Fußball: 3. Liga
Zum Abschied flossen Tränen im Preußen-Lager

Münster -

Preußen Münster hat das letzte Heimspiel der Saison gegen Dynamo Dresden mit 2:3 (0:3) verloren. Der Endspurt mit Treffern von Amaury Bischoff und Charles Elie Laprevotte kam zu spät. Der Fußball-Drittligist steht vor einem Neuaufbau, zehn Spieler und ein Trainer wurden verabschiedet - Babacar N‘Diaye erhielt den größten Beifall.

Sonntag, 08.05.2016, 15:00 Uhr aktualisiert: 08.05.2016, 18:23 Uhr
Abschied, die zweite: Die Abgänge und das Präsidium (oben von links) Marc Heitmeier, Rogier Krohne. Marco Pischorn, Siggi Höing, Mike Schmitz, Babacar N‘Diaye, Kevin Schöneberg, Carsten Gockel, Marcel Reichwein und Georg Krimphove, (unten von links) Felix Müller, Charles Elie Laprevotte, Abdenour Amachaibou, Niklas Lomb und Chris Philipps.
Abschied, die zweite: Die Abgänge und das Präsidium (oben von links) Marc Heitmeier, Rogier Krohne. Marco Pischorn, Siggi Höing, Mike Schmitz, Babacar N‘Diaye, Kevin Schöneberg, Carsten Gockel, Marcel Reichwein und Georg Krimphove, (unten von links) Felix Müller, Charles Elie Laprevotte, Abdenour Amachaibou, Niklas Lomb und Chris Philipps. Foto: Jürgen Peperhowe

Es flossen Tränen bei einigen, der Abschied vor 8540 Zuschauer war nicht einfach. Fast eine komplette Mannschaft, genauer gesagt zehn Spieler und Co-Trainer Babacar N‘Diaye wurden verabschiedet. Manche flogen nur eine Saison mit dem Adler auf der Brust, andere länger, die einen erfolgreicher, die anderen weniger. Lauter wurde die Applauswelle, als Kevin Schöneberg seinen Blumenstrauß von Präsident Georg Krimphove erhielt, richtig stimmungsvoll, als Babacar N‘Diayes Zeit nach sechs Jahren in Münster endete. Ja, das war schon emotional, wirklich bewegend. Das war‘s dann wohl.

Ein Larifari-Beginn

Sportlich wurde letztendlich an diesem Samstag vieles bestätigt, was der Fußball-Dritttligist in dieser Saison schon gezeigt hatte. Diese 2:3 (0:3)-Heimniederlage unterstrich, dass der SCP zwar konkurrenzfähig ist, aber nicht in der Lage war, gegen Spitzenteams etwas auszurichten.

Zusammengefasst lautete das so: Ein Larifari-Beginn und prompt zwei Gegentreffer, dann nutzte der SCP einige Chancen nicht, kämpferisch war alles okay, aber die andere Mannschaft wirkte insgesamt kompakter, griffiger, weniger wankelmütig – also Dresden. „Drei Tore vor der Pause ist nicht in Ordnung“, bekrittelte SCP-Coach Horst Steffen die defensiven Nachlässigkeiten.

Stefan Kutschke (9.) und Justin Eilers (17. und 43.) mit seinen Saisontoren 22 und 23 stellten die Kräfteverhältnisse klar. Jeder im Stadion sah, was eine selbstbewusste, mit sich im Reinen befindliche Drittliga-Elf abliefern kann, selbst wenn Meisterschaft und Aufstieg in trockenen Tüchern sind.

Es gab lange keinen Augenblick, in dem Dynamo nicht vermittelte, das Diktat aufrechterhalten und nach Belieben mit dem Gaspedal spielen zu können. Steffen verneigte sich daher: „Diese Spielanlage gefällt, so würde ich gerne auch spielen lassen.“

Ciao, Kev

Es wäre nicht Kevin Schöneberg gewesen, wenn er sich nicht über seine Auswechselung nach knapp einer Stunde aufgeregt hätte. Der Rechtsverteidiger, Marke eisenhart, hatte beim Abschied mit Tränen zu kämpfen. Auf der Tribüne hielt sein frühere Teamkollege Daniel Masuch das Trikot mit der 6 in die Höhe, 30 persönliche Fans waren gekommen. Er kam als Stammkraft 2012, zuletzt kämpfte er nach Verletzungen vor allem um den Anschluss. Regionalligist Viktoria Köln soll an ihm Interesse haben. Er, der beim SCP auf dem Platz auch für das Straßenköter-Image und Rabaukentum zuständig war, geht. „Verlieren konnte ich noch nie, ich hasse es“, lautete sein Mantra. Nach 82 Drittliga-Partien ist beim SCP Schluss, aber in Münster hat er sich mit einer Werbemittelfirma ein Standbein aufgebaut, beim TuS Hiltrup mischt die Agentur in der Vermarktung mit. Irgendwie wird „Kev“ bleiben.

...

Nach einer Stunde ließen die Gäste die Zügel etwas länger, und es spricht für die durchaus vorhandene positive Einstellung der Preußen, dass die letzten zehn Minuten fast zu einem Finale furioso geführt hätten. Die Einwechselung von Adriano Grimaldi zahlte sich aus, er holte in der 85. Minute den Elfmeter raus, den der Kapitän Amaury Bischoff – offenbar mit Wut – in den rechten Torgiebel pfefferte. Keine zwei Minuten später erkämpfte sich Charles Elie Laprevotte durch frühes Stören den Ball und markierte das 2:3. Wenig später vergab Grimaldi den Ausgleich.

Lob für Stoll

Das Lob kam von oben. „Er hat das bravourös gegen Giuliano Modica und Michael Hefele gelöst“, sagte SCP-Coach Horst Steffen, und meinte Lennart Stolls Auftritt gegen die beinharte Dresdner Innenverteidigung. Fast wäre Stoll bei seinem Startelf-Debüt ein Treffer gelungen, doch der Pfosten stand im Weg. Der 20-Jährige war in Wiesbaden (2:0) als Philipp-Hoffmann-Ersatz erstmals eingewechselt worden, nun durfte er gegen Dresden ran. „Ich sehe meine Entwicklung, an der Chancenverwertung muss ich arbeiten. Für mein Selbstbewusstsein waren die Spiele wichtig“, sagte er. Stoll ist wettbewerbstauglich in Liga drei, muss aber noch zulegen. „Er läuft schlau“, sagt Steffen und meint durch die Blume, dass Stoll intelligent agiert, aber fürs Pressing noch etwas fehlt. Er selbst sieht das nicht anders. Nach Lion Schweers ist er wieder einer aus dem eigenen Stall, der in der 3. Liga mitmacht.

...

Immerhin: War zur Pause noch ein Debakel für die Preußen zu befürchten, so holten die Schlussminuten den eigenen Anhang zurück. „Gott sei dank haben wir die beiden Tore gemacht, dadurch wurde der Ausgang der Partie versöhnlicher“, meinte Steffen. Er steht nach einer ganz schwachen Rückserie als Nachfolger von Ralf Loose (19 Punkte aus 16 Partien) vor dem Neuaufbau einer Preußen-Elf, er soll die Mentalität ändern, er soll die Spielweise attraktiver machen, den eigenen Anhang wieder einfangen und begeistern – und er soll erfolgreich sein. Es wird eine Herkulesaufgabe werden.

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