Fußball: 3. Liga
Preußens Neuer – Die unglaubliche Rückkehr des Ole Kittner

Münster -

Der 18. November 2012 stand lange Zeit als ein denkwürdiges Datum in Ole Kittners Fußballkarriere. An dem Tag hatte der Münsteraner den letzten Pflichtspieleinsatz. Der ist nun Geschichte: Der Neue beim SC Preußen Münster gab im Westfalenpokal seinen Einstand im Adlerdress.

Freitag, 19.08.2016, 20:23 Uhr aktualisiert: 20.08.2016, 10:58 Uhr
Bis hierhin und nicht weiter: Ole Kittner als Abwehrdirigent.
Bis hierhin und nicht weiter: Ole Kittner als Abwehrdirigent. Foto: Jürgen Peperhowe

Diese Geschichte klingt eigentlich unglaublich. Natürlich kehren Spieler lange nicht zurück, wenn sie verletzt sind. Sechs Monate später, ein Jahr danach, vielleicht zwei Saisons fallen sie aus. Holger Badstuber, der Abwehrspieler von Bayern München, war so ein Fall, als er sich Ende 2012 einen Kreuzbandriss zuzog, später einen zweiten und in der Folge gut zwei Jahre kaum spielte.

Ole Kittner kehrte in Vreden aufs Spielfeld endgültig zurück. Kein Vergleich mit seinem letzten Pflichtspieleinsatz, damals, 2. Bundesliga, eine 2:5-Niederlage mit dem SV Sandhausen beim VfL Bochum, es war vielleicht eines seiner schlechtesten Spiele als Profi überhaupt – am 18. November 2012. Vor fast vier Jahren.

„Ich würde auch daran zweifeln, wenn ich das lesen würde. Ich wäre auch skeptisch“, sagte Kittner beim Blick auf seine eigene Comeback-Story und nach dem 2:1-Sieg seines neuen Clubs Preußen Münster im Westfalenpokal . Damals in Bochum traf er auf Leon Goretzka oder Zlatko Dedic, gestandene Bundesliga-Berufskicker, in Vreden hießen die Gegenspieler jetzt Nico Klein Günnewick oder Romario Wiesweg. Egal, Hauptsache wieder Fußball .

Das unerwartete Comeback, der letzte Anlauf auf einen Platz in einen Profi-Kader hat geklappt. Fast vier Jahre liegen dazwischen. Vier Jahre! Andere Karrieren enden so in der Kreisliga B beim Feierabendkick, Kittners offenbar nicht.

Zwei Kreuzbandrisse zog sich der gebürtige Münsteraner in Folge zu. Aus dem Zweitliga-Profi (RW Ahlen und Sandhausen) wurde ein Rekonvaleszent, dann ein arbeitsloser Vertragsspieler, dann ein langzeitarbeitsloser Fußballer.

Es sei nicht so gewesen, dass er nichts getan habe. „Manchmal war das Training nach den Verletzungen anstrengender als das auf dem Feld.“ Die unzähligen Stunden Reha in Praxen, das erneute Erlernen der Abläufe, die Anpassung der verpflanzten Sehne ins Knie – Kittner kann das alles abrufen, erklären. Sein medizinisches und physiotherapeutisches Wissen ist immens.

Den Zeitpunkt, als er sich das professionelle Fußballspielen wieder zutraute, lag gut zwei Wochen vor dem Trainingsstart des SCP im Juni. „Da habe ich das Projekt für mich gestartet und rief bei den Preußen an“, blickt er zurück. Trainingsgast, personelle Probleme beim SCP in der Defensive, das Knie hielt, Kittner war zurück. Natürlich begegneten ihm alle mit Zweifeln. Wie sollte er nach so langer Zeit noch einmal ins Rollen kommen? Kittner und Profifußball, das passte nun gar nicht mehr, oder?

„Es war ja nicht so, dass ich nicht regelmäßig an mir gearbeitet hätte. Die ganze Zeit wollte ich wieder Fußball spielen. Aber nun fühlt sich das Knie ganz anders an“, erklärt der 28-Jährige. Die Sehne wurde implantiert, das Gewebe und die Zellstruktur drum herum hätten sich angepasst. Das hält, glaubt Kittner. Alle Trainingseinheiten machte er mit. „Als er die Spielberechtigung erhielt, war für mich klar, dass er in Vreden spielt“, meinte Trainer Horst Steffen. Nach Abpfiff fügte er an: „Ole hat eine gewisse Stabilität mitgebracht. Bei Ballbesitz muss er noch besser werden.“ Ein klarer Auftrag eigentlich.

Kittner ist zurück, der große Innenverteidiger wirkt austrainiert, kein Gramm Fett am Körper, er hängt sich voll rein, tatsächlich sucht er noch sowas wie spieltaktische Orientierung, das räumliche Sehen kommt nur durch noch mehr Training und Wettkampfpraxis. Aber: Vreden war für ihn eine Art von Champions-League-Finale, ein Sieg. „Die Zeit heilt doch viele Wunden“, sagt er.

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