Fußball: 3. Liga
Preußen Münsters schwieriger Balanceakt

Münster -

Spieler und Trainer des SC Preußen Münster reiten auf des Messers Schneide. Bislang ist der Drittligist bei seinem Balanceakt zwischen Ergebnis- und Erlebnisfußball meist vom Seil gekippt – ohne Netz und doppelten Boden. Gegen Frankfurt am Mittwoch soll die Gratwanderung endlich belohnt werden.

Montag, 19.09.2016, 17:13 Uhr aktualisiert: 19.09.2016, 18:06 Uhr
Jesse Weißenfels am Samstag: Erst mit vollem Einsatz gegen Magdeburgs Kapitän Marius Sowislo (o.l.), am Ende aber zu Tode betrübt.
Jesse Weißenfels am Samstag: Erst mit vollem Einsatz gegen Magdeburgs Kapitän Marius Sowislo (o.l.), am Ende aber zu Tode betrübt. Foto: Jürgen Peperhowe

Jens Härtel reihte sich ein in die Liste der höflichen Drittliga-Trainer. Auch der Coach des 1. FC Magdeburg attestierte Preußen Münster „eine tolle Mannschaft“ zu haben, „guten Fußball “ anzubieten – nachdem er mit seinem Team 3:2 an der Hammer Straße gewonnen hatte. Christian Brand (Hansa Rostock), Ilia Gruev (MSV Duisburg) und Rico Schmitt (Hallescher FC) hatten zuvor schon fleißig Lob an den SCP verteilt. Derlei Komplimente gehen natürlich leicht über die Lippen, wenn man gerade gepunktet hat. Selbst wenn sie freundlich gemeint sind.

Die Preußen nerven solche Bewertungen nur noch. Sie besagen nichts anderes als, dass sie es dem Gegner am Ende ja doch möglich gemacht haben, etwas zu holen. Das Resultat liest sich genau so: Letzter der 3. Liga, schon sechs Punkte Rückstand zur oberen Tabellenhälfte, in der sich Münster ja eigentlich sieht und die damit selbst bei optimalem Verlauf der restlichen englischen Woche vorerst unerreichbar ist. Heißt es, eine Truppe sei „eklig“, „destruktiv“ oder „überhart im Zweikampf“, bedeutet das übrigens zumeist, dass das betreffende Ensemble gerade gewonnen und den Konkurrenten entnervt hat.

Preußen Münster - 1.FC Magdeburg

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  • Preußen Münster - 1.FC Magdeburg Foto: Jürgen Peperhowe
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  • Preußen Münster - 1.FC Magdeburg Foto: Jürgen Peperhowe

Aber diese Art von Fußball, so ehrlich muss man wohl sein, wollen an der Hammer Straße weder Bosse noch Fans sehen. Trainer Horst Steffen spürt Druck, aber noch keinen Gegenwind. Er sah ja nicht nur eine kombinationsfreudige Elf gegen Magdeburg , sondern auch eine kämpferische. „Diesen Stil sollten wir für die Zukunft pflegen“, sagte er. Einfach ist es nicht, die Balance zu finden zwischen der gewünschten spielerischen Note und einer gewissen Aggressivität und Abgebrühtheit. 3. Liga eben.

Kommentar

Niemand, der sich für Fußball interessiert, und schon gar nicht Spieler und Trainerstab haben die mentale Fähigkeit, den Tabellenstand auszublenden und daran nicht zu denken. Natürlich weiß Horst Steffen, wo sein SC Preußen Münster steht. Rang 20, Schlusslicht, ein verkorkster Saisonstart ist das. Auch den Akteuren, Steffens Spielern mit dem Adler auf der Brust, wird das nicht entgangen sein. Wie auch.

Ergebnisse wie die bisherigen des SCP führen in der Regel zu Diskussionen um den Trainer.Aber was soll Schalke 04 mit dem neuen Coach Markus Weinzierl oder Zweitligist 1. FC Kaiserslautern mit Trainer Tayfun Korkut sagen? Die rangieren genauso bescheiden in ihren Ligen herum. Das erzeugt negativen Druck. Borussia Dortmund hielt diesem stand, als Jürgen Klopp in der Saison 2014/15 am 13. Spieltag Letzter war – und Kloppo den Kahn wieder fit machte. Er hatte zuvor aber Dortmund bereits auch schon zur Sonne geführt.

In Münster ist das dieser Tage irgendwie (noch) anders, obwohl hier schon aus weniger prekären Situationen allein in fünf Saisons in der 3. Liga Übungsleiter beurlaubt wurden.Beispiele? Marc Fascher stand 2012 nicht auf einem Abstiegsrang; Pavel Dotchev hatte knapp den Aufstieg verpasst 2013; die Ära Ralf Loose endete 2015, als der SCP Fünfter war. Sie mussten vorzeitig vor Vertragsende gehen.

