Fußball: 3. Liga
Preußen-Trainer Steffen im Interview: „Wir sind doch ein Verein“

Münster -

Interviews mit Horst Steffen sind etwas Besonderes. Der Mann hat etwas zu sagen. Zum Thema Fußball sowieso. Aber auch darüber hinaus vertritt Preußen Münsters Trainer klare Haltungen. Seine bemerkenswerten Sichtweisen vor dem Saisonstart gegen den VfL Osnabrück am Sonntag gibt es hier.

Freitag, 29.07.2016, 06:50 Uhr aktualisiert: 29.07.2016, 18:11 Uhr
Horst Steffen stellte sich Ansgar Griebel und Thomas Rellmann.
Horst Steffen stellte sich Ansgar Griebel und Thomas Rellmann. Foto: Gunnar A. Pier

Horst Steffen ist ein sehr kommunikativer Mensch, der Preußen-Trainer sucht und findet das Gespräch mit den Fans, stellt sich offen den Fragen der Presse, lügt gar nicht oder nur im äußersten Notfall – und sagt dennoch nur das, was er sagen will. Das ist aber beeindruckend viel – und schnell endet ein Gespräch über Fußball in den unendlichen Weiten der Philosophie und Tagespolitik. Steffen nahm Thomas Rellmann und Ansgar Griebel drei Tage vor dem Saisonstart mit auf die Reise.

Herr Steffen, in der Formel-1-Sprache könnte man die abgelaufene Saison als Aufwärmrunde bezeichnen, am Sonntag folgt nun der Schnellstart. Nach einer kompletten Vorbereitung mit einem Team ihrer Wahl. Wird das also jetzt ihre Saison?

Steffen: Es war auch in der letzten Saison meine Saison. Das war zwar nicht meine Truppe, aber ich hatte die Verantwortung. Ich hoffe, dass wir jetzt mehr von dem Fußball sehen, den ich auch sehen wollte.

Können Sie die neue Mannschaft mit der aus dem Vorjahr vergleichen?

Steffen: Ich glaube, dass verschiedene Dinge eine Rolle spielen. Wir haben uns verjüngt, und mir war es wichtig, dass die Jungs laufen können – und dass sie etwas erreichen wollen. Das ist gelungen. Ich will den anderen jetzt nicht Unrecht tun, die haben auch ihr Bestes gegeben. Dennoch hatten wir das Gefühl: Eine Veränderung tut jetzt gut.

Preußen-Trainer Horst Steffen im Interview

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Hat die Vorbereitungszeit ausgereicht, um die vielen neuen Spieler zu integrieren und ein funktionierendes Kollektiv zu formen?

Steffen: Das kann man so gar nicht sagen. Das wächst immer erst zusammen, wenn es um Punkte geht. Vorher kämpft jeder um seinen Platz mit der nötigen Anspannung, aber eben auch mit Entspannung, weil es ja nur ein Testspiel ist. Diese Entspannung müssen wir mit in die Punktspiele nehmen. Das ist wichtig.

Bis die Mannschaft am Sonntag aufs Feld läuft, stehen Ihnen vermutlich noch einige unangenehme Gespräche bevor ...

Steffen: Ja, das ist ja normal. Ich verlange von den Jungs ein mutiges Verhalten auf dem Platz, und dann kann ich nicht sagen, ich kneife vor irgendwelchen Gesprächen oder Entscheidungen, die zu treffen sind. Klar gibt es schönere Gespräche, als zu sagen: Du bist nicht im Kader, du bist nicht in der Startformation. Aber dieser erste Spieltag wird so hoch bewertet und der dritte dann schon nicht mehr. Für mich ist die Wahrheit nicht der erste Spieltag, für mich ist eher die Wahrheit, wer sich über die gesamte Spielzeit anbietet.

Kann man das den Spielern vermitteln, die am Sonntag auf der Bank oder auf der Tribüne sitzen?

Steffen: Die Spieler denken vielleicht, wenn sie am Sonntag spielen, dann setzt der Trainer auf sie. Das ist verkehrt. Nein, ich setze auf alle Spieler, die ich habe. Ich setze auf die Spieler in unterschiedlichen Konstellationen. Wenn ein Spieler auf der Bank sitzt, kann es passieren, dass ich sage: Hey, das ist der Spielertyp, den ich jetzt brauche. Welche Elf haben sie gesehen, die vom ersten bis zum letzten Spieltag durchgespielt hat? Die gibt es nicht.

