Fußball: 3. Liga
Preußen reloaded mit Seinsch, Roberg und Mister X

Münster -

Die neue Zeitrechnung beim SC Preußen beginnt am Donnerstag. Dann stellt der Aufsichtsrat das neue Personal für den Vorstand und das eigene Gremium vor. Einiges scheint klar. Fabian Roberg wird Nachfolger von Thomas Bäumer, Walther Seinsch spielt eine gewichtige Rolle. Doch wer wird Präsident?

Mittwoch, 12.10.2016, 16:41 Uhr aktualisiert: 13.10.2016, 15:22 Uhr
Walther Seinsch trieb einst sein Stadionprojekt auch in Augsburg erfolgreich voran.
Walther Seinsch trieb einst sein Stadionprojekt auch in Augsburg erfolgreich voran.

Gut gehütet sind die meisten Personalien, Projekte und Visionen, die der Aufsichtsrat des SC Preußen an diesem Donnerstag kommunizieren möchte, allemal. Dies und jenes ist hier und da mal nach außen gedrungen, doch die Spannung in den Reihen der Fans und Beobachter ist riesig. Der Begriff der Zeitenwende ist wohl nicht zu hoch angesetzt. Es geht um nicht weniger als die Zukunft des 110-jährigen Traditionsclubs und den Versuch, den Profifußball-Standort Münster überlebensfähig zu halten.

Was ist schon durchgesickert? Der einstige Macher des Bundesligisten FC Augsburg, Walther Seinsch, soll eine wichtige Rolle im Präsidium spielen . Rechtsanwalt Frank Westermann führte in seinem Auftrag zuletzt die zentralen Gespräche. Noch gibt es keine Aussage, in welcher Form sich der in Münster wohnhafte Unternehmer einbringt, wen er mitbringt, was er bietet und was er verlangt. Sein großes Thema war immer ein nagelneues Stadion. Ein auch in Augsburg angewendetes Modell mit Seinsch als größtem Investor ist denkbar.

Gerüchte besagen, dass am FMO in Greven für diesen Plan eine geeignete Stelle erörtert wird. Die Preußen weg von der Hammer Straße und dann sogar komplett raus aus dem Stadtgebiet? Für viele Münsteraner schwer vorstellbar, aber langfristig nicht ausgeschlossen.

Neues Gesicht im Aufsichtsrat

Das Präsidium wird in jedem Fall einen großen Umbau erfahren, soviel ist sicher. Clubchef Georg Krimphove, vor eineinhalb Jahren in der Not eingesprungen, dürfte einige Monate früher als geplant den Rückzug antreten, genauso wie Mike Schmitz (Finanzen). Siggi Höing (Marketing, Fans) bleibt wohl im Amt. Offen ist vor allem, wie es mit Uwe Landheer (Liegenschaften) und ganz besonders Carsten Gockel (Sport), der als einziges Vorstandsmitglied hauptamtlich tätig und damit noch bis Januar vertraglich gebunden ist, weitergeht.

Um diese Köpfe geht es

1/11
  • Thomas Bäumer tritt nach einer prägenden Ära als Aufsichtsratschef ab. Bäumer ist das einzige nicht-gewählte Aufsichtsratsmitglied, stand dem Gremium zuletzt zwölf Jahre vor.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Möglicherweise könnte Fabian Roberg (links) Nachfolger von Aufsichtsratschef Thomas Bäumer (rechts) werden. Roberg war geschäftsführender Gesellschafter der Coler GmbH, ehe die Firma im Dezember 2015 an die Alliance Automotive Group aus London verkauft wurde. Roberg (51), verheiratet und Vater von drei Kindern, lenkt als Geschäftsführer weiterhin die Coler GmbH, das Unternehmen hat 900 Mitarbeiter an 28 Standorten und wurde 1924 in Münster gegründet. Die Firma ist Mitglied im SCP-Sponsorenpool.

    Foto: privat
  • Der einstige Macher des Bundesligisten FC Augsburg, Walther Seinsch, soll eine wichtige Rolle im Präsidium spielen. Er dürfte Teil des neuen Vorstands werden. Noch gibt es keine Aussage, in welcher Form sich der in St. Mauritz wohnhafte Unternehmer einbringt, wen er mitbringt, was er bietet und was er verlangt. Sein großes Thema war immer ein nagelneues Stadion.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Georg Krimphove war eineinhalb Jahre Präsident. Der Clubchef und Obermeister der Bäcker-Gilde Münster war vor eineinhalb Jahren in der Not eingesprungen und dürfte einige Monate früher als geplant den Rückzug antreten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Offen ist vor allem, wie es mit Carsten Gockel, als einziges Vorstandsmitglied hauptamtlich tätig und damit noch bis Januar vertraglich gebunden, weitergeht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jochen Terhaar (54) könnte in den Aufsichtsrat rücken. Der frühere Preußen-Spieler ist ein Vertrauter von Seinsch.

    Foto: aho
  • Der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder ist als Berater vorgesehen. Der 35-Jährige spielte als Innenverteidiger in der Saison 1999/2000 für den SC Preußen, und belegte bei der Wahl zum Sportler des Jahres 1999 dieser Zeitung als 18-Jähriger Rang fünf. Später machte er als Fußballer eine Weltkarriere, er spielte für Borussia Dortmund (2000 bis 2007), Real Madrid (2007 bis 2010) und Schalke 04 (2010 bis 2013). Er wurde Deutscher Meister mit Dortmund (2002), mit Real spanischer Meister (2008) und mit Schalke Pokalsieger (2011), zudem Vize-Weltmeister mit Deutschland (2002). Metzelder absolvierte 48 Länderspiele.

