Fußball: 3. Liga
Schwarz trifft in Köln – und die Preußen sehen wieder Licht

Köln -

Der Auswärtsfluch ist behoben. Erstmals in dieser Saison holte Preußen Münster in der Fremde Punkte, am Ende waren es gar drei beim 1:0 in Köln. Benjamin Schwarz war der Mann des Tages, der nicht nur traf, sondern auch unermüdlich rackerte.

Sonntag, 06.11.2016, 00:00 Uhr aktualisiert: 06.11.2016, 19:57 Uhr
Nach dem späten Siegtor: Benjamin Schwarz jubelt, Danilo Wiebe (links) kann ihn erst spät einbremsen – beide harmonierten als Sechser.
Nach dem späten Siegtor: Benjamin Schwarz jubelt, Danilo Wiebe (links) kann ihn erst spät einbremsen – beide harmonierten als Sechser. Foto: Jürgen Peperhowe

Als Benjamin Schwarz abdrehte, ein paar Meter seinen Teamkollegen wegsprintete und dann auf Knien jubelnd über den Rasen des Kölner Südstadions rutschte, da wusste auch der Letzte, welch enormer Ballast von den Preußen da abfiel. Plumps. Ein Tor, für den Augenblick war das wie eine Erlösung. Trainer Benno Möhlmann rempelte nach Spielende grinsend ein paar Journalisten in der Mixed-Zone an, so was wie halbstarke Partystimmung machte sich breit, weil so lange auf ein Erfolgserlebnis in der Fremde gewartet worden war, weil ein Sieg wie schnelle Wundheilung bei den Adlerträgern wirkte. Dieser 1:0 (0:0)-Erfolg bei Fortuna Köln glättete einige der vielen sportlichen Narben beim SC Preußen Münster, die sich das Team in den ersten 13 Spieltagen zuhauf selbst verpasst hatte.

In die Schwarzmalerei rund um den SCP wurden ein paar Farbkleckse gesprenkelt. „Nichts ist erreicht“, dimmte Torschütze Schwarz gleich mal das Licht am Ende des Tunnels. Saisonübergreifend hatte der SCP sieben Punktpartien verloren, war letztlich auf den letzten Rang abgerutscht, doch der Sieg von Köln soll nun ein Fanal im Abstiegskampf sein. Der Routinier Schwarz steht stellvertretend für die ersten wesentlichen Kurskorrekturen unter dem neuen Coach Benno Möhlmann. Schwarz als defensiver Abräumer in der Mittelfeldzentrale brachte dieser Mannschaft lange vermisste Stabilität und Aggressivität. Erstmals seit vielen Wochen lieferte der SCP 90 Minuten lang konzentrierte Zweikämpfe und viel Laufarbeit über den gesamten Platz ab, ließ nicht nach. Was auch an Danilo Wiebe lag, der den angeschlagenen Amaury Bischoff (Adduktorenprobleme) vertrat.

Bestehen kann man in der ausgeglichenen 3. Liga nur mit einer stabilen Mitte, also extrem zuverlässigen und fehlerfreien Innenverteidigern und ebenso aggressiven und verbissenen zentralen Mittelfeldspielern. Schwarz, Wiebe sowie die Abwehrrecken Ole Kittner und Sebastian Mai lieferten. Es war der Schlüssel und die wichtigste Erkenntnis der kurzen Ära Möhlmann, dass das verbessert werden konnte.

Denn spielerisch gab Köln gegen Münster nicht ganz so viel her. Der Gast hatte durch Jesse Weißenfels (4.), Jeron Al-Hazaimeh (9.) und Danilo Wiebe (17.) zumindest Chancen, während die Hausherren durch Hamdi Dahmani erst in der 45. Minute erstmals auf das Tor schossen. Münster verhinderte alles, was Köln sich so vorgenommen hatte, und setzte zumindest ein paar Nadelstiche. Das Rezept bewährte sich. Aber auch Möhlmann wollte im Moment des Erfolgs nicht alles rosig sehen: „Nach vorne muss das noch deutlich mehr werden. Ein Punkt hätte mir auch gereicht.“

Die zweite Halbzeit lebte von der Spannung, vielleicht auch, weil die Kölner jetzt etwas offensiver wurden. Doch das Chancen-Defizit blieb auf beiden Seiten. Und eigentlich verdiente sich der SCP am Ende den Sieg, weil er mehr Zweikämpfe gewann, weil er weiterhin kaum eine Angriffsszene zuließ und weil Schwarz von halblinks aus zehn Metern zum 1:0 traf. Sinan Tekerci (82.) und Tobias Warschewski (87.) hätten bei Kontern noch ein zweites Tor besorgen können. Doch es reichte auch so, Fortuna fiel nichts mehr ein. Der Auswärtsfluch ist besiegt, die Preußen haben sich noch lange nicht dem Schicksal des Abstiegskampfes ergeben. 

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