Fußball: Westfalenpokal
Warschewski erlöst Preußen gegen Neuenkirchen

Münster -

Eine Runde weiter. Das ist die einzig wahre Erkenntnis nach dem 2:1-Erfolg des Fußball-Drittligisten SC Preußen Münster gegen den Oberligisten SuS Neuenkirchen. Mit Ruhm bekleckerte sich der Favorit allerdings wahrlich nicht.

Sonntag, 13.11.2016, 16:02 Uhr aktualisiert: 13.11.2016, 20:01 Uhr
Mann des Spiels: Tobias Warschewski (links) traf doppelt für die Preußen und wird zum 2:0 von Edisson Jordanov beglückwünscht.
Mann des Spiels: Tobias Warschewski (links) traf doppelt für die Preußen und wird zum 2:0 von Edisson Jordanov beglückwünscht. Foto: Jürgen Peperhowe

Die erste Schelte, trotz des Weiterkommens, gab es noch auf dem Feld. Während sich vor Block F der Preußen-Tribüne die Verlierer des SuS Neuenkirchen feiern ließen, sagte Benno Möhlmann seinen siegreichen Preußen mal klipp und klar die Meinung. Ja, war gut, dass Tobias Warschewski mit einem Doppelpack (24./63.) die durchaus verdiente 2:0-Führung herausgeschossen hatte. Nein, war nicht gut, wie der SCP danach in Überzahl viel zu häufig nur die Fersen der Gegenspieler sah. „Wenn ich die letzte halbe Stunde sehe , dann müssen wir hier noch einmal richtig anfangen. Denn das ist nicht das, was ich von der Mannschaft erwarte“, sagte der 62 Jahre alte Chefcoach des Fußball-Drittligisten. Beim Gast hatte Moritz Uphoff (43.) die Rote Karte nach einer Notbremse gegen Tobias Rühlegesehen, Nicolas Haverkamp (89.) traf per Foulelfmeter zum 1:2. Das Gesamtpaket gefiel Möhlmann gar nicht.

Natürlich hätte er den Mantel des Schweigens über die Partie fallen lassen können, weil das Viertelfinale gegen Regionalligist SV Rödinghausen im perspektivisch lukrativen Pokalgeschäft erreicht war. Aber leider ritt St. Martin nicht mehr durchs Stadion und gab ausreichend Laken dafür her. Der gute Mann hatte seinen Job als Stoffverteiler bereits am Freitag erledigt, passend zum Namenstag. Und Christian, der Gesalbte, hatte am Spieltag seinen Namenstag, griff auch nicht ein ins Geschehen. Keine Hilfe von oben für die Preußen.

Die Fakten zum Spiel

SCP: Drewes - Tritz, Schweers, Mai, Al-Hazaimeh - Rühle, Rizzi (46. Bischoff), Wiebe, Tekerci (61. Jordanov) - Warschewski, Stoll (78. Özkara). - Trainer: Möhlmann.

Tore: 1:0 Warschewski (24., Vorarbeit Tritz), 2:0 Warschewski (63., Vorarbeit Bischoff), 2:1 Haverkampf (89., Foulelfmeter, Drewes an Schütte). - Zuschauer: 1564. - Schiedsirchter: Stor (Aerzen). - Rote Karte: Neuenkirchens Uphoff (42.) nach einer Notbremse. - Bes. Vorkommnis: Neuenkirchens Trainer Tobias Wehmschulte (90.+2) auf die Tribüne verwiesen. - Gelb: Al-Hazaimeh / Haverkamp, Holtmann.

 

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Möhlmann reichte das pure Weiterkommen nicht, auch nicht gut eine Stunde Dominanz über den zwei Klassen tiefer angesiedelten Gast. Der Oberligist agierte in Unterzahl verbissen an der Leistungsgrenze, Münsters Profitruppe dagegen bevorzugte den Schlendrian-Modus. Und, so der Übungsleiter: „Neuenkirchen wollte den Sieg mehr als wir. Mir fehlte bei uns das Gewinnen-Wollen, das Tore-machen-Wollen. Dazu muss man bereit sein, diese Bereitschaft sehe ich nicht immer bei uns.“

Der 62-Jährige lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Mission in Münster mit dem Klassenerhalt erfolgreich erfüllen wird. Aber die Partie gegen Neuenkirchen war sechs Tage vor der eminent wichtigen Heimpartie gegen RW Erfurt (Freitag, 19 Uhr) am Ende ein Rückschritt. Möhlmann: „Gelaufen sind die Spieler, ja, nur am Ende sind sie zu oft hinterhergelaufen.“

Dabei hätte alles so einfach sein können, nachdem Tobias Warschewski eine Flanke von Stéphane Tritz nach 24 Minuten zum 1:0 galant eingeköpft hatte. Doch den Preußen fehlte, bei allem Respekt vor einem wackeren Fünftligisten, der Punch, die Durchschlagskraft. Leichtfertig fand das der Trainer phasenweise. Dann war das Feld noch besser bestellt, weil Neuenkirchen in Unterzahl war. Moritz Uphoff hatte das Laufduell gegen Tobias Rühle nicht gewinnen können – eine Notbremse an der Strafraumgrenze führte zur Roten Karte. Und als Warschewski abgezockt nach 63 Minuten und Pass von Amaury Bischoff das 2:0 markierte, war das Beste der Preußen damit erreicht. Danach lief beim SCP nicht mehr viel zusammen, das war in der letzten halben Stunde eine ganz schwache und vor allem kraftlose Vorstellung.

„Ja, wir haben das ein bisschen spannend gemacht. Wir waren nicht entschlossen genug“, sagte Warschewski später. Seine Quote in dieser Saison ist beeindruckend mit zehn Toren in 13 Pflichtpartien. Der 18-Jährige traf einmal in der 3. Liga (sechs Kurzeinsätze mit 169 Minuten), fünf Mal in zwei Westfalenpokal-Partien und fügte vier Treffer in fünf Einsätzen in der A-Junioren-Bundesliga hinzu. Warschewski ist ein Rohdiamant, sein Vertrag läuft bis 2018, und er ist auf dem besten Weg, eine echte Alternative zum derzeit angeschlagenen Mittelstürmer Adriano Grimaldi zu werden. Es gibt also doch auch gute Kunde beim SC Preußen.

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