Fußball: 3. Liga
Rizzi behält die Nerven: Verwandelter Elfer beschert 1:1 gegen Holstein Kiel

Münster -

Die Lage ist ernst, mehr als das. Und die meisten, eigentlich alle 6182 Zuschauer, wussten nicht, ob sie pfeifen, klatschen oder schweigen sollten. Also trudelte alles so aus, so lala, so lala. Am Ende, als Schiedsrichter Benedikt Kempkes das Aufeinandertreffen von Preußen Münster und Holstein Kiel beim Stand von 1:1 abpfiff, da war immerhin ein Anflug von Hoffnung zurückgekehrt.

Sonntag, 30.10.2016, 17:57 Uhr aktualisiert: 30.10.2016, 18:16 Uhr
Elfmeterdrama an der Hammer Straße: Michele Rizzi (links) trifft zum 1:1 vom Punkt und jubelt mit Tobias Warschewski und Mehmet Kara (27). Amaury Bischoff hatte weniger Glück und scheitert an Kiels Tormann Kenneth Kronholm..
Elfmeterdrama an der Hammer Straße: Michele Rizzi (links) trifft zum 1:1 vom Punkt und jubelt mit Tobias Warschewski und Mehmet Kara (27). Amaury Bischoff hatte weniger Glück und scheitert an Kiels Tormann Kenneth Kronholm.. Foto: Jürgen Peperhowe

Zumindest beim SCP-Anhang. Denn nach 30, 35 Minuten, in denen einem angst und bange werden musste um die Adlerträger, kämpfte sich die Mannschaft von Trainer Benno Möhlmann tatsächlich zurück und tat das, was man zumindest erwarten konnte: „Die Mannschaft hat sich am Ende den Punkt verdient, weil sie sich das 1:1 erarbeitet haben“, befand der Coach. In seiner Philosophie von „Stück für Stück und Schritt für Schritt den Klassenerhalt erarbeiten“ war das ein letztlich positiver Sprung nach vorn für das Schlusslicht.

Möhlmanns zweite Partie als Cheftrainer spiegelte das ganze Dilemma der aktuellen Preußen wider. Lange in der ersten Halbzeit agierte eine vor Kraft strotzende Mannschaft mit griffiger Abwehrarbeit, gescheiten Spielzügen und einstudierten Abläufen gegen ein Team, bei dem einigen die Knie schlotterten. Da wo Münster im letzten Spieldrittel in Lotte (0:1) zum Möhlmann-Debüt mit einer ganz schwachen Leistung aufgehört hatte, machte das Team gegen Holstein einfach mal weiter. Das war wenig bis nichts. Kiel wie ein Spitzenteam, Münster wie ein Kellerkind, das war die Realität.

Einzelkritik (SC Preußen Münster - Holstein Kiel)

1/14
  • Lennart Stoll: Zehn Minuten als zusätzliche Offensivkraft, doch kein entscheidende Impuls.

    Keine Note

    Foto: Preußen Münster
  • Cihan Özkara: Drei Minuten plus Nachspielzeit dabei. Fiel nicht auf.

    Keine Note

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  • Sinan Tekerci: Kam mit dem Ausgleich für Kara, setzte sich aber kaum in Szene.

    Keine Note

    Foto: Preußen Münster
  • Max Schulze Niehues: In den ersten zehn Minuten unter Dauerbeschuss, dabei war sogar eine Dreifachparade notwendig. Später kaum mehr geprüft, aber stets hellwach.

    Note: 2

    Foto: Preußen Münster
  • Stéphane Tritz: Zuletzt ein Sorgenkind hinten rechts. Diesmal mit einer stabilen Vorstellung, teils sogar technisch ansprechend. Etwas wenig Offensivaktionen.

    Note: 3

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  • Ole Kittner: Wieder mit der Kapitänsbinde. Doch gerade in der ersten Hälfte schwamm er mit in einer unsicheren Deckung. Wurde mit der Zeit sicherer.

    Note: 3,5

    Foto: Preußen Münster
  • Michele Rizzi: Neue Rolle als Zehner, doch es fehlt ihm weiter an Bindung, an Situationsglück, an Genauigkeit. Klasse jedoch, wie der Ex-Kapitän beim Elfmeter in die Bresche sprang.

    Note: 3,5

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  • Amaury Bischoff: Ein verschossener Elfmeter kann passieren. Das Problem des Franzosen bleiben vielmehr das läuferische Defizit und die Zweikampfschwäche.

    Note: 4

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  • Tobias Rühle: Anfangs versprangen ihm einige Bälle, doch als Münster in der zweiten Hälfte anzog, war er die Triebfeder. Holte zahlreiche Freistöße raus.

    Note: 2,5

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  • Tobias Warschewski: Es war schon beeindruckend, wie der Youngster in der ersten Hälfte voranging. Kämpferisch 1a, ein echter Wuseler. Tauchte später jedoch etwas unter.

    Note: 3,5

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  • Benjamin Schwarz: Diesmal im defensiven Mittelfeld aufgeboten, wo er sich immer wieder wie erhofft in die Zweikämpfe warf. Neuerdings Standard-Schütze.

    Note: 3

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  • Sebastian Mai: Kleine Wackler sind zwar meist mit drin, doch insgesamt auf derm aufsteigenden Ast. Übernimmt Verantwortung, holte den Elfmeter raus.

