Fußball: 3. Liga
Preußen-Verteidiger Kittner im Interview: „Auch die Fans zerreißen sich“

Münster -

Von einem Märchen möchte Ole Kittner nicht sprechen. Dafür ist die sportliche Lage beim Tabellenletzten SC Preußen zu angespannt. Doch nach fast vier Jahren Wettkampfpause stieg der gebürtige Münsteraner in seiner Heimatstadt wieder ins Drittligageschäft ein und trägt inzwischen sogar die Kapitänsbinde.

Donnerstag, 10.11.2016, 18:31 Uhr aktualisiert: 10.11.2016, 20:43 Uhr
Ole Kittner (r.) bildet mit Sebastian Mai eine funktionierende Innenverteidigung beim SCP – auch neben dem Platz hat er etwas zu sagen.
Ole Kittner (r.) bildet mit Sebastian Mai eine funktionierende Innenverteidigung beim SCP – auch neben dem Platz hat er etwas zu sagen. Foto: Markella Moraki

Im August war Ole Kittner noch vereinslos, drei Monate später hat er bereits drei Mal die Kapitänsbinde beim SC Preußen getragen. Der 29-Jährige, ausgebildet beim SC Münster 08, ist ein echtes Kind der Stadt. Mit unserem Redaktionsmitglied Thomas Rellmann sprach er über seinen „Heimvorteil“, den Abstiegskampf und Vorzüge eines neuen Stadions.

Können Sie es genießen, vor Freunden und Familie zu spielen – oder lässt die Tabelle das nicht zu?

Kittner: Teils, teils. Wegen der speziellen Situation ist die Anspannung vor jeder Partie so groß, dass ich alles ausblende. Der Fokus liegt nur auf Fußball. Aber nachher ist es ein schönes Gefühl, die vielen bekannten Gesichter im Stadion zu sehen. Ein paar Jungs haben sogar beim Training zugeschaut.

Wie sehr haben Sie die Preußen eigentlich in den letzten Jahren verfolgt?

Kittner: Ich wusste tabellarisch immer Bescheid. Zu meinem ehemaligen Sandhäuser Kollegen Marco Pischorn hatte ich immer Kontakt – und darüber auch zu einigen Spielern wie Daniel Masuch, als ich nach dem zweiten Kreuzbandriss nach Münster zurückgezogen bin. Ich wusste, was abgeht, war mit dem Kopf aber natürlich immer anderswo.

Und ausgerechnet Pischorns Stelle in der Abwehr haben Sie jetzt ...

Kittner: Aber er war einer der ersten, die mir per SMS gratuliert haben. Ich glaube, er fühlt sich in seiner Heimat jetzt auch wohl mit seinen drei Kindern.

Fortuna Köln - SC Preußen Münster

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  • Mangafic gegen Cimo Röcker

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Preußen-Trainer Benno Möhlmann

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Preußen-Trainer Benno Möhlmann

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  • Rizzi gegen Cimo Röcker

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  • Tritz

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  • Kittner zu spät gegen Poggenborg

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  • Schwarz vor Markus Pazurek

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  • Weißenfels gegen Flottmann

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  • Rizzi gegen Markus Pazurek

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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  • Mannschaft in der Fankurve

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  • Rühle gegen Ebewa Mimbala

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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  • Jubel nach Spielschluss

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  • Kara gegen  Andre Poggenborg

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  • Wiebe gegen Hamdi Dahmani

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  • Rühle

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  • Tor und Torjubel durch Benjamin Schwarz

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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  • Tor und Torjubel durch Benjamin Schwarz

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  • Tor und Torjubel durch Benjamin Schwarz

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  • Jubel nach Abpfiff

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  • Möhlmann und Grimaldi

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  • Mannschaft in der Fankurve

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  • Mannschaft in der Fankurve

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  • Rühle gegen Ebewa Mimbala

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  • Mannschaft in der Fankurve

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  • Ole Kittner

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  • Benjamin Schwarz

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  • Kara und Schwarz gegen Michael Kessel

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  • Benjamin Schwarz traf zum 1:0.

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Wie kam es, dass Sie vor drei Wochen als letzter Neuzugang gleich Vize-Kapitän wurden?

Kittner: Es fiel mir leicht, Anschluss zu finden. Ich habe versucht, offen zu sein, aber mich auch nicht in den Vordergrund gedrängt, sondern nur viel Zeit mit den Kollegen verbracht. Vielleicht hat es meine Integration beschleunigt, dass ich nur drei Wochen später dazukam als andere Neue. Da war der Kennenlernprozess noch nicht abgeschlossen.

Solange Adriano Grimaldi verletzt ist, tragen Sie die Binde. Neuland für Sie?