    Foto: Ina Fassbender
  • Siggi Höing (Marketing, Fans) soll im Amt bleiben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Uwe Landheers (Liegenschaften) Zukunft ist offen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mike Schmitz (Finanzen) steigt nach eineinhalb Jahren aus.

    Foto: Sebastian Sanders
  • Clemens Große Frie von der potenten Agravis AG, die sich schon jetzt unter anderem als Hauptsponsor der SCP-Junioren und in der Halbzeit-Unterhaltung engagiert, soll in den Aufsichtsrat aufrücken.

    Foto: Agravis Raiffeisen AG

Seit Jahren diskutiert wird die Position eines Sportdirektors, nur kurzzeitig war die Stelle durch Detlev Dammeier im Frühjahr 2014 besetzt. In den vergangenen Wochen ist die Vakanz angesichts der sportlichen Probleme gerade für die designierte Vereinsführung wieder zu einem Thema geworden. Ein renommierter neuer Mann für den Posten scheint beschlossene Sache. Das große Fragezeichen in diesem Puzzle steht zunächst hinter dem Namen des Präsidenten, der sicher am Donnerstag präsentiert wird.

Ein neues Gesicht erhält auch der Aufsichtsrat. Thomas Bäumer, auch als Hauptsponsor der prägende Mann der vergangenen Dekade, hört als Vorsitzender schon jetzt statt am Jahresende auf. Sein Nachfolger ist in Fabian Roberg , dem Chef der in der Loddenheide ansässigen Coler GmbH, bereits gefunden. Er gehört dem Rat bereits seit September an. Auch Clemens Große Frie von der potenten Agravis AG, die sich schon jetzt unter anderem als Hauptsponsor der SCP-Junioren und in der Halbzeit-Unterhaltung engagiert, soll beizeiten in das Kontrollorgan aufrücken.

Ex-Profi Christoph Metzelder, der seine Weltkarriere beim SCP startete, ist ein Anwärter für eine Rolle als Berater und Repräsentant, jedoch eher nicht mehr. Gespräche hat der 35-Jährige bereits bestätigt. Zudem ist der frühere Preußen-Spieler Jochen Terhaar (54), ein Vertrauter von Seinsch, ein Kandidat. Die sechs weiteren Mitglieder (Michael Klein, Wilfried Tandetzki, Frank Rheinboldt, Wilhelm Schwellenbach, Marc Zahlmann, Werner Bis­plinghoff), die im Dezember 2015 bestätigt wurden, bleiben im Amt.

Fanprojekt verschiebt Treffen

Am Donnerstagnachmittag tagt der SCP-Aufsichtsrat und wird dann auch die Dinge beschließen, die anschließend ab etwa 16.30 Uhr in den Räumlichkeiten der Coler GmbH & Co. KG präsentiert werden. Auf die Entwicklungen im Verein hat auch das Fanprojekt reagiert und sein für Mittwochabend angesetztes öffentliches Treffen auf den 19. Oktober (19.06 Uhr, Presseraum Haupttribüne statt Fanport) verlegt. Es werden „gravierende Änderungen rund um den SC Preußen“ erwartet. „Es wird dringend Zeit, dass wir Fans uns strukturiert über die Chancen und Risiken austauschen, die aktuell kursierende Szenarien haben können“, so Fanprojekt-Sprecher Florian Voß.

...

Einbringen sollen sich vermehrt nun große Unternehmen aus der Stadt oder dem Umland – die Gespräche laufen. Interessant wäre, wie das Zusammenspiel neuer Sponsoren mit dem im Sommer für acht Jahre ins Boot geholten Vermarkter Lagardère Sports aussähe.

Renommierter Fußballlehrer für Trainerposten

Eine Antwort auf die Frage nach einem neuen Trainer wird es am Donnerstag noch nicht geben. Die neue Führung sondiert den Markt nach einem Nachfolger des beurlaubten Horst Steffen. Interimslösung Cihan Tasdelen coacht den Tabellenvorletzten am Samstag (14 Uhr) gegen den SV Wehen Wiesbaden. 

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

1/9
  • Am 1. Dezember 2019 wurde Sven Hübscher als Cheftrainer entlassen. Arne Barez, der derzeit das U19-Bundesligateam betreut, wird das Training der ersten Mannschaft interimsweise leiten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sven Hübscher (Bildmitte) als Chef- und Tobias Hellwig (nicht im Bild) als Co-Trainer übernahmen an der Hammer Straße erst im Sommer 2019. Beide erhielten Verträge bis zum 30. Juni 2021.

    Foto: Witters
  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag verlängerte er nicht. Er heuerte später bei Eintracht Braunschweig an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Der künftige Coach wird auch eine Einschätzung abgeben, ob er weiter mit Steffen-Assistent Sreto Ristic zusammenarbeiten will. Der Name Jos Luhukay, der bis September Zweitligist VfB Stuttgart anleitete und auch bei Werder Bremen ein Kandidat war, käme nur dann über den Hirngespinst-Status hinaus, wenn Seinsch alte Augsburger Verbindungen erfolgreich aufnimmt. Sicher ist, dass für den Trainerposten ein renommierter Fußballlehrer kommen soll.

Verbrieft ist, dass sich der ehemalige Augsburger und seine Vertrauensleute bereits bei der aktiven Fanszene vorgestellt haben mit Teilen ihrer Konzepte. Ein kluger Schachzug, schließlich lagen viele Anhänger seit Jahren mit den bisherigen Bossen überkreuz. Zudem soll über einen Vertreter der Anhänger im Aufsichtsrat gesprochen worden sein. Es wurde aber auch deutlich, dass es zu Umgewöhnungen für die Zuschauer kommen kann – was wiederum auf ein Stadionprojekt hindeutet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4366451?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker