Fußball: 3. Liga
Gockel lässt seine Preußen-Zukunft offen

Münster -

Trainer Horst Steffen hat sportlich mit seinen Schützlingen seine eigene Großbaustelle zu beackern, doch auch auf der Kommandobrücke des SC Preußen gibt es viel zu tun. Wer diese Aufgaben mittel- und langfristig lösen soll, ist fraglich. Auch Sportvorstand Carsten Gockel kann und will nicht über das Jahresende hinausplanen.

Freitag, 02.09.2016, 15:32 Uhr aktualisiert: 02.09.2016, 17:29 Uhr
Trainer Horst Steffen (r.) und Sportvorstand Carsten Gockel sehen mit dem SCP unsicheren Zeiten entgegen.
Trainer Horst Steffen (r.) und Sportvorstand Carsten Gockel sehen mit dem SCP unsicheren Zeiten entgegen. Foto: Jürgen Peperhowe

An der Hammer Straße herrscht gespens­tische Stille. Das mag an dem spielfreien Wochenende in Liga drei liegen, möglicherweise aber auch an einer unerklärlichen Preußen-Müdigkeit im Umfeld des Drittligisten. Trainer Horst Steffens neu formierte Mannschaft hat einen bedenklichen Fehlstart hingelegt und erst am fünften Spieltag vor gerade einmal 5000 Zuschauern mit einem zähen 1:0-Erfolg über den neuen Tabellenletzten FSV Mainz 05 II ein wenig die erschütternde Startbilanz geschönt.

Zuvor blieben beim einstigen Straßenfeger gegen den VfL Osnabrück (0:1) 2000 Plätze im Stadion frei, keine 10 000 Fans wollten die Partie gegen den MSV Duisburg (1:1) sehen. Dennoch hält sich die Aufregung über den verpatzten Auftakt in den bekanntermaßen leicht entflammbaren Fankurven in Grenzen. Das ist gut für den Trainer, der jetzt Gelegenheit hat, die zahlreichen Baustellen in Rekordzeit zu richten, aber auch ein schwer zu deutendes Signal für die Zukunft: Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Aus sportlicher Sicht sicher die beste Variante. Oder etwa der Beginn einer Preußen-Agonie und der langsame Abstieg in die Bedeutungslosigkeit?

Zum Jahresbeginn werden mit Aufsichtsratschef Thomas Bäumer und Präsident Georg Krimphove zwei tragende Säulen des Preußen-Gebildes die Kommandobrücke verlassen – die Nachfolgefrage ist komplett offen. Am 31. Januar läuft mit der Amtszeit des aktuellen Führungsgremiums auch der Vertrag des hauptamtlichen Sportvorstands Carsten Gockel aus. Auch der 43-Jährige gerät ins Stocken, wenn er über die Zukunft des Vereins spricht, für den er sieben Jahre lang aktiv Fußball spielte und den er jetzt seit zehn Jahren als leitender Funktionär mitentwickelte. „Es ist für alle wichtig zu wissen, wie es weitergeht – und das wissen wir jetzt eben nicht. Nicht, wer die zentralen Positionen übernehmen wird, nicht, wie der Verein sich wirtschaftlich wird aufstellen kann. Und auch von der Stadt gibt es nach wie vor kein klares Bekenntnis zu diesem Verein.“ Folgerichtig hält der Münsteraner auch die eigene Zukunftsplanung offen. Vor der laufenden Spielzeit führte er intensive Gespräche mit Zweitligist Fortuna Düsseldorf, aktuell „halte ich natürlich auch die Augen auf“, so Gockel. „Es gehört im Berufsleben dazu, dass man sieht, wie es weitergeht. Das ist auch in meiner Branche üblich. Ich hatte den Vorstand über alle meine Schritte informiert.“

Seine Loyalität zum SC Preußen sei davon nicht betroffen. „Natürlich nicht. Das ist mein Verein. Aber im Moment wissen wir eben nicht, wer am Ende die Dinge anführt und unter welchen Bedingungen hier in Münster Fußball gespielt werden kann und wird.“ Wirtschaftlich hat der finanziell belastete Club derzeit nur wenig Gestaltungsmöglichkeiten, entsprechend wehte durch das am Mittwoch geschlossene Transferfenster nichts als ein wenig heiße Luft. Die Preußen haben es zur Maxime erhoben, neue Verträge nicht mit dem Rotstift zu unterschreiben.

Trainer Horst Steffen wird also mit dem bestehenden Kader den sportlichen Umschwung fortsetzen müssen – wie es neben dem Platz im kommenden Jahr und in der ungewissen Zukunft der Preußen weiter­gehen wird, steht dagegen in den Sternen...

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