Fußball: 3. Liga
Preußen-Präsident Christoph Strässer im Interview: „Ein bisschen wütend“

Münster -

Preußen-Präsident Christoph Strässer hat im Haushalt zu tun. Im Bundeshaushalt und in Berlin. Weit weg von Münster, wo die ordnende Hand des Preußen-Präsidenten aktuell zu fehlen scheint – und das Preußen-Schiff führungslos auf Schlingerkurs unterwegs ist. Jetzt spricht er im Interview.

Mittwoch, 23.11.2016, 08:00 Uhr aktualisiert: 23.11.2016, 08:48 Uhr
Preußen-Fan seit Jahrzehnten, seit sechs Wochen auch Präsident des SCP. Christoph Strässer hier auf der Tribüne, zurzeit bei den Haushaltsberatungen in Berlin.
Preußen-Fan seit Jahrzehnten, seit sechs Wochen auch Präsident des SCP. Christoph Strässer hier auf der Tribüne, zurzeit bei den Haushaltsberatungen in Berlin. Foto: Jürgen Peperhowe

Es ist Haushaltswoche im Bundestag – und das bisschen Haushalt erledigt sich leider nicht eben so nebenbei. Der Bundestagsabgeordnete Christoph Strässer hat in Berlin alle Hände voll zu tun und einen engen Terminkalender. Gleichzeitig ist allerdings auch der neue Preußen-Präsident Christoph Strässer extrem gefordert. Denn auch beim Drittligisten muss der Haushalt geprüft und müssen die Mitarbeiter auf Kurs gehalten werden. Das klappte zuletzt gar nicht mehr, wie er aus der Ferne und durchaus mit Missfallen zur Kenntnis nahm. Am Donnerstag reist er von Berlin zur Präsidiumssitzung nach Münster , am Freitag geht es zurück in die Hauptstadt zur finalen Abstimmung. Zwischen den Sitzungen nahm sich Strässer Zeit für ein kurzes Gespräch mit Redakteur Ansgar Griebel.

Im Oktober hat sich das neue Führungsteam mit großen Zielen vorgestellt. Sechs Wochen später droht die Wandergruppe bereits auseinanderzufallen. Haben Sie einen derart holprigen Start ins Amt erwartet?

Strässer: Natürlich nicht. Es war ja genau das Gegenteil geplant. Wir sind doch angetreten, um gemeinsam diese große Herausforderung anzugehen.

Der Wechsel von Vorstand und Aufsichtsrat ging vergleichsweise schnell. Fehlte da auch die nötige Zeit, sich abzustimmen?

Strässer: Ursprünglich war der Wechsel im Dezember geplant. Dann ist aber alles viel schneller gegangen. Aber wir wollten dennoch unsere auch in Teilen unterschiedlichen Vorstellungen zusammenbringen und zum Wohle des Vereins Preußen Münster vorantreiben.

Das ist die Führungsmannschaft des SCP

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  • Neues Führungsduo im Preußen-Präsidium: SPD-Politiker Christoph Strässer (l.) und Unternehmer Walther Seinsch.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Aus der alten Führungsriege - v.l.: Carsten Gockel (Sportvorstand), Uwe Landheer (Vorstand Liegenschaften), Georg Krimphove (Präsident), Siggi Höing (Vorstand, Sponsoren), Thomas Bäumer (Aufsichtsratschef) und Mike Schmitz (Vorstand Finanzen) - sind nur zwei Personen übrig geblieben:

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Siggi Höing, der weiterhin für Sponsoren zuständig ist und...

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ...Carsten Gockel, der den Vorstand allerdings verlässt und nur noch als Geschäftsführer arbeiten wird.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Christoph Strässer führt künftig das Preußen-Präsidium.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Unternehmer Walther Seinsch ist jetzt neu im Vorstand und zuständig fürs Sportliche und das Stadionprojekt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der bisherige Jugendkoordinator Bernd Niewöhner rückt in den Vorstand auf und kümmert sich weiter um den Nachwuchsbereich.

