Fußball: 3. Liga
Preußen-Fans treiben an anstatt zu schimpfen

Münster -

Es gab schon bessere Zeiten als derzeit für Preußen Münster, das Schlusslicht der 3. Liga. Und es gab trotzdem schon schlechtere Phasen im Verhältnis zwischen Fans auf der einen und Verantwortlichen oder Profis auf der anderen Seite.

Montag, 31.10.2016, 00:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2016, 17:06 Uhr
Zwei, die antreiben: Sebastian Mai geht zu Boden, Benjamin Schwarz (l.) fordert Elfmeter – und kriegt ihn.
Zwei, die antreiben: Sebastian Mai geht zu Boden, Benjamin Schwarz (l.) fordert Elfmeter – und kriegt ihn. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Botschaft in der Ostkurve vor dem Anpfiff gegen Kiel war deutlich. „Malochen“, „Beißen“, „Grätschen“ – das waren drei von knapp 20 Schlagworten, die die Fans dort den Preußen-Spielern auf weißen Bannern entgegenhielten. Im Vordergrund stand „Abstiegskampf – begriffen?!“ Auch nach dem 1:1 hielten sich die Profis lange vor den Blöcken der Ultras auf, diskutierten dort.

„Sie haben uns Mut zugesprochen, gesagt, dass die zweite Halbzeit gut war“, erzählte Innenverteidiger Sebastian Mai , der in einer weiter verunsicherten Truppe nach einem Bank-Intermezzo in Frankfurt in den vergangenen Wochen mehrere Schritte nach vorn gemacht hat. „Aber sie haben auch gesagt, dass die erste Hälfte unter aller Sau war. Und das sehen wir ja auch so. Es tut auf jeden Fall gut, mit den Fans zu sprechen.“

Andernorts gibt es derzeit weitaus größere Proteste, wenn ein mit hohen Ansprüchen gestarteter Club in der Tabelle ganz hinten rangiert. In Münster ist es vergleichsweise ruhig unter den Anhängern. Kaum Schimpftiraden, dafür zuverlässig Anfeuerungen. Es liegt wohl auch daran, dass die handelnden Personen in den verantwortlichen Positionen erst frisch im Amt sind. Am ehesten ließe sich der Groll gegen die Spieler richten, doch die machen bei allen Defiziten nie den Eindruck, als ließen sie sich hängen.

Trainer Benno Möhlmann, seit zwei Wochen im Amt, ist nach wie vor auf der Suche nach einer Stammformation, nach Stabilität und Kompaktheit. Ein erster Schritt, um mehr Robustheit in die neuralgischen Stellen vor der Abwehr zu bringen, war nun die Versetzung von Kämpfernatur Benjamin Schwarz auf die Sechs. Michele Rizzi lief diesmal eine Position weiter vorne auf. Dem Ex-Kapitän gelingt längst noch nicht alles, doch er wirft sich vorbildlich in die Eins-gegen-Eins-Duelle, attackiert leidenschaftlich und macht die langen Wege mit zurück. Trotz allem sind Laufbereitschaft und Zweikampfhärte im Zentrum noch verbesserungswürdig. Möhlmanns Hoffnung auf eine bessere Physis gilt auch für diesen Bereich.

Für Schwarz gab hinten links Jeron Al-Hazaimeh sein Comeback. Der 24-Jährige hat, wie Rizzi, noch keine Selbstverständlichkeit in seinen Aktionen, wirkt aber gefestigter. „Ich glaube, ich hatte nach vorn eine solide zweite Hälfte. Als Team war das eine Steigerung zum 0:1 in Lotte. Aber klar ist auch: Wer in der Tabelle ganz unten steht, muss Heimspiele gewinnen.“ Die Fans werden nicht widersprechen.

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