Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Steffen im Interview: „Dürfen nicht die Nerven verlieren“

Münster -

Das erste Halbjahr ist fast rum für Horst Steffen. Der Preußen-Trainer hat keine leichten Monate hinter sich, aber kein Stück seiner Euphorie verloren. Was er in der neuen Saison vorhat, verrät der 47-Jährige im ausführlichen Gespräch.

Mittwoch, 11.05.2016, 00:00 Uhr aktualisiert: 11.05.2016, 21:19 Uhr
Das Ziel jedes Preußen-Trainers: Horst Steffen vor dem Rathaus und dem Sentenzbogen – im Aufstiegsfall würde dieser für den SCP reserviert.
Das Ziel jedes Preußen-Trainers: Horst Steffen vor dem Rathaus und dem Sentenzbogen – im Aufstiegsfall würde dieser für den SCP reserviert. Foto: Jürgen Peperhowe

Er kommt mit dem Fahrrad in die Innenstadt, so kann man auch am Markttag am Domplatz parken. Horst Steffen , Trainer des SC Preußen Münster , hat mittler­weile auch eine Wohnung in Münsters Westen gefunden. Er sei angekommen, sagt er, endlich. Nach dem stoischen Westfalen Loose kam der „Menschenfänger“ aus dem Rheinland. Dem SCP will er nun ein offensiveres und ­aggressiveres Auftreten verpassen. Neustart also im Juli. Den Kopf hängen lassen – das gibt es nicht für ihn, das erzählte er unserem Redaktionsmitglied Alexander Heflik jedenfalls im Interview.

Wie fällt Ihre Bilanz nach 19 Punkten aus 16 Dritt­ligaspielen aus?

Steffen: Die Bilanz ist ausbaufähig. Da habe ich andere Vorstellungen gehabt. Phasenweise ging das in eine gute Richtung, das aber nicht konstant. Wir müssen sehen, dass wir über 90 Minuten dominant spielen – wir haben noch etwas vor in der Zukunft.

Häufig stand der SCP in der Rückrunde vor weg­weisenden Partien, die dann nicht gewonnen wurden. Sie wollten ja oben in der Tabelle angreifen nach der Winterpause. Warum gab es diese Dynamik, es im entscheidenden Moment nicht schaffen, nicht siegen zu können?

Steffen: Gegen Osnabrück das Spiel zu erklären, fällt schwer. Es war der Knackpunkt. Wir wären auf drei Punkte herangerückt. Dann dominieren wir das Geschehen, spielen auf ein Tor, und am Ende ist es ein Unentschieden. Dass ein Schiedsrichter ein korrektes Tor abpfeift, ist auch schwer zu erklären. Insgesamt müssen wir noch mehr Qualität in die Truppe bringen, dass wir weniger ausgeglichene Spiele haben, die durch einen Zufall gegen uns laufen. Die Dresdner haben es vorgemacht, die haben so viele Spiele in der letzten Minute gewonnen, was ihnen in der Saison davor im Übrigen nicht gelang. Die hatten einen Start, bei dem alles gelungen ist, dadurch ist eine positive Dynamik entstanden – plus die individuelle Qualität des Kaders. Die haben aber auch zwei Stürmer, die 20 Tore machen.

Es ist dann auch eine Frage des Etats, dass Dresden sich solche Spieler leisten kann. Gewinnt Geld auch die Meisterschaft?

Steffen: Natürlich, das ist ja logisch. Trotzdem versuchen wir, aus unseren Mitteln das Beste herauszuholen. Es gibt gute Spieler, die weniger verdienen, wir müssen sie nur finden.

Haben Sie Fehler gemacht, die sie jetzt nicht mehr machen würden, und hat sich Ihr Eindruck von der Mannschaft seit Dienst­antritt bestätigt?

Steffen: Meine Einschätzung von der Mannschaft hat sich auf jeden Fall bestätigt. Meine Hoffnung war, dass es besser läuft. Mit einem Sieg gegen Osnabrück hätte das eine andere Richtung bekommen. Fehler? Großartig kann ich keine erkennen. Die Verletztenpro­blematik von Woche zu Woche konnte ich nicht be­einflussen. Wir hatten immer eine andere Aufstellung, vielleicht konnten wir uns nicht so einspielen, wie es gutgetan hätte.

Vor der Winterpause spielte der SCP abwartend, defensiv kompakt und auf Konter. Dann kam Steffen und wollte aus einem Turbo-Diesel einen Renn­wagen machen. War es ein Problem, dass die Mannschaft überfordert war?

