Leichtathletik: Deutsche Meisterschaften
Münsters Leichtathleten haben die Zukunft vor sich

Erfurt -

Die ganz großen Namen und Ergebnisse fehlten bei den nationalen Titelkämpfen in Erfurt, doch Münsters Leichtathleten deuteten ihr Potenzial an und lassen auf gute Zeiten hoffen.

Sonntag, 09.07.2017, 20:01 Uhr aktualisiert: 10.07.2017, 17:16 Uhr
Tabea Christ war als „Mehrkämpferin“ im Einsatz: Sie sprintete und sprang in Erfurt.
Tabea Christ war als „Mehrkämpferin“ im Einsatz: Sie sprintete und sprang in Erfurt. Foto: Ralf Görlitz

Als wäre es eine ihrer leichtesten Übungen: „Ich muss mich beeilen und noch meine Sachen packen. Dann geht‘s rüber zur Sandgrube. Ich muss mich ja noch einspringen“, sagte Tabea Christ, die gerade den 100-Meter-Vorlauf bei den Deutschen Meisterschaften absolviert hatte. In 11,99 Sekunden, neun Hundertstel über ihrer persönlichen Bestzeit, war sie erwartungsgemäß keine Kandidatin für den Zwischenlauf, da fehlten dreieinhalb Zehntel. Dennoch: „Total cool, dabei zu sein“, fand die 19-Jährige vom SC Preußen Münster und huschte am Journalistenpulk vorbei, um ihre Trainingskleidung zu holen.

Kurz darauf steht die Studentin auf der gegenüberliegenden Seite des neuen, schmucken Steigerwaldstadions und bereitet sich auf den Weitsprungwettbewerb vor. Mit 6,04 und 6,07 Metern gelingen ihr die ersten beiden Versuche einigermaßen. Da fehlen noch einige Zentimeter, als Neunte ist sie aus dem Rennen um einen Finalplatz. Der dritte Sprung gelingt: 6,17 Meter. Die Jüngste im Feld ist unter den besten acht. Stark. Am Ende wird sie Siebte, die Weite aus dem dritten Versuch steigert sie nicht mehr. Claudia Salmann-Rath (Eintracht Frankfurt) gewinnt den Weitsprung mit 6,72 Metern und bestätigt in Erfurt ihre WM-Nominierung für London in drei Wochen.

„Ich bin total zufrieden“, sagt Tabea Christ später. „Mit den Besten aus Deutschland zu springen und dann in den Endkampf zu kommen, das ist doch was.“ Beeilen muss sie sich nun nicht mehr. Die Staffel steht erst tags darauf an – und der Flieger zu den U-20-Europameisterschaften im italienischen Grosseto startet erst am Montag der kommenden Woche.

Ihren dritten Start bei dieser DM absolviert Tabea Christ dann als Startläuferin über die 4x100 Meter. Ihr Wechsel auf Imke Daalmann gelingt perfekt, schnell sind die beiden auch. Aber dann knistert es bei der Übergabe auf Lisa Breitkopf: zu früh los- oder zu spät aufgelaufen? Das wird die Analyse zeigen. Jedenfalls ist trotz des starken Schlussspurts von Luisa Bodem nicht mehr drin als die 46,63 Sekunden im Ziel – gleichwohl nur sechs Zehntel über der Bestzeit des münsterischen Quartetts. „Nervös“ waren sie, erklären alle vier unisono, und nicht zufrieden. „Das war überhaupt nicht gut“, sagt Luisa Bodem ein wenig verärgert. Und Trainer Frank Bartschaft zeigt Verständnis: „So etwas passiert halt.“ An der fulminanten Siegerzeit der TG Mannheim (42,97 Sekunden) hätte das Preußen-Quartett allerdings auch bei perfekten Wechseln nicht rütteln können.

Kommentar: Münster schlägt sich achtbar

Nein, an einen Titel war bei dieser Leichtathletik-DM aus münsterischer Sicht nicht ansatzweise zu denken. Dafür fehlen (noch) die ganz Großen, wie Tatjana Pinto, die 2014 im Trikot der LG Brillux Münster Deutsche Meisterin über 100 Meter wurde, aber ihren zweiten Titel 2016 schon für den LC Paderborn gewann, oder Lena Malkus, die 2015 als Preußen-Athletin Deutsche Meisterin im Weitsprung wurde. Pinto ist ins Ostwestfälische gewechselt und Malkus langzeiterkrankt.

Dennoch ist die münsterische Leichtathletik eine blühende Pflanze im Sportgarten der Stadt: Drei Einzelstarter waren diesmal für den SCP bei der DM dabei – plus zwei Staffeln. Die LG Brillux entsandte mit Kai Sparenberg einen Vertreter zu den nationalen Titelkämpfen. Und: Mit Björn Ole Klehn (das Weitsprung-Ass fehlte in Erfurt wegen seiner Abitur-Feier) sowie Sprinterin und Weitspringern Tabea Christ sind in der kommenden Woche zwei SCP-Vertreter aus Münster bei den U-20-Europameisterschaften in Italien. Luka Herden (LG Brillux Münster) startet zudem bei der U-18-WM in Kenia. Erfurt, Grosseto, Nairobi: Münster fällt auf – als ein bunter Farbklecks auf der Leichtathletik-Landkarte.

  Jürgen Beckgerd

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Sensationell indes ist der 200-Meter-Lauf von Jonas Breitkopf. Der 20-Jährige vom SC Preußen erreicht in neuer persönlicher Bestzeit (20,95 Sekunden) das Finale am Abend. „Das ist einfach der Hammer. Super, und das in diesem Top-Feld“, freut sich der Sprinter. Schade: Diese Zeit ist EM-Norm – eine Woche nach Nominierungsschluss. An diesem Tag ist das egal. Breitkopf, endlich über die komplette Saison verletzungsfrei, kommt gegen die Top-Sprinter wie beispielsweise Olympia-Teilnehmer Robin Erewa (Wattenscheid) gut aus den Blöcken und hält seinen Speed bis ins Ziel. „Es hat alles gepasst“, sagt der junge Preuße. Im Endlauf wurde er im deutschen Klassefeld in 21,24 Sekunden Achter. „Ich habe wohl zuvor einige Körner gelassen, trotzdem fühlt sich das sensationell toll an“ sagte Breitkopf.

Mit sich und der Sportwelt im Reinen ist auch Judith Wessling. Mit 1:01,42 Minuten wird sie zwar „nur“ Fünfte im 400-Meter-Hürden-Vorlauf. Aber die Preußen-Athletin zeigt bei ihrer zweiten DM-Teilnahme Kämpferqualitäten. „Der Zwischenlauf war so halb erwartet. Ich habe aber ein gutes Rennen gezeigt“, sagt sie. Gemeinsam mit Maren Silies, Frieda Breitkopf und Luisa Bodem läuft sie noch die 4x400-Meter-Staffel, die in 3:46,76 Minuten Achte vor Neckar-Enz und LG Nord Berlin wird.

Kai Sparenberg von der LG Brillux weiß , wo er die Winzigkeiten, die ihm zum Einzug in den Zwischenlauf über 100 gefehlt haben, liegen gelassen hat: „Mein Start war verhalten“, sagt der Student. „Nach hinten raus war‘s aber besser.“ Der Vorlauf-Vierte in 21,23 Sekunden haderte ein wenig: „So doll waren die Zeiten der anderen ja auch nicht.“

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