Fußball: 3. Liga
Preußen verlieren mit 0:1 – am Anfang wie am Ende der Saison

Münster -

Gegen den VfL Osnabrück startete der SC Preußen mit einer 0:1-Heimniedelage in die Saison. Gegen den SSV Jahn Regensburg stieg das Team von Trainer Benno Möhlmann aus der Saison in der 3. Liga aus. Einer wurde am Ende aber zum Buhmann der meisten der 7008 Zuschauern.

Sonntag, 21.05.2017, 17:47 Uhr
Voller Einsatz: Sebastian Mai (links) im Zweikampf mit dem Regensburger Marco Grüttner.
Voller Einsatz: Sebastian Mai (links) im Zweikampf mit dem Regensburger Marco Grüttner. Foto: Jürgen Peperhowe

Dann kochten die Gemüter noch einmal über. Es waren die allerletzten Minuten der Saison 2016/17, als die meisten der 7008 Zuschauer im Preußenstadion mit zwei Entscheidungen von Schiedsrichter Sascha Stegemann (Niederkassel) auf Kriegsfuß standen. Wäre es nach ihrem Willen gegangen, wäre der Fußball-Drittligist aus Münster nicht mit leeren Händen vom Feld geschlendert. Aber am Ende stand es 0:1 (0:0) für SSV Jahn Regensburg. Noch so ein unfassbar starker Aufsteiger, der die Spielzeit damit als Dritter beendete und nun in der Relegation um den Zweitliga-Aufstieg gegen den TSV 1860 München antreten wird. Das ist eine Art Meisterstück von Jahn-Chefcoach Heiko Herrlich.

Denn hätten die Gäste nicht in Münster gewonnen, wäre dem 1. FC Magdeburg der postsaisonale Bonus vergönnt gewesen. Der FCM bezwang SF Lotte mit 2:0 und stand bereit für die Relegation. Aber Referee Stegemann lag zumindest mit dem Handelfmeter nach 83 Minuten richtig, weil Marcel Hofrath Münsters Verteidiger Stephane Tritz anschoss und der Ball vom Oberschenkel an den im Regelwerk als vergrößerte Körperfläche geltenden Oberarm gesprungen war. Andreas Geipl verwandelte und überwand Münsters überragenden Tormann Patrick Drewes dieses eine Mal.

Kurz vor Schluss aber, als der SCP versuchte, das Unentschieden zu erzwingen, verwehrte Stegemann einen Elfmeter. Münsters eingewechselter Philipp Hoffmann wurde im Strafraum von Hofrath von den Beinen geholt, möglicherweise auch der Ball gespielt – Stegemann stand glänzend und ließ weiterlaufen. „Der Schiedsrichter“, meinte SSV-Coach Herrlich lakonisch, „hat recht.“ Und auch Möhlmann wollte am Elfmeter nichts bekritteln und den Nicht-Pfiff nicht weiter kommentieren. Außer: „Der Schiedsrichter wirkte sehr überzeugt, dass er beides richtig entschieden hatte.“

Das bekam die Preußen-Meute nach Anpfiff auch auf dem Rasen zu hören. Alle stürmten auf den Referee zu. Auch Heiko Herrlich war baff: „Die Preußen haben gespielt, als ob es für sie um die Meisterschaft geht.“ Chapeau also, weil es in Wirklichkeit für den SCP noch allenfalls um eine schmackhafte Südfrucht ging. Sagen wir mal beispielhaft eine Ananas oder so. Verdient war der Sieg der Gäste schon, weil aus jeder Körperpore das notwendige Testosteron zu tropfen schien, was man für einen Sieg bei einem der besten Heimteams der 3. Liga und unter diesem Druck so benötigt. Benedikt Saller und Marco Grüttner trafen vor der Pause den Pfosten, mehrfach rettete Drewes zudem. Doch auch der SCP hatte in den ersten 45 Minuten gerade durch Tobias Rühle exquisite Chancen. Nicht genutzt, selber schuld, die Strafe gab es am Ende. Genau deshalb klappte der Aufsteiger, der die spritzigere Spielanlage hatte, auch nicht ein.

Also, die Saison endet, wie sie angefangen hat: Mit einer 0:1-Heimniederlage, anfangs Osnabrück, nun Regensburg. „Schade, wir hatten uns das gegen Paderborn und Regensburg anders vorgestellt“, meinte Möhlmann zum Finale, der seinen Mannen aber nach der erfüllten Mission Klassenerhalt keine Vorwürfe machte. Ist halt so, oder wie man zu sagen pflegt im Fußball: Isso.

Dass der SCP noch als Neunter mit 51 Punkten aus einer lange desaströsen Spielzeit tänzelt, von der er 20 Spieltage auf einem Abstiegsrang verbrachte, das ist am Ende beachtlich. Und beschert dem leidgeprüften Anhang einen zarten Hauch von Vorfreude, der vielleicht durch die Sommerpause hilft und auch konserviert werden sollte. Aber Sportchef Malte Metzelder brachte es auf den Punkt: „Wir sind noch mit einem blauen Auge davongekommen.“ Stimmt.

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