Horst Steffen steht viel sicherer da, für nicht wenige taugt er zum Hoffnungsträger für einen erneuerten und besseren SCP-Kick. Die vergebliche Kurskorrektur mit dem strauchelnden Loose-Kollektiv in der abgelaufenen Spielzeit wurde ihm nicht schwer angelastet. Aktuell kann er die Schere (noch) schnell schließen, die sich mit Leistungssteigerungen des Teams und gleichzeitiger Punktlosigkeit gegen Halle und Magdeburg auftut. Bei FSV Frankfurt und Werder Bremen II sind allerdings Erfolgserlebnisse gefordert, Steffen kann weitestgehend in Ruhe gelassen weiterarbeiten. Es könnte auch viel schlimmer sein ...

von Alexander Heflik

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Der Traditionsverein erlebt seine schwierigste Phase in mehr als fünf Jahren Zugehörigkeit zu dieser Klasse. Dass der Teamgeist intakt ist, dass die Fähigkeiten vorhanden wären, um viel weiter vorne zu stehen, spürten die Zuschauer am Samstag. „Wenn von draußen Action kommt, motiviert uns das auf dem Feld noch mehr“, sagte etwa Jesse Weißenfels, der Schütze zum 1:2. „Aber wir müssen dann auch endlich diese Fehler abstellen. Zwei Tore müssen auch mal reichen, um zu gewinnen.“ Zumindest den Ruf als harmloseste Offensive zwischen Rostock und Regensburg ist Münster erst mal los.

Preußen Münster - 1.FC Magdeburg - die Einzelkritik

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  • Torwart Max Schulze Niehues, Note 2,5, hielt das, was zu halten war. Bei allen drei Gegentreffern machtlos.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Rechtsverteidiger Stephane Tritz, Note 3, erledigte seine Aufgaben kompromisslos und ohne große Patzer. Hatte einen Schlag auf den Fuß bekommen, hielt aber 90 Minuten durch.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Innenverteidiger Lion Schweers, Note 4, verursachte den Freistoß vor dem 2:3, wirkte phasenweise unsortiert, strahlte dieses Mal nicht die notwendige Souveränität  aus.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Innenverteidiger Sebastian Mai, Note 4,5, verursachte den Foulelfmeter nach sechs Minuten, nach der Pause mit einigen Fehlpässen, insgesamt ein Unsicherheitsfaktor in diesem Spiel. Für ihn ein Schritt zurück.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Linksverteidiger Benjamin Schwarz, Note 3, brachte viele Emotionen ins Spiel, bereitete das 2:2 mit vor, baute in der Schlussphase aber stark ab.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Mittelfeldspieler Michele Rizzi, Note 2, präsentierte sich endlich so, wie man es vom Ex-Großaspacher erwartet hatte. Der Kapitän bereitete beide Tore vor und überzeugte auf ganzer Linie.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Mittelfeldspieler Edisson Jordanov, Note 3, zeigte sich gut erholt von der Partie in Halle, gehörte zu den Aktivposten der Preußen.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Mittelfeldspieler Danilo Wiebe, Note 4, wurde in der defensiven Mittelfeldzentrale häufig allein gelassen, das Zusammenspiel mit den Innenverteidigern funktionierte in den entscheidenden Phasen nicht gut.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Mittelfeldspieler Mehmet Kara, Note 3,5, hatte gute Ansätze in der Vorwärtsbewegung, aber erneut Schwächen in der Rückwärtsbewegung und beim absichern seiner Region.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Angreifer Jesse Weißenfels, Note 3, erzielte mit Wucht sein zweites Saisontor, blieb aber in vielen Szenen ohne Fortune.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Angreifer Adriano Grimaldi, Note 2,5, belohnte sich selbst mit dem 2:2, stürzte sich in jedes mögliche Kopfballduell, beschäftige die Magdeburger Verteidigung. Am Ende gefrustet über die erneute Niederlage.

    Foto: Jürgen peperhowe
  • Ersatzspieler Tobias Warschewski, keine Note, kam spät für Kara und konnte sich nicht mehr entscheidend in Position bringen.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Am Mittwoch geht es nach Frankfurt, zum Zweitliga-Absteiger FSV, der noch sieglos ist, vier Mal unentschieden spielte. Mehr Krisengipfel geht nicht. Vorletzter gegen Letzter am Bornheimer Gang. Für Münster nach Rostock, Großaspach, Mainz, Halle und Magdeburg schon das sechste Kellerduell der jungen Saison. „Wir müssen Punkte holen, wir sind absolut in der Pflicht“, sagt Weißenfels vor dem allerersten Pflichtspiel gegen die Hessen. Recht hat er.

► Auch am Mittwoch sind die verletzten Amaury Bischoff und Denis Mangafic noch kein Thema. Abzuwarten bleibt, ob Stéphane Tritz rechtzeitig fit wird.

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