst. Wechselweise im Beisein des Trainers, des Geschäftsführers Mariano Pala und des Vizepräsidenten Finanzen, Martin Gesigora.

Schon seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass Teile des Vorstandes und des Beirats auf eine Absetzung von Schulz drängen. Adler schweigt in dieser Causa. Er sagt nur: „Es wird bei uns kein Vertrag mehr unterzeichnet, der dem Gesamtvorstand nicht in einer Sitzung vorgelegt wurde.“ Da gibt es ganz offenbar einen Vertrauensbruch. Im September trifft sich der USC zur nächsten Mitgliederversammlung. Adler will sich dann erneut zur Wahl stellen. Der ehemalige Zoodirektor, etwas länger als eineinhalb Jahre im Amt, möchte die Zukunft der Volleyballerinnen mitgestalten. Momentan ist er damit beschäftigt, Transfers für die kommende Serie vorzubereiten. Junge und hungrige deutsche Talente sollen den USC durch die nächsten Spielzeiten tragen. In dieser Angelegenheit spricht und verhandelt Adler auch mit Angelina Hübner (ehemals Grün). Die Ex-Nationalspielerin mit Wurzeln bei den Unabhängigen berät und vertritt seit einiger Zeit gemeinsam mit ihrer Partnerin Judith Pelzer (ehemals Flemig) überwiegend junge Sportlerinnen. Für Talente aus diesem Kreis interessiert sich natürlich auch der USC. Aus dem aktuellen Kader lassen sich Julia Schaefer und Sina Fuchs von der Agentur „Greenflamesports“ vertreten.

Kemmsies nach Wiesbaden

Dass Irina Kemmsies den USC Münster verlässt, kam überraschend. Die junge Zuspielerin gab ihren Abschied vor zwei Wochen nach dem Playoff-Aus gegen Dresden bekannt. Nun ist klar, wohin es die 19-Jährige zieht: zum VC Wiesbaden. Der USC hatte eigentlich die Zukunft mit dem Eigengewächs geplant, in den vergangenen Jahren durfte Kemmsies, die ihr Abitur am Sport-Internat des Pascal-Gymnasiums machte, immer wieder Erfahrungen in der Bundesliga neben Tess von Piekartz oder zuletzt Amanda Sa. Die Nummer eins in der Regie wurde sie jedoch nie. Vielleicht schnappt sich der USC im „Gegenzug“ ein Wiesbadener Juwel. Nationalspielerin Jennifer Pettke wird die Hessen definitiv verlassen. Münsters Trainer Andreas Vollmer, auch Assistenzcoach der DVV-Auswahl, hat die 26-jährige Mittelblockerin auf dem Zettel.

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Der USC stellt sich in den nächsten Wochen und Monaten an verschiedenen Stellen neu auf. Es ist für alle Beteiligten also eine große Herausforderung. Besonders jetzt, wo der Gürtel doch erheblich enger geschnallt werden muss.

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