    Note: 3

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  • Mehmet Kara: Einige ganz nette Aktionen auf der rechten Seite, aber alles in allem doch wieder eine wenig effektiver Auftritt. Als Erster ausgewechselt.

    Note: 4,5

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  • Jeron Al-Hazaimeh: Viel Zutrauen in seine einstige Stärke hat der Linksverteidiger noch nicht. Suchte vorbildlich den Weg nach vorn. Es fehlt aber noch an Präzision.

    Note: 3,5

    Foto: Preußen Münster

Was Max Schulze Niehues dann in den ersten 20 Minuten an vier hochkarätigen Chancen der Kieler entschärfte, war schon Klasse. „Ich war“, sagte der Preußen-Schlussmann, „von der ersten Sekunde wach.“ Nicht jeder Preuße konnte das von sich behaupten.

Die Führung für die Gäste war fast selbstredend, die Flanke von Kingsley Schindler verwertete Manuel Janzer nach 21 Minuten zur Führung. Die Preußen schleppten sich durch die erste halbe Stunde wie waidwundes Reh. Und doch, weil es Fußball ist, und Kiel nicht nachlegte, kamen die Hausherren zurück. Tobias Rühle nahm in der 44. Minute das Bein von Arne Sicker geschickt an, kurz zuvor hatte er die einzige Chance der SCP überhastet vergeben, und bekam seinen Elfmeter. Aber Amaury Bischoffs Schuss war hart und unplatziert, das war eine Beute von Kiels Tormann Kenneth Kronholm. Sekunden später traf der aufgerückte Sebastian Mai per Kopf nicht ins Tor.

SC Preußen Münster - Holstein Kiel

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  • Um 14 Uhr am Samstagnachmittag war Anstoß im Preußenstadion. Der SCP empfing Holstein Kiel. Zugleich war dies das erste Heimspiel des neuen Trainers Benno Möhlmann - er wollte einen Sieg landen.

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  • Turbulenter Auftakt bei der Partie SC Preußen Münster gegen Holstein Kiel. Über 6000 Zuschauer waren ins Preußenstadion an Hammer Straße geströmt.

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  • SCP-Coach Benno Möhlmann wacht am Spielfeldrand über das Geschehen.

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  • Amaury Bischoff nach seinem verschossenen Elfmeter.

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  • Kiels Torhüter Kenneth Kronholm hält den Elfmeter von Bischoff.

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  • Tor durch Manuel Janzer zum 1:0 gegen Max Schulze Niehues.

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  • Weitere Impressionen des Spiels...

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Mit diesem finalen Aufbäumen vor der Pause fand Münster ins Spiel. „Es bleibt mein Geheimnis, was gesagt wurde“, grinste Coach Möhlmann, die Standpauke in der Kabine dürfte entsprechend gewesen sein. Denn die zweite Hälfte war zumindest ein Fußballspiel mit zwei gleichberechtigten Partnern auf Augenhöhe. „Das war besser. Wir haben gegen eine gute Mannschaft einen Punkt noch geholt, obwohl das in unserer Lage auch kein Meilenstein ist“, befand Michele Rizzi . Die Nummer 8 der Preußen, der unter Horst Steffen noch Kapitän war, bügelte nach 68 Minuten den Bischoff-Fehltritt aus. Sebastian Mai wurde von Rafael Czichos gefoult, Dominik Schmidt bekam den Ball an die Hand, jedenfalls pfiff Kempkes Strafstoß. Und Rizzi traf. „Ich habe Amaury noch gefragt, ob er schießen will. Aber er winkte ab“, erklärte Rizzi. Er behielt die Nerven.

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„Das war meine sechste Position beim SCP im 13. Punktspiel“, hatte gerade der Ex-Großaspacher vor der Pause zu kämpfen gehabt. Er steigerte sich, wie viele andere in der Mannschaft auch. Nach dem Wechsel verlor Kiel seine Linie, weil die Preußen den „Störchen“ nun auf die Beine stiegen. Endlich, durfte man feststellen, agierte die Gastgeber auf Drittliga-Niveau, Torchancen gab es aber kaum noch. Das reichte am Ende zum Punktgewinn. Immerhin, mit etwas „breiterer Brust“ geht es deshalb am Samstag zu Fortuna Köln. Der Patient Preußen Münster atmet noch.

SCP-Gegner Köln bezwingt Lotte

Am kommenden Samstag (14 Uhr) gastiert der SCP bei Fortuna Köln. Es gilt zum einen die eklatante Auswärtsschwäche mit sechs Niederlagen in sechs Partien zu beenden. Doch zum anderen schaffte Köln am diesem Spieltag das, was den Preußen zuletzt versagt blieb: Das Team von Trainer Uwe Koschinat gewann durch das fünfte Saisontor von Hamdi Dahmani mit 1:0 bei Aufsteiger SF Lotte.

Spiele zwischen Preußen Münster und Fortuna Köln gab es in 38 Punktpartien und einer DFB-Pokal-Partie seit 1967. Bei 19 Partien im Südstadion gewann der SCP sechs Mal und erreichte fünf Unentschieden. Der letzte Sieg liegt weit zurück, am 15. September 2001 gewannen die Preußen vor 500 Zuschauern, unter anderem trafen Marek Lesniak (2) und Stephan Küsters.

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