    Foto: Wilfried Hiegemann
  • Außerdem neu im Vorstand: Martin Jostmeier (2.v.l.), stellvertretender Geschäftsführer des Handwerkerbildungszentrums, ist zuständig für Finanzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Roberg hatte nur eine kurze Amtszeit als Preußen-Aufsichtsrats-Chef. Am 20. November 2016 kündigte der Unternehmer aus Münster seinen Rücktritt an.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stellvertreter ist weiter Michael Klein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Prominenter Neuzugang im Aufsichtsrat: Ex-Profi und -Nationalspieler Christoph Metzelder. Er soll in allen sportlichen Angelegenheiten beraten.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Um das gleiche Feld soll sich auch Jochen Terhaar kümmern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Diese zehn Männer bilden am 14. Oktober den neuen Aufsichtsrat der Preußen: (v.l.) Marc Zahlmann, Jürgen Becker (neu, Steuerberater), Frank Rheinboldt, Fabian Roberg, Michael Klein, Frank Westermann (neu, Anwalt), Wilhelm Schwellenbach, Christoph Metzelder (neu), Jochen Terhaar (neu) und Werner Bisplinghoff.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Die neue Führungsriege hat hohe Ziele.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Am Samstag hat Aufsichtsratschef Fabian Roberg angekündigt, bei der bevorstehenden Jahreshauptversammlung seine Preußen-Karriere schon wieder zu beenden. Haben Sie das absehen können?

Strässer: Absolut nicht. Das hat mich komplett überrascht. Wir hatten am vergangenen Donnerstag noch eine Sitzung – und das war aus meiner Sicht die beste und konstruktivste bisher überhaupt. Bei der Aufsichtsratssitzung am folgenden Samstag war ich dann nicht dabei, da muss irgendetwas vorgefallen sein, was Herrn Roberg dann zu diesem Entschluss getrieben hat. Als er mich in Kenntnis gesetzt hat, wurde fast zeitgleich die Öffentlichkeit informiert – und das Kind war in den Brunnen gefallen.

Es ist aktuell nicht leicht, die Position des SC Preußen darzustellen. Die von Fabian Roberg zumindest scheint nicht die von Walther Seinsch zu sein. Wo steht da der Präsident?

Strässer: Wir haben am kommenden Donnerstag unsere nächste sehr wichtige Sitzung, da werde ich mich ausführlich äußern. Bis dahin bitte ich um Geduld. Die Fehler, die wir zuletzt gemacht haben in unserer öffentlichen Darstellung müssen jetzt aufhören. Wir hatten uns im Vorfeld über unsere Präsentation nach außen verständigt und alle hatten zugestimmt ...

... aber dann doch anders gehandelt.

Strässer: Na ja, diplomatisch war das alles nicht. Ich würde es vorsichtig so formulieren: Wie wir uns zuletzt präsentiert haben, war suboptimal.

Wie viel Porzellan wurde in dieser Woche zerbrochen – und was davon kann wieder repariert werden?

Strässer: Als Politiker weiß ich, wie man sich äußert, wenn man möglicherweise noch einmal aufeinander zugehen will. Niemand sollte in einer solchen Situation sagen: „Mit dem nicht“ – ein bisschen wütend macht mich das alles schon. Aber ich will hier keine Schuldzuweisungen machen.

Wie läuft die Kommunikation der Entscheider untereinander? Walther Seinsch hält sich ja weitgehend zurück in der Öffentlichkeit.

Strässer: (lacht) In den meisten Fällen kann ich ihn schon erreichen. Aber eigentlich ist das Präsidentenamt ein Fulltimejob, der nicht aus der Ferne zu erledigen ist, das macht es nicht einfacher. Aber ich habe im Vorfeld klargestellt, dass ich mein politisches Mandat nicht niederlegen werde. Wenn das nicht reicht ...

Sie haben Ihr Amt angetreten, als der Verein in einer handfesten sportlichen Krise steckte. Aktuell werden die negativen Schlagzeilen abseits des Platzes geschrieben. Wie froh sind Sie, dass das Team jetzt positive Nachrichten dagegensetzen können?

Strässer: Sehr. Ich freue mich, dass wir mit Benno Möhlmann die richtige Entscheidung getroffen haben.

Wie muss es weitergehen?

Strässer: An dieser Stelle kann und will ich die Politik nicht außen vor lassen: Das ist wirklich eine Posse, dass die Stadt seit 2002 vorgibt, einen Standort für das neue Stadion vorzuhalten , aber in den letzten 14 Jahren offensichtlich nichts getan hat, was die Eigentumsverhältnisse angeht. Und jetzt auch noch so tut, als sei das völlig überraschend ...

Aber die Gräben ziehen sich offensichtlich bis in die Vereinsführung ...

Strässer: Unser Ziel ist es, gemeinsam für den SC Preußen zu arbeiten. Dazu müssen wir uns disziplinieren. Es kann und darf nicht sein, dass permanent übereinander gequatscht statt miteinander gesprochen wird.

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