Steffen: Das ist sicherlich ein Punkt, dass ich anfangs das trainiert habe, was ich im Sinn hatte. Das haben die Leute auch von mir erwartet, als ich nach Münster kam. Das Abwartende wollen wir nicht mehr sehen, sorg für attraktiven Fußball und hol Punkte, so lautete das Motto. Ich habe das versucht – aber dann auch gemerkt, das funktioniert so nicht. Deshalb sind die letzten Spiele etwas anders gelaufen, das fing mit Rostock an – und wir haben etwas mehr gepunktet, aber auch nicht ausreichend gut.

Mit welcher Erwartung schicken Sie die Anhänger in die Sommerpause?

Steffen: Ich kann das jetzt noch nicht so genau abschätzen. Das hängt von den Transfers ab, die wir noch bewerkstelligt bekommen. Wenn der Kader steht, dann kann ich durchaus auch was prognostizieren.

Aber es ist definitiv ein Neuaufbau der Preußen . Im letzten Sommer gingen zwölf Spieler, jetzt sind es mindestens zehn. Haben Sie damit gerechnet?

Steffen: Ja, das war ja meine Einschätzung, dass sich einiges im Sommer ver­ändern könnte.

Eine halbe Million Euro stehen weniger zur Ver­fügung. Rund 3,2 Millionen Euro werden fürs Team ausgegeben. Kann man damit arbeiten oder ist man damit Liga-Mittelmaß und wird abgehängt?

Steffen: Ich habe irgendwann mal die Zahlen in Stuttgart erfahren, da waren das 2,3 Millionen Euro. Aber ich kann diese Zahlen nicht bewerten. Ich muss mit Carsten Gockel einfach überlegen: Was können wir damit verpflichten?

Sind Sie denn zufrieden mit den Transfers?

Horst Steffen: Ja.

Michele Rizzi und Tobias Rühle sind immerhin Namen in der 3. Liga ...

Horst Steffen: ... absolut. Auch Sandrino Braun und Sebastian Mai sind gute Spieler, ich bin zufrieden.

Es gibt die Meinung: Horst Steffen hat lange in Nachwuchsleistungszentren wie Duisburg oder bei Borussia Mönchengladbach gearbeitet, ihm müssten doch die Talente zulaufen?

Steffen: So einfach ist das nicht. Ich habe die U 19 gehabt, bin aber schon drei Jahre raus. Die Jungs, die da gespielt haben, kenne ich. Wenige sind bei Bundesliga-Vereinen, viele haben es nicht geschafft. So einfach ist das nicht: Ich zaubere mal ein Talent aus dem Hut, das noch keiner gesehen hat.

Wie viele A-Junioren schaffen es nach oben?

Steffen: In Mönchengladbach haben es von damals Mahmoud Dahoud und Sinan Kurt geschafft, aus dem Jahrgang darunter Marvin Schulz. Wenn zwei es schaffen, ist das schon eine gute Quote. Da ist aus meiner Zeit noch der Christoph Zimmermann, der bei Borussia Dortmund II in der Regionalliga spielt. Die meisten anderen spielen in der Oberliga. Das ist einfach so. 3. Liga ist schon eine echte Hausnummer, das muss man ja erst mal schaffen.

Selbst wenn Tobias Warschewski oder auch Lokman Erdogan zusagen, dann sind das doch nicht die Spieler, die Sie sofort ins Feuer werfen können?

Steffen: Das war bei Lion Schweers vor einem Jahr doch nicht anders. Beispiele: Warschewski wie Lennart Stoll sind keine Dribbler, die laufen aber intelligent. Ich muss transferieren, dass sie mit besseren Spielern auch besser spielen. Die Hoffnung sollte zwar nicht zu groß sein, aber ich entwickle gerne Spieler.

Was fehlt noch im Kader?

Horst Steffen: Diese Mentalität voranzugehen, wenn es nicht so läuft, hoffen wir mit den bisherigen Transfers erreicht zu haben. Überall fehlt noch ein Tick Qualität. Aber wenn wir fünf Prozent mehr auf jeder Position rausholen als vorher, dann wird sich das auch in der Ergebnissen wiederfinden.

Der Fokus liegt wohl nun mehr bei der Torwartsuche und der Defensive, oder?

Steffen: Aktuell ja. Jetzt müssen wir gucken, dass wir das hinten in der Abwehr rundkriegen, dann haben wir wirklich einen guten Kader. Vier Spieler benötigen wir noch, dann kommen noch ein oder zwei Torleute dazu. Auf dem Torhütermarkt tut sich noch etwas nach dem Saisonende, da dürfen wir jetzt nicht die Nerven verlieren.

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