Die Harmonie im Team muss aber stimmen ...

Steffen: Alle müssen das Gefühl haben, dass sie wichtig für die gesamte Mannschaft sind. Wenn wir das hinkriegen als Mentalität, wird uns nichts umwerfen.

Auch die drei Youngster Bennet Eickhoff, Lennart Stoll und Tobias Warschewski haben in der Vorbereitung viel gespielt. Werden wir sie auch in der Saison auf dem Feld wiedersehen?

Steffen: Bei der Kaderstruktur war klar, dass wir auf die jungen Spieler setzen werden. Dementsprechend hatten wie eine Fantasie mit den dreien. Und Lion Schweers spielt ja schon. Es gibt ein paar Jugendliche in Deutschland, die sofort durchstarten können. Das ist bei den Preußen nicht so, hier brauchen die jungen Spieler noch ein, zwei Jahre Entwicklung. Auf jeden Fall sind das Jungs, bei denen man sagen kann: Ja, die können wir spielen lassen.

Sie nehmen sich sehr viel Zeit für Gespräche mit den Fans. Ist das Teil des Jobs oder macht Ihnen das auch etwas Spaß?

Steffen: Also, da spielt beides mit. Ich begeistere Leute gerne. Es ist wichtig, eine Nähe aufzubauen. Wenn die Leute das Gefühl haben, der geht nach dem Spiel nach Hause und macht nur seinen Kram, dann ist eine Distanz da, die nicht angebracht ist. Ich mag es, zu erklären, was und warum ich etwas mache. Die merken: Dem ist das nicht egal. Wenn etwas nicht klappt, wurmt den das genauso wie uns auf der Tribüne. Man muss das Gefühl haben: Hey, wir sind doch ein Verein, darum geht es doch.

Uns verraten Sie aber nicht alles, zum Beispiel die Aufstellung vom Sonntag ...

Steffen: Ich will alle Jungs auf Spannung haben. Das sind ohnehin keine Entscheidungen für die Ewigkeit. Das ist so ein Hype: Wer ist Kapitän? Wer steht im Tor? Wer spielt gegen Osnabrück? Das ist nicht so wichtig, das will ich meinen Jungs näherbringen. Darum sage ich noch nichts. Lügen ist ganz schwierig, das tue ich im äußersten Notfall, wenn es gar nicht anders geht. Aber jemanden hinters Licht zu führen, das geht nicht. Weil ich genau weiß: Da oben ist jemand, der passt genau auf. Das ist meine Einstellung. Du kannst lügen, wie du willst. Der da oben, der bekommt das mit.

Fußball und Glauben – passt das zusammen?

Steffen: Ich habe meine eigenen Vorstellungen, wie das so läuft. An irgendetwas kann man sich festhalten. Wie es dann weitergeht, wenn man tot ist, weiß kein Mensch. Ich habe mir etwas zurechtgelegt, damit komme ich ganz gut klar. Ich versuche, so anständig mit den Menschen umzugehen, wie es immer geht. Auch in der Mannschaft. Da bin ich dann selten ein zorniger Mann, aber immer ein konsequenter Mann. Wenn einer was falsch macht, dann gibt es eine Konsequenz. Ich versuche, das Gift und die Emotion einfach rauszunehmen.

Emotionen sind aber wichtig im Spiel ...

Steffen: Die Mannschaft hat das Feuer in sich und braucht nicht zusätzlich Feuer von außen. Wir wollen ein gutes Derby spielen und den Fans was bieten.

Also ist die Partie gegen den VfL das perfekte Spiel für den Start in eine perfekte Saison?

Steffen: Ich kann ja nicht selber spielen, ich kann nur versuchen, das Beste zu geben. Aber das Leben geht weiter, auch wenn wir mal verlieren. Es gibt so viele schreckliche Dinge, die gerade passieren. Dieses andere auf der Welt, das stimmt mich traurig, das ist viel schlimmer als ein Unentschieden gegen Osnabrück.

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