Fußball: 3. Liga
Preußen-Interimstrainer Tasdelen gegen Wehen zwischen Anspannung und Genuss

Münster -

Spiel eins nach Horst Steffen ist gleichzeitig das Drittliga-Debüt von Interimstrainer Cihan Tasdelen, der eigene Ansprüche nach hinten schiebt und die Preußen fokussiert auf die Heimpartie gegen den SV Wehen Wiesbaden vorbereitet. Die Hessen kommen als stärkstes Auswärtsteam der 3. Liga.

Freitag, 14.10.2016, 16:29 Uhr aktualisiert: 14.10.2016, 17:20 Uhr
Sinan Tekerci und die Preußen hoffen auf einen neuerlichen Befreiungsschlag im Heimspiel – am Samstag kommt der SV Wehen Wiesbaden.
Sinan Tekerci und die Preußen hoffen auf einen neuerlichen Befreiungsschlag im Heimspiel – am Samstag kommt der SV Wehen Wiesbaden. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Nachfrage zum persönlichen Befinden vor dem Drittliga-Debüt an der Seitenlinie war Cihan Tasdelen sichtlich unangenehm. „Ja, ich bin angespannt, auch leicht nervös. Und es ist eine Ehre für mich, ich liebe diesen Verein und fühle mich wohl“, sagte der Interimscoach des SC Preußen vor dem Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden am Samstag (14 Uhr). „Ich werde den Tag auch versuchen zu genießen. Aber es wäre unpassend, mich in den Vordergrund zu schieben.“

Die Trainer des SC Preußen Münster seit 2010

1/7
  • Im Dezember 2017 trat Marco Antwerpen den Trainerjob bei Preußen Münster an. Seinen bis Sommer 2019 laufenden Vertrag wird er nicht verlängern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benno Möhlmann kam im Herbst 2016 in höchste Not und rettete mit einer starken Rückserie den SCP vor dem Abstieg. Der Routinier war im Verein extrem beliebt, doch im Dezember 2017 musste auch er gehen, nachdem die Preußen wieder auf einen Abstiegsplatz gerutscht waren und der Trend fatal wirkte. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Horst Steffen kam an Heiligabend 2015 als Nachfolger von Ralf Loose und musste Anfang Oktober 2016 die Preußen wieder verlassen. Als Trainer ist er gescheitert, das belegte die Tabelle, die saisonübergreifende Schreckensbilanz des 47-Jährigen und vor allem die allzu häufig leb- und ratlosen Vorstellungen der Spieler. Dennoch hat Steffen in Münster Eindruck hinterlassen. Er war immer gesprächsbereit, stets offen, selbstkritisch und bei Fans wie Spielern beliebt – vor allem war er angetreten mit der Idee eines sehenswerten Offensivfußballs. Leider schaffte diese Idee viel zu selten die Platzreife. Außerhalb des Platzes stimmte die Chemie – auf dem Feld verpuffte das Experiment mit einem leisen Zischen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nach einer Talfahrt trennte sich der SC Preußen im Dezember 2015 von Ralf Loose (5.9.2012 bis 19.12.2015). Der 52-Jährige war der elfte Trainer, der im dritten Jahrtausend die Adlerträger betreute, der neunte, der vorzeitig seine Aufgabe beenden musste, aber wohl auch der, der mit der hochkarätigsten Platzierung seinen Dienst quittieren musste. Loose hinterließ seinen SCP auf Platz sechs der 3. Liga. Lediglich Georg Kreß war im April 2007 besser platziert.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Carsten Gockel war vom 5. bis 15.9.2012 Interimstrainer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev trainierte die Preußen vom 24.1.2012 bis 5.9.2013. Dotchev hatte den SCP im Januar 2012 im Abstiegskampf ans sichere Ufer geführt, dann fußballerisch weiterentwickelt. Der Vertrag des 47-Jährigen wäre noch bis Sommer 2014 gelaufen und hätte sich im Fall des Zweitliga-Aufstiegs bis 2015 verlängert. In der Vorsaison aber verpasste der SCP auf der Zielgeraden den Zweitliga-Aufstieg und stolperte bis auf Rang 16 – drei Punkte vor einem Abstiegsrang. Beim Abschied des Trainers schwang viel Sympathie mit. Einige Spieler rangen mit den Tränen, auch Dotchev kämpfte um Fassung. Interimsmäßig sprangen Gockel und Co-Trainer Babacar N´Diaye ein.

