Mo., 08.08.2016

Reiten: Vielseitigkeit Mannschaftsgold fällt ins Wasser

Reiten: Vielseitigkeit : Mannschaftsgold fällt ins Wasser

Ingrid Klimke mit Hale Bob blieb bis zum letzten Wasserhindernis fehlerfrei, verlor da allerdings die Chance auf Edelmetall. Foto: dpa

Rio De Janeiro - 

Hoffen und Bangen, Zittern und Zaudern beherrschten den zweiten Auftritt des deutschen Vielseitigkeits-Quartetts. Am Ende regierte Enttäuschung bei den Reitern.

Von Jürgen Beckgerd

Als riesengroße Favoriten gestartet, müssen Sandra Auffarth, Michael Jung und Ingrid Klimke beim abschließenden Springen am Dienstag schon alle Register ziehen, um im Kampf um die Medaillen noch ein Wort mitreden zu können. Julia Krajewski ( Warendorf ) ist dann schon nicht mehr dabei.

Die deutsche Equipe rangiert nur auf Platz vier (172,80 Fehlerpunkte), Australien (150,30) führt vor Neuseeland (154,80) und Frankreich (161,00). Drei Springfehler müssen die Deutschen aufholen, um eine Medaille zu holen. Ein schwieriges, vielleicht unmögliches Unterfangen? Immerhin liegt Michael Jung (Horb) hinter Christopher Burton (Australien) als Zweiter mit Sam auf Schlagdistanz zu Gold.

Der Geländeritt begann schlecht für die vier Deutschen. Ausgerechnet die Weltmeisterin, ausgerechnet Sandra Auffarth, bescherte dem Team eine ganz kniffelige Aufgabe im Parcours. Im Gelände zeigte die 29-Jährige aus Delmenhorst mit ihrem Opgun Louvo Nerven. Zweimal ritt sie an einem Hindernis vorbei (einmal wurde die Entscheidung vom Wettkampfgericht revidiert), hinzu kamen Zeitfehler. Kein guter Auftakt für die so erfahrene Mannschafts-Olympiasiegerin 2012. „Mein Pferd war übermotiviert, von vorne bis hinten“, kommentierte sie.

„Aber so ist das Leben“, hatte sie die Enttäuschung darüber schnell abgehakt. Sie wusste immerhin den Doppel-Olympiasieger (Einzel und Mannschaft 2012), Michael Jung, noch hinter sich. Und der riss das Ruder anschließend wieder herum. Fehlerfrei und unter der vorgegebenen Zeit meisterte Jung die 5840 Meter lange Geländestrecke. „Jetzt drücke ich die Daumen für die nächsten beiden“, sagte er mit Blick auf Olympia-Debütantin Julia Krajewski aus Warendorf und Ingrid Klimke aus Münster. Doch diese Sicht auf die Dinge war schnell getrübt. Krajewski und ihr Samourai mussten die ganze Bitterkeit des Wettkampfes ertragen. Nach drei Vorbeiritten kam das Aus. Mit Tränen in den Augen kommentierte die 27-Jährige ihr Missgeschick. Ausgerechnet: Denn die ursprünglich als Ersatzreiterin für Rio nominierte Athletin war von Bundestrainer Hans Melzer „befördert“ worden und ritt anstelle des darüber höchst enttäuschten Warendorfers Andreas Ostholt in der Mannschaft.

Fotostrecke: 14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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Ingrid Klimke, die ihr Team am Montag schon in der Dressur „gerettet“ und vor einem übergroßen Rückstand bewahrt hatte, hatte die Order, „noch mal alles rauszureißen“, wie Bundestrainer Hans Melzer anschließend schilderte. Doch ausgerechnet ihr Hale Bob, der Zuverlässige, patzte an einem Hindernis im Wasser. „Bis dahin hatte er alle Klippen gemeistert. Ich war mir so sicher, dass er springt“, schilderte die Münsteranerin. „Trotzdem: er hat das richtig gut gemacht.“ Als 19. Geht sie nun ins Springen, die dann besten 25 kommen in den zweiten Umlauf, der als Einzelwertung gilt. Das ist ihr Ziel – das einer Medaille kann sich die Münsteranerin wohl nicht mehr erfüllen. Melzer tröstete, was halbherzig gelang: „Wir waren von den letzten Erfolgsjahren ja sehr verwöhnt. Nun bin ich enttäuscht.“ Das muss verkraftet werden.



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