Fußball: 3. Liga
Preußen Münster bindet Scherder und verzichtet auf Kara

Münster -

Simon Scherder hat am 19.06. um 16 Uhr einen Termin, Mehmet Kara hat frei. Die beiden Preußen-Urgesteine gehen mit gänzlich unterschiedlichen Ansagen in die neuen Saison: Scherder will wieder in der 3. Liga spielen, für Kara bleibt die Westfalenliga.

Mittwoch, 14.06.2017, 17:17 Uhr aktualisiert: 16.06.2017, 12:45 Uhr
Mehmet Kara gilt als Musterprofi und hat sich in Münster über Jahre die Zuneigung der Fans erarbeitet – jetzt geht es ab in die Westfalenliga. 
Mehmet Kara gilt als Musterprofi und hat sich in Münster über Jahre die Zuneigung der Fans erarbeitet – jetzt geht es ab in die Westfalenliga.  Foto: Kay Siemund

Gefühlt fängt der Sommer gerade erst an, da ist die dazugehörige Pause auch schon wieder vorbei. Am kommenden Montag, passenderweise am 19.06., bittet Trainer Benno Möhlmann seine Schützlinge zur ersten Trainingseinheit des SC Preußen Münster für die neue Spielzeit. Simon Scherder wird dabei sein, sowohl beim Auftakttraining als auch für den Rest der Saison. Mehmet Kara dagegen wird fehlen, auch er für den Rest der Saison. Neue und komplett unterschiedliche Ausgangslagen für zwei der Preußen-Urgesteine.

Am Mittwochabend verlängerte der 24-jährige Simon Scherder seinen auslaufenden Vertrag um ein Jahr und startet somit in seine zwölfte Saison beim SCP. Im Jahr 2006 wechselte der damals noch vergleichsweise kleine Simon als D-Jugendlicher von Brukteria Dreierwalde zum vergleichsweise großen SCP nach Münster. Damit ist er der mit Abstand dienstälteste Preuße – auch weil Mehmet Kara, der ihm gemeinsam mit Keeper Max Schulze Niehues in Sachen Dienstjahren noch am nächsten kommt, künftig nicht mehr Teil des Drittligakaders sein wird.

Beide Spieler waren von diesen Entscheidungen nicht wirklich überrascht: Scherder nahm es erfreut zur Kenntnis, Kara gefasst. „Wir hatten das schon lange besprochen“, sagt Sportdirektor Malte Metzelder, „und er hat das sehr gefasst aufgenommen.“ Der 33-Jährige, dessen Vertrag noch bis Juni 2018 läuft, spielte bereits in der abgelaufenen Spielzeit keine tragende Rolle mehr, verbrachte zuletzt mehr Spielzeit bei der Westfalenliga-Reserve als in Liga drei – und ist ab sofort vollwertiges Kadermitglied beim Team mit der Ordnungszahl II. Sicherlich kein schönes Karriereende für den Rekordspieler, der sich bei den Fans den Titel „Fußballgott“ erarbeitet hatte. Doch der 33-Jährige trägt auch diese für ihn extrem bittere Entscheidung des Vereins, wie alle vorangegangenen in seiner langen Zeit bei den Preußen: Absolut loyal und klaglos. Überlegungen, den altgedienten und verdienten Preußen in anderer Position im Verein zu inte­grieren, habe es nicht gegeben, weil „Mehmet sich noch zu sehr als Sportler und Spieler sieht und weiter Fußballspielen will“, so Metzelder.

Weiter Fußballspielen ist auch das Motto von Simon Scherder – oder vielmehr endlich wieder Fußballspielen. Scherder stand zuletzt am letzten Spieltag der Saison 2014/15 auf dem Platz als die Preußen mit 1:2 gegen Dortmunds Amateure unterlagen. „Dann kam dieser Kreuzbandriss“, erinnert sich der Innenverteidiger an den 28. Juni 2015, als beim Testspiel gegen Westfalia Kinderhaus das vordere Kreuzband den Anschluss verlor – genau wie in der Folge sein Besitzer. Neun Monate dauerte es, ehe sich der Spieler mit gutem Gefühl zurück auf den Platz wagte. Gefühl und Kreuzband hielten am Gründonnerstag 2016 beim Test gegen den FC Emmen aus den Niederlanden ganze fünf Minuten, dann war wieder Schluss. Erst zum Ende der abgelaufenen Saison meldete sich Scherder als Trainingsgast zurück bei den Übungseinheiten. Zu Beginn der neuen Spielzeit will er nun wieder voll angreifen – mit all der gebotenen Zurückhaltung, die ihm seine schmerzlichen Erfahrungen gelehrt haben. „Ich kann mir noch keine konkreten Ziele setzen“, sagt er. „Körperlich fühle ich mich fit, aber ich war im Kopf noch nicht so frei, hundertprozentig in die Zweikämpfe zu gehen. Ich hoffe, das wird sich mit der Zeit einspielen.“ Metzelder ist froh, mit Scherder verlängert zu haben, sieht diesen Vertrag aber auch als Kompromiss zwischen Verein und Spieler: „Wir wollen signalisieren, dass wir uns für ihn verantwortlich fühlen. Wir wissen aber auch, dass er ein wichtiger Stammspieler war und vielleicht wieder werden kann.“ Aktuell sind sich Sportdirektor und Trainer einig, die Saison zunächst ohne Scherder zu planen.

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