    Foto: Christian Butzhammer
  • Marc Fascher trainierte die Preußen vom 21.3.2010 bis 23.1.2012. Der gebürtige Hamburger hatte im März 2010 beim damaligen Regionalligisten aus Münster den beurlaubten Roger Schmidt ersetzt. In der Saison 2010/11 gelang der Gewinn der Meisterschaft und der Aufstieg in die 3. Liga. Es war Münsters erster Aufstieg seit 1989, Faschers Renommee glich ab sofort fast schon dem eines Helmut Horsch. Letztgenannter hatte 1989 den SCP in die 2. Bundesliga geführt. Nach einer Talfahrt der Preußen beendete Fascher im Januar 2012 die Debatten um seine Person, die Hängepartie um eine Vertragsverlängerung, mit einem Handstreich, und ging.

    Foto: Wilfried Hiegemann

Also lenkte der 41-Jährige die Dinge schnell aufs Wesentliche. Im ersten Punktspiel nach der Trennung von Trainer Horst Steffen steht Münster unter Druck, auch aufgrund der Tabellenlage (Platz 19). Da kam es Tasdelen und der Mannschaft sogar entgegen, dass in den vergangenen Tagen den Führungsebenen die Schlagzeilen gehörten. „Wir konnten tatsächlich in Ruhe arbeiten. Alle waren sehr konzentriert. Der Umbruch im Vorstand spielte keine Rolle für uns“, sagt der eigentliche Coach der A-Junioren, der zum nun sportlich Verantwortlichen Walther Seinsch noch keinen Kontakt hatte. „Unser Fokus ist nur auf Wiesbaden gerichtet, alles andere blende ich aus.“

Mit den Hessen hat sich Tasdelen natürlich intensiv befasst und hebt die Qualitäten im vorderen Bereich hervor. „Die Offensive hat es in sich“, sagt er und deutet an, sich in der Ausrichtung auch am Gegner orientieren zu wollen. Wie er aufstellt, lässt der A-Lizenz-Inhaber, der nur zeitlich begrenzt die Verantwortung tragen darf, offen. Da Jesse Weißenfels (Adduktorenprobleme) sehr fraglich ist, könnte auch die Formation, die die SpVgg Erkenschwick aus dem Westfalenpokal kickte (7:0), auflaufen. Dann säße Kapitän Michele Rizzi erneut auf der Bank. Doch der Trainer betont: „Das sollte man nicht überbewerten, und die Spielführerbinde steht überhaupt nicht zur Debatte. Ich wollte ja auch Sandrino Braun eine Plattform geben, um Spielpraxis zu sammeln.“

Preußen-Stadion für 40 .000 Zuschauer

Wollen die Preußen gegen die angriffslustigen und auswärtsstarken Wiesbadener zunächst Stabilität erzeugen, wäre sogar ein 4-2-3-1 mit Rizzi, Braun und Amaury Bischoff denkbar. Dann würde nur einer aus dem Tobias-Duo (Rühle und Warschewski) in der Spitze auflaufen. Noch kein Thema ist dort nach seinem Muskelfaserriss Adriano Grimaldi.

Große Hoffnungen hat Tasdelen bezüglich des Publikums. Trotz des Appells des neuen Aufsichtsratsbosses Fabian Roberg, ganz Münster müsse am Samstag ins Stadion kommen, kalkuliert der Club zwar vorsichtig mit maximal 6500 Besuchern. Doch der Coach betont: „Im Abstiegskampf benötigt man eine andere Energie als im Rennen um den Aufstieg. Daher ist es immer hilfreich, wenn es von den Rängen bedingungslose Unterstützung gibt.“ Trotz der Liga-Krise scheint dieser Wunsch nicht ganz illusorisch zu sein.

► SCP :  Schulze Niehues – Mangafic, Kittner, Mai, Al-Hazaimeh – Tekerci, Rizzi, Bischoff, Kara – Rühle, Warschewski

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4370445?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686209%2F2686789%2F
Nachrichten-Ticker