Tennis: Haas verabschiedet sich von Gerry Weber Open
Ein letztes Goodbye

Halle/Westfalen -

Seinen letzten Auftritt in Halle hatte sich Tommy Haas anders vorgestellt. Doch der Körper machte nicht mehr so mit.

Dienstag, 20.06.2017, 19:24 Uhr
In Hamburg sagt man Tschüss – in Halle auch: Tommy Haas verabschiedet sich mit seiner Tochter Valentina auf dem Arm von den Zuschauern. Der 39-Jährige, der Ende des Jahres seine Karriere beendet, schied in der ersten Runde von Halle aus.
In Hamburg sagt man Tschüss – in Halle auch: Tommy Haas verabschiedet sich mit seiner Tochter Valentina auf dem Arm von den Zuschauern. Der 39-Jährige, der Ende des Jahres seine Karriere beendet, schied in der ersten Runde von Halle aus. Foto: dpa

Seine Abschiedsvorstellung bei den Gerry Weber Open (GWO) geriet zu einem Kurzauftritt. Nur 67 Minuten stand Tommy Haas bei seiner 15. Teilnahme auf dem Platz, ehe sein Gegner Bernard Tomic das endgültige Aus des Altmeisters mit einem Vorhand-Winner besiegelte.

4:6, 4:6 lautete das nüchterne Resultat, das jedoch emotional vielmehr für Haas, die Zuschauer und Turnierdirektor Ralf Weber bedeutete. „Vielen Dank, Halle. Ich werde die Erinnerungen an dieses Turnier nie vergessen“, sagte der 39-Jährige, der 1997 erstmals in Ostwestfalen aufgeschlagen hatte.

20 Jahre später reichte es für den zweimaligen Champion (2009, 2012) und dreimaligen Halbfinalisten auf seiner Goodbye-Tournee nicht mehr für einen weiteren Sieg. Sein australischer Gegner, gegen den der so häufig von Verletzungen gebeutelte Haas 2015 in Stuttgart auf Rasen bereits verloren hatte, zeigte sich sowohl humor- als auch gnadenlos und zog seinen Streifen durch.

Spaß überwiegt

Nicht einen Breakpunkt gestattete er dem gebürtigen Hamburger, der nur hin und wieder seine Klasse aufblitzen ließ. „Ich konnte nicht mein bestes Tennis abrufen. Aber für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, dass ich hier noch einmal ordentlich spielen und mich verabschieden durfte. Der Spaß überwiegt immer noch. Und wenn ich in die Augen meiner Tochter schaue, vergesse ich jede Niederlage“, erklärte Haas, dessen Tochter Valentina ihn aus der Box immer wieder anfeuerte.

Seine 39. Partie in Halle war seine letzte – und daher eine besondere. So ließ es sich Weber nicht nehmen, ihn noch auf dem Platz für seine Verdienste und Erfolge mit dem erstmals vergebenen „Excellence Award“ der GWO auszuzeichnen.

Deutscher Shootingstar

Ob diesen jemals auch Alexander Zverev erhalten wird, steht in den Sternen. Als Haas vor zwei Jahrzehnten sein Debüt in Halle gegeben hatte, war der deutsche Shootingstar gerade einmal wenige Wochen alt. Doch mittlerweile hat der 20-Jährige den ehemaligen Weltranglisten-Zweiten (Mai 2002) überflügelt und sich nach seinem Triumph von Rom erstmals in die Top Ten gespielt.

Der 1,98 Meter große Schlaks ist auf einem guten Weg, in die Fußstapfen von Haas zu treten. Dass er direkt nach dessen Abschied auf dem Center Court spielen durfte, hatte etwas von einem endgültigen Wachwechsel und dem Beginn einer neuen Zeitrechnung, die im deutschen Tennis längst angebrochen ist. Dies bewies Zverev in Runde eins gegen Paolo Lorenzi.

Duell mit Philipp Kohlschreiber

Der Vorjahresfinalist trumpfte souverän auf, benötigte gegen den Italiener beim 6:3, 6:2 nicht einmal eine Stunde. „Ich habe mich wohl gefühlt auf dem Platz, habe gut aufgeschlagen und returniert. Ich bin sehr zufrieden“, erklärte Zverev, der nun auf seinen Davis-Cup-Kollegen Philipp Kohlschreiber trifft.

„Das wird ein schweres Match. Hoffentlich kann ich genauso gut wie gegen Lorenzi oder noch etwas besser spielen“, meinte Zverev. Ein erstes Achtungszeichen, dass mit ihm auch in diesem Jahr wieder zu rechnen ist, hat er zumindest schon einmal gesetzt.

Auf der Rechnung muss man – fast automatisch – auch Roger Federer haben. Der achtmalige Sieger der Gerry Weber Open bezwang den Japaner Yuichi Sugita, der als Lucky Loser für den am Ellbogen verletzten Yen-Hsun Lu (Taiwan) ins Hauptfeld gerutscht war, fast spielerisch leicht mit 6:3, 6:1. Es war der 1100. Karrieresieg des Maestros – und ganz bestimmt nicht sein letzter.

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