Volleyball: 1. Damen-Bundesliga
USC auf dünnem Eis – Adler: „Ich war auch blauäugig“

Münster -

Was sich in den vergangenen Tagen andeutete, ist jetzt Realität: Der USC Münster muss noch reichlich nachbessern, ehe er die Lizenz für die Saison 2016/17 erhält. Präsident Jörg Adler übernimmt dafür die Verantwortung, gibt sich aber weiter zuversichtlich.

Mittwoch, 25.05.2016, 18:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2016, 12:27 Uhr
Viele Fragezeichen, kaum Antworten: Auch die Zukunft von Spielführerin Linda Dörendahl ist ungewiss.
Viele Fragezeichen, kaum Antworten: Auch die Zukunft von Spielführerin Linda Dörendahl ist ungewiss. Foto: Wilfried Hiegemann

Jetzt liegt auch die offizielle Bestätigung der Volleyball-Bundesliga (VBL) vor: Der USC Münster muss um seinen Platz in der Frauen-Bundesliga bangen. Im ersten Anlauf wurde ihm die Lizenz für die kommende Saison verweigert (wir berichteten). Es ist ein einmaliger Akt in der Geschichte des neunmaligen Deutschen Meisters. In einem Nachlizenzierungsverfahren hat der Club die Möglichkeit, die fehlenden Auflagen zu erfüllen. Präsident Jörg Adler sah die Dinge am Mittwoch gelassen. „Ich bin da ganz entspannt, wir werden alles regeln, Münster bleibt ein Erstliga-Standort.“

Laut der Forderung der VBL muss der USC weitere 40 000 Euro einsparen oder zusätzlich aufbringen. Die Auflage, durch einen Wirtschaftsprüfer nachweisen zu müssen, nicht in die Gefahr der Illiquidität abzurutschen, ist dagegen vom Tisch. Zum 30. Juni 2015 hatte der Verein 370 000 Euro Verbindlichkeiten.

Auch Aachen muss nachlegen

Neben Münster fiel auch NRW-Konkurrent Lib Aachen durch die erste Prüfung. Definitiv wird das Feld im Oberhaus zur neuen Serie schlanker. Nach Hamburg kann auch Straubing keinen Erstliga-Etat mehr stemmen. Sollten Münster und Aachen die wirtschaftliche Tauglichkeit noch nachweisen, würden zwölf (bisher 13) Mannschaften in die Spielzeit 2016/17 starten. Erfurt hatte als einziger Zweitligist die Erstliga-Lizenz beantragt und erhalten.

Der USC ist in erhebliche und sehr unangenehme Turbulenzen geraten. Mit der Gelben Karte seitens der VBL büßt der Verein nun für die Sünden der Vergangenheit. Die Investition in zu teures Personal vor der Saison 2015/16 fliegt dem Verein wie ein ungesteuerter Bumerang um die Ohren. Präsident Jörg Adler, der im September 2014 zum Nachfolger von Matthias Fell gewählt worden war, übernimmt dafür die Verantwortung. „Ich war neu und begeistert“, sagt er, „und leider auch sehr blauäugig.“ Die sportliche Perspektive mit einem neuen Trainer und einer verstärkten Mannschaft sei extrem reizvoll gewesen“, so Adler. Im USC-Präsidium hatte damals nur Martin Gesigora , der Vizepräsident Finanzen, wirkliche Bedenken. Adler stellte sich nun schützend vor seinen Vorstandskollegen: „Er hat uns gewarnt, aber er war allein. Letztendlich ist er von uns überfahren worden.“

Quo vadis, USC? Adler rechnet „zu 100 Prozent“ mit der Lizenz, sieht eine „gute Perspektive“ und ist überzeugt, „eine sehr ordentliche Mannschaft“ für die nächste Saison präsentieren zu können. Allerdings wird der Kader nicht mehr so breit aufgestellt sein wie bisher. „Wir hatten zuletzt 13 Spielerinnen unter Vertrag, nun werden es vermutlich elf sein.“

Nach Aussage des ehemaligen Zoodirektors sieht der Etatentwurf für die nächste Spielzeit bislang Einsparungen in Höhe von 120 000 Euro vor. Weitere 40 000 müssen nun zwingend nachgebessert werden. „Wir sind dabei und auf einem guten Weg, das wird klappen, auch mit privater Unterstützung“, teilte Adler mit. Alles sei in den vergangenen Wochen auf den Prüfstand gekommen und „jedes Gehalt überprüft“ worden. Immer im Bewusstsein, dass der größte Teil der Einsparungen nur im Personalressort möglich sei. Dem werden vermutlich auch jene 40 000 Euro entzogen, die die VBL vor der Lizenzerteilung einfordert.

Im Herbst beginnt die Saison 2016/17. Deutlich vorher muss der USC noch einige offene Fragen zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit klären und beantworten. „Ich habe keine Bedenken, wir werden die finanziellen Dinge in den Griff bekommen. Und zwar so, dass wir dabei auch Darlehenstilgungen vornehmen können“, meinte Adler zuversichtlich und fuhr fort: „Ich stehe nun besser im Stoff.“

Kommentar: Verein muss Ressourcen nutzen

Der USC hat die Reise ins Reich der Träume beendet, willkommen zurück in der Realität. Die vorläufige Lizenzverweigerung seitens der VBL sollte auch den Letzten im Verein wieder geerdet haben. Beim Versuch, der nationalen Spitze zu Leibe zu rücken, haben sich die Unabhängigen finanziell böse verfangen. Dafür wurde ihnen jetzt die Quittung ausgestellt. Mit Bundesstützpunkt, Internat und Sportschule ist der Volleyball-Standort Münster gut aufgestellt. Angesichts eines sehr eng geschnallten Gürtels wird es künftig noch wichtiger sein, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen. Auf Dauer wird der USC nur über eine gute und seriöse Ausbildung sowie als verlässlicher Club und wirklicher Partner der Talente vorankommen. Gewagte Ausflüge wie zuletzt enden zumeist in einer Sackgasse. Wilfried Sprenger

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