Kittner: Bei der TuS Koblenz war ich mal dritter Mann – also bin ich nun einen nach vorne gerutscht. Ich versuche nur vorzuleben, was ich selbst von meinen Mitspielern erwarte. Ich bin nicht in herausgehobener Position, sondern mittendrin. Aber klar, manchmal muss man auch ein paar Dinge ansprechen.

Sind Sie nach fast vier Jahren Wettkampfpause nun bei 100 Prozent?

Kittner: Ich bin zumindest jetzt froh, relativ schnell das alte Niveau gefunden zu haben. An die tägliche Arbeit im Training und den Wochenrhythmus musste ich mich anpassen. Aber selbst die schwachen Partien haben mir geholfen, weil keine Einheit ein Pflichtspiel ersetzt. Und dass in Köln beim 1:0 André Poggenborg als Torhüter in der letzten Minute vorne auftaucht, lässt sich im Training nie simulieren.

Sind Sie fündig geworden bei der Suche nach Gründen für die lange Krise?

Kittner: Nicht richtig. In der Kabine waren wir oft selbst sauer auf uns. Aber die Einstellung passte immer. Mit dieser Situation hatte ja keiner gerechnet, es ging alles sehr schnell. Unser neuer Trainer Benno Möhlmann hat zum Glück so viel Erfahrung, dass er uns das Gefühl gibt, dass wir die richtigen Dinge anpacken.

SC Preußen Münster - Holstein Kiel

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  • Um 14 Uhr am Samstagnachmittag war Anstoß im Preußenstadion. Der SCP empfing Holstein Kiel. Zugleich war dies das erste Heimspiel des neuen Trainers Benno Möhlmann - er wollte einen Sieg landen.

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  • Turbulenter Auftakt bei der Partie SC Preußen Münster gegen Holstein Kiel. Über 6000 Zuschauer waren ins Preußenstadion an Hammer Straße geströmt.

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  • SCP-Coach Benno Möhlmann wacht am Spielfeldrand über das Geschehen.

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  • Amaury Bischoff nach seinem verschossenen Elfmeter.

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  • Kiels Torhüter Kenneth Kronholm hält den Elfmeter von Bischoff.

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  • Tor durch Manuel Janzer zum 1:0 gegen Max Schulze Niehues.

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  • Weitere Impressionen des Spiels...

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Ist der Eindruck zutreffend, dass der passende Umgang mit dem Abstiegskampf jetzt da ist?

Kittner: Keiner spielt Fußball, um nur zu zerstören. Aber eine stabile Defensive ist die Grundlage für alles. Wenn die da ist, kann man auch mehr Risiko nach vorne gehen. Aber ich bin als Verteidiger vielleicht befangen. Trotzdem muss man in der Krise die Anforderungen anpassen und andere Werkzeuge anwenden.

In Köln war nicht nur der Auftritt der Mannschaft leidenschaftlich, sondern auch der der vielen Fans.

Kittner: Ja, absolut bemerkenswert. Sie können offenbar gut einordnen, was wichtig ist. Und diese Basics dürfen sie auch immer einfordern. Zuletzt haben sie uns oft gesagt, dass in dieser Situation genau die Eigenschaften abgerufen werden müssen, die wir zeigen.

Haben Sie als Münsteraner einen besonderen Bezug zu den Anhängern?

Kittner: Ich gehe wie alle anderen in die Kurve, kenne dort aber nicht jeden persönlich. Wie wir derzeit unterstützt werden, ist nicht selbstverständlich. Offenbar zerreißen sich auch die Fans im Abstiegskampf. Münster hat eine gute Fußballkultur. Und das ist doch positiv.

Die ganze Stadt spricht im Moment über das Stadionprojekt. Ist das auch Thema für die Mannschaft?

Kittner: Wir verfolgen es aus der Ferne. Als Spieler würde ich mich damit nicht beschäftigen. Aber als Münsteraner habe ich natürlich eine Meinung.

Und die lautet?

Kittner: Ein neues Stadion wäre ein Segen für Münster. Es ist in den vergangenen Jahren so viel entstanden in der Stadt. Am Hafen, am Aasee ... Aber in eine neue Arena kämen alle, vom Chefarzt bis zum Fließbandarbeiter. Das kann ein Theater beispielsweise nicht bieten. Im Stadion entsteht so etwas wie eine Subkultur, besser geht es doch nicht. Aber natürlich müssen wir zurzeit vor allem die sportlichen Dinge in die Wege leiten.

Gut, dann zurück zum Abstiegskampf. Was spricht für Preußen?

Kittner: Köln war nur ein erster Schritt. Wir dürfen uns nicht zu viel aus der Vergangenheit aufladen und nicht zu weit in die Zukunft sehen. Dann kommen wir da unten raus. Aber erst mal ist jetzt auch Pokal angesagt.

Und zwar gegen den SuS Neuenkirchen...

Kittner: Da spielt mein Kumpel Nico Haverkamp. Der ist jetzt wieder fit. Ich freue mich sehr darauf.

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