Das Talent zu schwächeln
Der SCP lässt die großen Chancen an sich vorbeiziehen

Münster -

Der SC Preußen besitzt das Talent, immer dann zu schwächeln, wenn im deutschen Ligafußball entscheidende Weichenstellungen erfolgen. Beginnend mit der Einführung der Bundesliga 1963, bei der Münster zwar berücksichtigt wird, den Kredit aber prompt verspielt.

Samstag, 26.11.2016, 09:00 Uhr
Aufstiegsheld 1989: Helmut Horst
Aufstiegsheld 1989: Helmut Horst Foto: Jürgen Peperhowe

Die Preußen steigen nach nur einer Saison wieder ab und kehren nie wieder zurück. In der einzigen Erstliga-Saison strömen im Schnitt 21.700 zur Hammer Straße. In der Zuschauertabelle ist dies Platz elf – knapp hinter dem Tabellenvierten Borussia Dortmund und noch vor Schalke 04 und Werder Bremen.

In der folgenden Saison 1964/65 möchten dann nur noch 7500 den Regionalligisten sehen, also fast zwei Drittel weniger. Da die Zuschauereinnahmen noch eine große Rolle spielen, hat dies erhebliche Konsequenzen auf die finanzielle Situation des Clubs, der sich den Wiederaufstieg bald abschminken kann.

Was die Attraktivität betrifft, so herrscht zwischen der Bundesliga und der fünfgleisigen Regionalliga eine viel größere Kluft als heute zwischen den beiden höchsten Klassen. Aber Münster hat noch ein zusätzliches Problem, an dem sich bis heute nichts geändert hat: eine extrem launische Anhängerschaft. In Münster gehen viele Fans nur ins Stadion, wenn es steil nach oben geht. Oder aber eine Entscheidungsschlacht um den Klassenerhalt ansteht. Dies hat wohl auch damit zu tun, dass viele Fans aus dem Umland kommen.

Für die heutige Situation entscheidender ist aber Preußens Abstieg aus der 2. Bundesliga 1990/91. Denn er fällt in die Anfangsphase des sogenannten Fußballbooms. Der Sport wird nun so gesellschaftsfähig wie noch nie zuvor. Er boomt nun auch in einer Stadt wie Freiburg, die Münster ähnlich ist: viele Studenten, viele Beamten, dazu ein starkes „grünes“ Milieu.

Beim SC Preußen begreift dies allerdings nur die Marketingabteilung ( Thomas Röttgermann ). 1989/90 steigen die Preußen in die 2. Bundesliga auf. Zwei Jahre später sind sie aber schon wieder weg vom Fenster – und von den Fleischtöpfen. Als Absteiger verzeichnet der Verein einen Zuschauerschnitt von 8400 – nur die beiden Erstplatzierten Schalke 04 und MSV Duisburg mobilisieren in dieser Spielzeit noch besser. Der SC Freiburg begrüßt als Tabellenneunter nur 4400.

1992/93 werden die Breisgauer Meister. Der Zuschauerschnitt entspricht mit 8660 in etwa dem der Preußen in der Abstiegssaison. Der Sportclub steigt mit einem Stadion auf, das nicht weniger marode ist als die Hammer Straße. Die Mannschaft muss anfangs auf dem Ascheplatz vor dem Stadion trainieren.

Aber in Freiburg sind Menschen am Ruder, die ein Konzept besitzen. Man schaut sich etwa in Auxerre um und baut eine Nachwuchsakademie auf. Freiburg beweist, dass man heute hochklassigen Fußballer an jedem Ort der Welt inszenieren kann. Nur in Münster, das eigentlich bessere Voraussetzungen als hatte, scheint dies schwierig zu sein.


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