Fußball: Kreisliga A
Schwitte sticht Berding im Wacker-Tor aus

Münster -

Drei Jahre lang gab es an Nils Berding kein Vorbeikommen im Tor von Wacker Mecklenbeck. Doch vor dieser Saison musste der 2,06-Meter-Riese auf die Bank. Heimlich, still und leise schlich sich Marius Schwitte vorbei. Der Verdrängte nimmt es sportlich.

Dienstag, 12.09.2017, 15:00 Uhr aktualisiert: 12.09.2017, 16:57 Uhr
Derzeit die Nummer eins: Marius Schwitte kam im Vorjahr aus Gescher zu Wacker.
Derzeit die Nummer eins: Marius Schwitte kam im Vorjahr aus Gescher zu Wacker. Foto: Heimspiel/Mario Lacroix

Es gibt diese Begegnungen am Bahnhof, die jeder Pendler kennt. Den habe ich doch irgendwo schon einmal gesehen, oder? Ja, Marius Schwitte und Sven Lewandowski waren bereits bekannt, als sie sich im Vorjahr in Münster zufällig trafen. Und so wurde der Wechsel des in Gescher groß gewordenen Schnappers zur Mannschaft des Trainers von A-Ligist Wacker Mecklenbeck möglich.

Gependelt war Schwitte, um vom Studienort zur fußballerischen Heimat, dem FSV Gescher, zu gelangen. „Das hat Kraft und Zeit gekostet“, sagt der 25-Jährige, der beim ehemaligen Landesligisten nie über den Job als Ersatzmann hinausgekommen war. Er entschied sich also zur Saison 2016/17 zum Trikottausch. Wacker war seinerzeit aus der Bezirksliga abgestiegen und hatte in dem 29-jährigen Nils Berding einen Mann im Tor, der zwar drei Jahre lang Stammkraft war, in einer verkorksten Saison wegen einer beruflichen Fortbildung aber nur eingeschränkt trainierte und nicht seine besten Leistungen zeigte.

In der vergangenen A-Liga-Saison blieben Zweifel am Ex-Gievenbecker, der in der Oberliga-Saison 2012/13 unter Maik Weßels hinter Nico Eschhaus zweite und am Ende hinter Jan Terwesten sogar dritte Wahl war. Den Wechsel im Wacker-Tor von Berding zu Schwitte vollzogen Lewandowski und sein Trainerkollege Tristan Zellner dann peu à peu in der Rückrunde, ehe sie zum Start dieser Saison den offenen Konkurrenzkampf ausriefen. Die Entscheidung, betonen beide Coaches, sei ihnen schwergefallen. Weil Schwitte in „ein, zwei Punkten die Nase vorn hatte“ (Lewandowski), nimmt Berding seit vier Spielen den Bankplatz ein. „Klar war Enttäuschung dabei“, so der 2,06-Meter-Riese, „aber ich war wenig überrascht, weil ich in der Vorbereitung eineinhalb Wochen aussetzen musste.“

Demütig zeigt sich Schwitte, der „von Nils‘ Erfahrungswerten extrem viel lernen“ will. „Für mich ist es eine neue Situation, mich in einer ersten Mannschaft durchsetzen zu können.“ Die Coaches sind keine Freunde der Torwart-Rotation, aber, so Zellner: „Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass Marius im Tor bleibt.“

Und so sieht Berding, den Lewandowski als „überragenden Teamplayer“ bezeichnet, seine Chance zur Rückkehr. „Ich werde Spielpraxis über die Zweite bekommen und muss da sein, wenn Marius nicht da ist. Im Zweifel kommt ja irgendwann die Winter-Vorbereitung.“ Den Trainern nötigt es Respekt ab, wie Berding seine Rolle annimmt. Sie wissen, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Er ist keiner, der gegen seinen Konkurrenten arbeitet. Eine zufällige Begegnung am Bahnhof kann, das weiß auch Berding, in vielerlei Hinsicht eine Geschichte mit Happy End sein.

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