Fußball: 3. Liga
Bäumer vor dem Abschied vom SC Preußen?

Münster -

Sein Absprung wäre ein Paukenschlag! Nach dem Deal mit Vermarkter Lagardère Sports deutet aber einiges darauf hin, dass Aufsichtsratsboss und Hauptsponsor Thomas Bäumer beim SC Preußen am Jahresende die Segel streicht. Für den Verein hätte das durchaus Konsequenzen.

Samstag, 18.06.2016, 08:00 Uhr aktualisiert: 18.06.2016, 10:29 Uhr
Der mächtige Mann im Preußenland: Thomas Bäumer bestimmte über ein Jahrzehnt lang mit, wohin es mit dem Verein geht, brachte selbst Millionenbeträge ein – nun könnte seine Ära mittelfristig enden.
Der mächtige Mann im Preußenland: Thomas Bäumer bestimmte über ein Jahrzehnt lang mit, wohin es mit dem Verein geht, brachte selbst Millionenbeträge ein – nun könnte seine Ära mittelfristig enden. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Dezember des vergangenen Jahres, als der SC Preußen seine Jahreshauptversammlung abhielt, war Feuer unterm Tribünendach an der Hammer Straße . Thomas Bäumer , der Aufsichtsrats-Vorsitzende, zeigte sich überaus fordernd an diesem Abend. Man kann auch sagen, dass er sich mit Teilen der Mitgliedschaft anlegte. Frust über das Fehlverhalten in Teilen der Anhängerschaft mit Strafen und Blocksperre, sportlich auf Talfahrt, wirtschaftlich angezählt mit frischen Verbindlichkeiten über rund eine halbe Million Euro – so lauteten allein drei Schlaglichter. Er verzichtete auf eine Wahl durch die Mitglieder in das Kontrollgremium, das war überraschend, ein Teil des Saales johlte. Dann kam Bäumers Konter, die Hintertür für eine Benennung durch den neu gewählten Aufsichtsrat ließ er sich offen. Es sollte alles in allem ein Wachrüttel-Effekt sein. Und es war der Moment, in dem sich am Horizont erstmals ein Ende seiner langjährigen Tätigkeit beim Drittligisten abzeichnete.

Zurück in das Heute: Nach der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Verein und Vermarkter Lagardère Sports in der Wochenmitte deutet sich nun der Abschied des 53 -jährigen gebürtigen Münsteraners noch klarer ab. Offizielle Stellungnahmen gibt es nicht, aber bereits auf der turbulenten Mitgliederversammlung räumte Bäumer ein, die dreijährige Amtszeit, es ist die vierte in Serie, vermutlich nicht ausfüllen zu wollen. Beim Deal um die Vermarktungsrechte war er nun der große Treiber. Es ist seine Hinterlassenschaft, das stellt den SCP aus seiner Sicht auf sichere Beine.

Was macht Krimphove?

Der Geschäftsführer von Tuja-Zeitarbeit und CEO der Adecco-Holding dürfte, wenn nichts Wesentliches mehr dazwischen kommt, im Dezember aus dem Aufsichtsrat ausscheiden. Alle Auguren deuten die Zeichen so. Ende des Jahres läuft im Übrigen auch die Amtszeit des aktuellen Präsidiums um Georg Krimphove aus.

Bäumer ist dem Club seit über 25 Jahren verbunden, erst als Sponsor, seit 2003 auch als Aufsichtsratsboss. Zeitgleich übernahm Tuja die „Brust der Preußen“. Das jährliche finanzielle Engagement wird auf 800 000 bis eine Million Euro geschätzt. Bäumer machte den SCP häufig „flüssig“, teilweise auch aus seiner Privatkasse. Über die Jahre dürften die Zuwendungen, die durch ihn und auf seine Vermittlung hin an den Verein geflossen sind, im tiefen zweistelligen Millionen-Bereich liegen.

Fakt wäre: Ohne Bäumer geht es beim SCP weiter, möglicherweise aber auf Sparflamme. Geht er, dürften auch Tujas Tage als Hauptsponsor gezählt sein, nicht sofort, nicht morgen, aber in den nächsten ein, zwei Jahren. Der Vertrag verlängerte sich bisher jeweils jährlich seit 2003 geräuschlos Ende März, soll aber stark mit „TB“ verwoben sein. Überhaupt dürfte es nahezu unmöglich sein, in der 3. Liga einen Finanzier zu finden, dem der Schriftzug so viel Geld wert ist. Üblicherweise werden die Zuwendungen von Hauptsponsoren in dieser Klasse auf 300 000 bis 500 000 Euro taxiert.

Zurück zum Fan

Bäumers Fortgang, dessen Weg zurück zum ganz normalen Preußenfan, soll durch Lagardère Sports langfristig kompensiert werden. Durch die Unterschrift unter den Acht-Jahres-Vertrag dürfte der SCP entweder die Liquidität – für DFB einer der wichtigsten Aspekte bei der Lizenzierung – gestärkt oder das Darlehen über die verbliebenen rund 400 000 Euro an Verbindlichkeiten abgesichert haben.

Somit könnte Bäumer ein aus seiner Sicht bestelltes Feld verlassen, auch wenn der von ihm so erhoffte Sprung in die 2. Liga nie Realität wurde. Dem Verein sowie den Entscheidergremien bleibt, wenn es wirklich zum Rückzug des Familienvaters kommt, nun noch Zeit für die Regelung der Nachfolge. Ein neuer „TB“ wird nicht einfach zu finden sein. Es ist die Suche nach der goldenen Stecknadel im Heu.

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