So., 07.08.2016

Reiten: Vielseitigkeit Klimke bringt deutsche Olympia-Equipe die Führung

Auf dem Weg zum Gold-Hattrick brachte Ingrid Klimke die deutsche Vielseitigkeitsequipe wieder auf Kurs. Durch die gute Dressur der Münsteranerin mit Hale Bob verdrängte das Team von Bundestrainer Hans Melzer Frankreich auf Platz zwei.

Auf dem Weg zum Gold-Hattrick brachte Ingrid Klimke die deutsche Vielseitigkeitsequipe wieder auf Kurs. Durch die gute Dressur der Münsteranerin mit Hale Bob verdrängte das Team von Bundestrainer Hans Melzer Frankreich auf Platz zwei. Foto: dpa

Rio de Janeiro - 

Die drei Kollegen waren noch nicht in Gold-Form, doch Ingrid Klimke erwies sich beim Dressur-Part der olympischen Vielseitigkeit als deutscher Ruhepol. Die Münsteranerin setzte sich im Einzel mit Hale Bob an vierte Position und führte das Team auf Rang eins.

Von Jürgen Beckgerd

Das strahlende Lächeln wollte gar nicht mehr aus dem Gesicht von Ingrid Klimke weichen: Als einzige Deutsche war die zweimalige Olympiasiegerin fehlerfrei durch die Dressur gekommen und hatte somit entscheidenden Anteil daran, dass die Vielseitigkeitsreiter als Führende in den vorentscheidenden Geländeritt am Montag gehen. „Dressur ist jetzt History“, sagte Klimke. Soll heißen: Die Patzer ihrer Teamkollegen in der Gehorsamkeitsprüfung spielen bei der Hatz über Stock und Stein keine Rolle mehr.

Auch Bundestrainer Hans Melzer war die riesengroße Erleichterung deutlich anzusehen. „Ingrid ist perfekt, fehlerlos geritten“, sagte er und schnaufte einmal tief durch. Zuvor hatten nämlich Doppel-Olympiasieger Michael Jung mit Sam und Weltmeisterin Sandra Auffarth mit Opgun Louvo Melzers Nerven arg strapaziert. Die beiden besten Vielseitigkeitsreiter der Welt leisteten sich in der Dressur schwere Patzer und versetzten damit den deutschen Hoffnungen auf erneutes Doppelgold zumindest einen kleinen Dämpfer. Dass dann auch Olympia-Debütantin Julia Krajewski mit Samourai du Thot nicht fehlerfrei durchs Viereck kam, rundete das Bild ab.

Nach Klimkes hervorragender Leistung in der Dressur war all das aber vergessen. „Keine Reiterin, kein Reiter der Welt sitzt so im Sattel wie Ingrid“, sagte Melzer und ärgerte sich fast ein bisschen über die seiner Meinung nach zu niedrigen Noten. „Die Richter haben sehr streng gewertet und waren nicht unbedingt auf unserer Seite.“ So ist Klimke mit ihren 39,50 Punkten in der Einzelwertung Vierte hinter dem Briten William Fox-Pitt (37,00), dem Australier Chris Burton (37,60) und dem Franzosen Mathieu Lemoine (39,20). In der Teamwertung führt Deutschland mit 122,0 vor Frankreich (122,2) und Australien (126,4).

Vor dem Geländeritt, so Melzer, „wird jetzt alles wieder auf Null gestellt“. Vorneweg sollen Auffarth und Jung mit ihren schnellen drahtigen Pferden direkt voll auf Bestzeit gehen. Keine Umwege, keine zusätzlichen Bögen, es gilt die direkte Linie zum Ziel. Kaum zu schaffen sei die 5840 Meter lange Berg- und Talbahn mit ihren tückischen Hindernissen in der vorgegebenen Zeit von 10:15 Minuten, sagte Melzer. „Aber wir werden natürlich versuchen, mit Michi und Sandra gleich eine Marke zu setzen, die schwer zu erreichen ist.“

Schlussreiterin im Gelände ist Klimke, die mit sich, der Welt und ihrem Pferd nach der Dressur absolut im Reinen war. Nur vor dem Einritt in das Viereck hatte sie eine kleine Schrecksekunde erlebt, als Hale Bob plötzlich anfing, ein bisschen rumzukeilen. „Ich habe nur noch gebetet, Bobby, oh Bobby, bitte nicht jetzt“, berichtete sie. Ihr Vierbeiner tat ihr den Gefallen. „Und jetzt kann er es kaum erwarten, am Montag so richtig loszugaloppieren.“ Dass der Kurs „auf Vier-Sterne-Niveau“ höchst anspruchsvoll sei, hatte die 48-Jährige nach der Geländebesichtigung festgestellt. „Wer am Anfang bummelt, holt’s nicht wieder auf. Und wer zu Beginn zu viel Gas gibt, hat zum Schluss Probleme.“

Hört sich nach einer kniffligen Aufgabe an. „Das ist es auch“, betont die 48-Jährige, die 2008 und 2012 mit der Mannschaft Olympia-Gold holte. „Aber Hale Bob ist in Top-Form, alles gut.“ Zudem sind am Freitag auch Ehemann Andreas und Tochter Greta eingeflogen. An Unterstützung wird es nicht mangeln. Sie werden Klimke dann um 14.35 Uhr Ortszeit im Gelände sehen – und danach am besten wieder mit einem strahlenden Lächeln.



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