Fußball: Kommentar
Ein langer Weg zum Preußen-Märchen

Münster -

Das war ein starkes Stück, das der SC Preußen da ablieferte. Die Visionen sind klar und ambitioniert, die neuen Kräften bringen Know-how und Beziehungen mit. Da kann was entstehen. Doch zunächst müssen die sportlichen Hausaufgaben erledigt werden. Ein Kommentar.

Freitag, 14.10.2016, 07:00 Uhr aktualisiert: 14.10.2016, 11:41 Uhr
Walther Seinsch (r.) und Christoph Strässer. 
Walther Seinsch (r.) und Christoph Strässer.  Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist der Tag der ­Visionen: Der SC Preußen Münster hat sein Team benannt, mit dem in der Fußball-Provinz zum Aufbruch geblasen werden soll. Aufsichtsratschef Fabian Roberg hat als Unternehmer beste Kontakte zur münsterischen Wirtschaft, im Präsidium sitzt mit Walther Seinsch ein Mann, der in Augsburg bereits ein Fußballmärchen hat wahr werden lassen. Ihm steht beratend Christoph Metzelder zur Seite, dessen Fußball-Vita die große Brücke schlägt zwischen dem SC Preußen und Real Madrid. Und mit dem Präsidenten Christoph Strässer hat der SCP jetzt auch den wichtigen Draht zur lokalen Politik und damit zur Stadt Münster gespannt, der in der Vergangenheit so oft schmerzlich vermisst wurde.

Wohin das Ganze führen soll, machte Seinsch klar, als er den SC Preußen in eine Reihe stellte mit Clubs wie Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen. Mit Bayern München dürfe man sich nicht vergleichen – immerhin. Ja, es lag viel Fantasie in der Luft an diesem Donnerstagnachmittag, der vielleicht einmal als Geburtsstunde einer Preußen-Erfolgsstory in die Vereinschronik eingehen könnte – wenn der Fußball denn so einfach wäre. Ist er aber nicht, und Augsburg ist nicht Münster – auch wenn es tatsächlich vergleichbare Ausgangs­positionen gibt. Mit ihren gebündelten Kräften kann diese Riege in Münster viel bewegen – aber sie kommt dennoch keinen Schritt weiter, wenn nicht auch auf dem Platz Taten folgen. Denn aktuell steht die Vision von einem erstklassigen Umfeld der bitteren Realität eines bestenfalls drittklassigen Fußballs gegenüber.

Wenn Münster den langen Weg aus der Bedeutungslosigkeit ernsthaft angehen will, dann müssen die meisten und vor allem die ersten Schritte auf dem Rasen gemacht werden. Es ist ein spannender Plan, der mit einer weisen Trainerwahl und drei Punkten am Samstag gegen den SV Wehen Wiesbaden beginnen muss. Die große Zukunft liegt noch in weiter Ferne, vielleicht aber hat sie gerade begonnen.

Das ist die Führungsmannschaft des SCP

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  • Neues Führungsduo im Preußen-Präsidium: SPD-Politiker Christoph Strässer (l.) und Unternehmer Walther Seinsch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aus der alten Führungsriege - v.l.: Carsten Gockel (Sportvorstand), Uwe Landheer (Vorstand Liegenschaften), Georg Krimphove (Präsident), Siggi Höing (Vorstand, Sponsoren), Thomas Bäumer (Aufsichtsratschef) und Mike Schmitz (Vorstand Finanzen) - sind nur zwei Personen übrig geblieben:

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Siggi Höing, der weiterhin für Sponsoren zuständig ist und...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...Carsten Gockel, der den Vorstand allerdings verlässt und nur noch als Geschäftsführer arbeiten wird.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Christoph Strässer führt künftig das Preußen-Präsidium.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Unternehmer Walther Seinsch ist jetzt neu im Vorstand und zuständig fürs Sportliche und das Stadionprojekt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der bisherige Jugendkoordinator Bernd Niewöhner rückt in den Vorstand auf und kümmert sich weiter um den Nachwuchsbereich.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Außerdem neu im Vorstand: Martin Jostmeier (2.v.l.), stellvertretender Geschäftsführer des Handwerkerbildungszentrums, ist zuständig für Finanzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Roberg hatte nur eine kurze Amtszeit als Preußen-Aufsichtsrats-Chef. Am 20. November 2016 kündigte der Unternehmer aus Münster seinen Rücktritt an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stellvertreter ist weiter Michael Klein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Prominenter Neuzugang im Aufsichtsrat: Ex-Profi und -Nationalspieler Christoph Metzelder. Er soll in allen sportlichen Angelegenheiten beraten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Um das gleiche Feld soll sich auch Jochen Terhaar kümmern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Diese zehn Männer bilden am 14. Oktober den neuen Aufsichtsrat der Preußen: (v.l.) Marc Zahlmann, Jürgen Becker (neu, Steuerberater), Frank Rheinboldt, Fabian Roberg, Michael Klein, Frank Westermann (neu, Anwalt), Wilhelm Schwellenbach, Christoph Metzelder (neu), Jochen Terhaar (neu) und Werner Bisplinghoff.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die neue Führungsriege hat hohe Ziele.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

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  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann
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